Lenzing will mehr als 100 Millionen Euro investieren

Spezialfasern lautet das Zauberwort bei Lenzing. Der oberösterreichische Faserhersteller will ihren Umsatzanteil auf 50 Prozent steigern. Außerdem will Lenzing-Chef Stefan Doboczky in den kommenden Jahren deutlich mehr als 100 Millionen Euro investieren.

Lenzing will mehr als 100 Millionen Euro investieren

Lenzing-Vorstandsvorsitzender Stefan Doboczky.

Lenzing setzt in den kommenden Jahren verstärkt auf umweltfreundliche Spezialfasern und will dadurch deutlich profitabler werden. Bis 2017 soll ein zusätzlicher EBITDA-Beitrag von 50 Mio. Euro erreicht werden, jährlich soll das EBITDA um ein Zehntel steigen. "Die finanziellen Ziele sind schneidig, aber machbar", sagte Vorstandschef Stefan Doboczky.

Auch die Rendite des eingesetzten Kapitals (ROCE, Return on Capital Employed) soll bis 2020 auf über 10 Prozent angehoben werden. Dabei soll die Nettoverschuldung unter dem Zweieinhalbfachen des EBITDA bleiben, erklärte Finanzvorstand Thomas Riegler.

Gelingen soll das durch eine noch stärkere Spezialisierung: Bis 2020 soll die Hälfte des Umsatzes aus dem Geschäft mit umweltfreundlichen Spezialfasern wie Tencel oder Lenzing Modal stammen - derzeit sind es 37 Prozent. Je nach Markterfordernissen werde man die Tencel-Produktionskapazität weiter ausbauen, skizzierte Doboczky die neue Strategie mit dem Namen "sCore TEN".

Um diese Strategie umzusetzen, werde man auch mehr investieren müssen als zuletzt, sagte Doboczky. "In den letzten beiden Jahren waren unsere Investitionen eher 100 Millionen und darunter. Das Investitionsprogramm wird deutlich über diesen 100 Millionen sein." Eine genaue Guidance will Doboczky noch nicht abgeben, "aber historisch haben wir eher in der Größenordnung um die 200 Millionen investiert, und wir glauben, dass das eine bessere Größenordnung ist als die 50 bis 100 Millionen, die wir in den letzten zwei Jahren gehabt haben."

Finanzieren will Lenzing diese Investitionen aus eigener Kraft. Gleichzeitig wird eine Dividende von bis zu 50 Prozent des Vorjahres-Nettoergebnisses angestrebt.

Kaufkraft in den Schwellenländern

Lenzing werde künftig von zwei Megatrends profitieren, erklärte Vertriebsvorstand Robert van de Kerkhof: Einerseits wachse die Weltbevölkerung weiter, andererseits steige die Kaufkraft vor allem in den Schwellenländern. "Der Textilverbrauch pro Kopf wird auf ungefähr 12 Kilo pro Kopf wachsen, was immer noch sehr weit unter den 31 Kilo in den Industrieländern ist. Das heißt, auch nach 2020 wird es immer noch sehr viele Möglichkeiten für den Textilmarkt geben, weiter zu wachsen." Das Wachstum werde vor allem in den Schwellenländern stattfinden und China der stärkste Wachstumstreiber bleiben.

Zellstoff ist für Lenzing das wichtigste Rohmaterial, daher werde man die Eigenproduktion künftig erhöhen, sagte Doboczky. "Wir produzieren es heute in der Größenordnung von 56 Prozent, dieser Prozentsatz wird mit der Zeit steigen." Dass die Preise am Rohstoffmarkt steigen, sei für Lenzing günstig, "weil wir mehr rückwärtsintegriert sind als viele unserer Konkurrenten".

Kein Personalabbau

Was die neue Lenzing-Strategie nicht vorsieht, ist ein Personalabbau. "Tendenziell ist es sicherlich so, dass wir etwas mehr Mitarbeiter brauchen werden, weil wir in gewissen Bereichen investieren werden", vor allem in Forschung und Marketing "sehr nahe am Kunden", erklärte Doboczky.

Die nötige größere Kundennähe mache es auch erforderlich, neue Entwicklungszentren aufzubauen, wofür man vor allem - aber nicht nur - in Asien einen Bedarf sehe, sagte der CEO. Weil "die Zukunft und die Wachstumsmärkte nicht unbedingt in Europa" seien, werde man auch "mehr und mehr Management-Verantwortung, Entscheidungsverantwortung in die Regionen geben".

2014 hatte Lenzing einen Verlust von 14,2 Millionen Euro geschrieben. Heuer sieht es dafür schon sehr viel besser aus. Das Fazit nach den ersten neun Monaten: Ein Konzernumsatz von 1,46 Milliarden Euro (+7,4%), der Gewinn legte um 90,6 Prozent auf 84,4 Millionen Euro zu. Daher erwarte man für 2015 eine "signifikante Ergebnisverbesserung".

Lenzing stellt Viskosefasern her, die dann zu Bekleidung, Bettwäsche oder Hygieneartikel wie Wattepads, Tampons oder Feuchttücher weiterverarbeitet werden. In den vergangenen Jahren hatten dem Unternehmen stark sinkende Faserpreise zu schaffen gemacht, die wegen hoher Überkapazitäten in China einbrachen. Das Unternehmen verordnete sich einen harten Sparkurs und baute Stellen ab.

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