Lenzing-Chef Doboczky: „Die Talsohle ist durchschritten“

Stefan Doboczky, CEO der Lenzing AG sieht nach hohen Verlusten im 2. Quartal Licht am Horizont. Noch keine Entscheidung gibt es über die Verlängerung der Kurzarbeit bzw. Mitarbeiterabbau. Die politische Nähe des Lenzing-Partners bei der MNS-Produktion habe „keinen Einfluss auf die Geschäftsgebarung“.

Lenzing CEO Stefan Doboczky

Lenzing CEO Stefan Doboczky

Fallende Faserpreise, Panikkäufe im Hygienebereich, dramatische Einbrüche im Textilhandel – Lenzing-Vorstandschef Stefan Doboczky sah im zweiten Quartal 2020 „Marktentwicklungen, wie wir sie noch nie gesehen haben.“ Der Umsatz ging zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent zurück, unterm Strich stand ein Verlust von 32,1 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr war das Periodenergebnis mit 14,4 Millionen Euro negativ. Dennoch „haben wir die Talsohle durchschritten“, gab sich Doboczky bei der Video-Halbjahrespressekonferenz verhalten optimistisch. Er erwartet eine Besserung der Situation im weiteren Verlauf des Geschäftsjahrs.

"Übervolle Lager" mit Schutzmasken

Auch zu seinem jüngsten „Baby“, der gemeinsam mit der Palmers AG in Windeseile aus dem Boden gestampften Schutzmasken-Produktion Hygiene Austra LP GmbH in Wiener Neudorf, nahm der Lenzing-Chef Stellung. Berichte über personelle Verflechtungen seines Joint-Venture-Partners mit der ÖVP kontert er mit der Feststellung: „Das hat keinen Einfluss auf die Geschäftsgebarung.“ Es habe „bis auf einige hundert Masken keine staatlichen Aufträge an die Hygiene Austria LP GmbH gegeben“.

Die Erwartungen an die Maskenerzeugung wurden ohnehin herunter geschraubt. Entgegen der Lenzing-Aussage Ende Mai, die Maskenproduktion „bald“ auf 25 Millionen Stück pro Monat aufzustocken, spricht Doboczky mit Verweis auf „übervolle Läger“ bei den Kunden derzeit nur noch von 12 Millionen Stück. „Mittelfristig“ bleibe 25 Millionen das Ziel.

Kurzarbeit dauert an

Inzwischen sind weniger als tausend der ursprünglich über 1.500 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Zur weiteren Vorgangsweise wollte sich der CEO nicht festlegen. Vorerst werde Kurzarbeit bis Ende September zur Anwendung kommen, „es gibt noch keine finale Entscheidung, wie es danach weiter geht“. Das betrifft auch die explizite Frage des trend, ob es Kündigungen geben wird. Dazu sei angesichts des turbulenten Marktumfelds „die Visibilität zu gering“, so Doboczky.

Der börsenotierte Konzern (ISIN AT0000644505) mit Sitz in Oberösterreich hat in den letzten Monaten auf breiter Front mit sinkenden Faserpreisen zu kämpfen, allein bei Viscose-Standardfasen waren es minus 26,5 Prozent im Jahresvergleich. Auch Spezialfasern wie Lyocell, auf die Lenzing verstärkt setzt, gaben nach. Der Spezialfaseranteil beträgt inzwischen 60 Prozent. An den Großinvestitionen in Brasilien, wo das weltweit größte Zellstoffwerk seiner Art errichtet wird, und in Thailand – ein Lyocell-Werk – wird unverändert festgehalten. Lenzing habe bereits den „höchsten Europäisierungsgrad“ in der Branche, sieht Doboczky keine Notwendigkeit zur Deglobalisierung.

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