Lendo - der Kredit-Turbo aus Norwegen

Mit Lendo startet erstmals ein Kreditvermittlungsportal in Österreich. Fixfertige Kreditangebote in nur einem Werktag sind das Ziel des skandinavischen Anbieters.

Lendo Österreich Chef Martin Spona

Lendo-Österreich-Chef Martin Spona will Kreditkunden das Leben erleichtern. Selbstständige und Unternehmen sind davon aber ausgenommen.

Wien ist seit Kurzem um ein Fintech reicher. Von außen betrachtet, handelt es sich um ein typisches Start-up: Im gerade neu errichteten Co-Working-Space "Talent Garden" in Wien Alsergrund hängen nackte Glühbirnen von der Decke, leere Kisten stehen in ebenso leeren Büroräumen herum und mittendrin eine Handvoll junger Leute hinter ihren Schreibtischen. An ihrer Bürotür ein Schild mit einer grünen Aufschrift: Lendo.

So gewöhnlich die Szenerie für ein Start-up anmutet, so ungewöhnlich ist dieses Fintech. Ungewöhnlich vor allem deshalb, weil Lendo mit einem Kreditvermittlungsportal in Österreich ein völlig neuartiges Service anbietet. Und ungewöhnlich auch deshalb, weil hinter Lendo mit der norwegischen Schibsted Gruppe ein sehr potenter Eigentümer steht, der auch bereit ist, für den in den nächsten Wochen stattfindenden Marktstart jede Menge Geld in die Hand zu nehmen.

Ein kolportiert siebenstelliger Betrag soll ab Mitte März in Werbung fließen. "Schibsted hat sich entschieden, entsprechend in Marketing zu investieren, um Lendo bekannt zu machen. Die Kampagne wird im Fernsehen, im Radio und online zu sehen sein", bestätigt Lendo-Österreich-Chef Martin Spona.

Schibsted (siehe unten) ist hierzulande kein unbekanntes Unternehmen, haben die Norweger doch die österreichische Flohmarkt-App Shpock um mehr als 200 Millionen Euro gekauft und besitzen 50 Prozent am Anzeigenportal willhaben.at.


Die Schibsted Group

MEDIENKONZERN


Sitz: Oslo
Beteiligungen in Österreich: willhaben (50 %), Shpock, Lendo
Mitarbeiter: 6.800 in 30 Ländern
Umsatz (2018): 1,8 Milliarden Euro
Gewinn (EBITDA): 334 Millionen Euro
Lendo: wurde im Jahr 2009 von Schibsted übernommen und liefert einen Umsatzanteil von rund zehn Prozent; dzt. in Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark

KRISTIN SKOGEN LUND leitet seit letztem Jahr die Geschicke der Schibsted Gruppe.


Österreich ist nach Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark die Nummer fünf auf der Landkarte des Kreditvermittlers und das erste nichtskandinavische Land. "Österreich ist in der Marktentwicklung heute so weit wie Schweden vor acht Jahren", erläutert Spona, wieso die Wahl jetzt auf Österreich gefallen ist. Während Lendo in Schweden mittlerweile ein fixfertiges Kreditangebot in fünf Sekunden garantiert, bietet man österreichischen Kunden ein Angebot binnen eines Werktags an. Aber auch dieses langsamere Service soll heimischen Bankkunden das Leben deutlich erleichtern. "Speziell wenn ich am Land mit meinen Kreditunterlagen zu drei Banken fahre und dann vergleiche, dauert es sehr lange", erläutert Spona.

Und genau hier kommt Lendo ins Spiel: Schneller und bequemer als in der Bankfiliale und auch diskreter als manche Kreditanbahnung am Wirtshaustisch will man Privatkunden zu ihrem Geld verhelfen. Kredite im Ausmaß von bis zu 65.000 Euro kann man bei Lendo bekommen, egal, ob das Geld für den Wohnungs-, Autokauf oder für einen Urlaub benötigt wird. Vorerst keine Kredite via Lendo wird es allerdings für Selbstständige und Unternehmen geben. "Wir erkennen hier auch einen großen Bedarf und werden unser Angebot womöglich noch erweitern", stellt Spona in Aussicht.

Zum Start buhlen sechs Banken, darunter die Raiffeisen Landesbank Steiermark, die Bank Austria und die Erste Bank, um die Gunst der Kunden. Weitere Kooperationspartner sollen aber folgen.

Rasches Wachstum ist aber nicht nur bankenseitig geplant, auch kundenseitig ist man bei Lendo zuversichtlich. "In Schweden, unserem ersten Markt, decken wir 60 Prozent des digitalen Kreditvolumens ab. Da wollen wir in Österreich auch etwa hin", sagt der Lendo-Österreich-Chef. In absoluten Zahlen lässt sich das mangels verfügbarer Daten aber nicht konkretisieren.

Jedenfalls konnte Lendo in Skandinavien in zehn Jahren am Markt mehr als 500.000 Kunden gewinnen. 2018 gelang Lendo ein Umsatzplus von acht Prozent auf 87,1 Millionen Euro und ein Gewinn von 32,9 Millionen Euro. Seine Einnahmen erzielt das Unternehmen ausschließlich durch einmalige Vermittlungsprovisionen - bis zu maximal fünf Prozent -von den Banken.

Rabattaktionen oder Dumping-Methoden mit Zinsen weit unter null Prozent, wie man sie in den letzten Jahren von manchem deutschen Konkurrenten gesehen hat, dürfen Kunden bei Lendo nicht erwarten. "So etwas halte ich für Unsinn. Das ist nicht im Sinne der Konsumenten und bloße Effekthascherei", glaubt Spona, der früher selbst bei der Erste Group und der Bank Austria tätig war.

Das wird ihm wohl auch die Türen zu manchem seiner Bankpartner ein Stück weit geöffnet haben und: "Uns hat der Track Record von Lendo überzeugt. Und natürlich bedeutet es für uns einen zusätzlichen Vertriebskanal", erklärt Olaf Nitz, zuständig für Digital Sales in der Erste Bank. Angst, dass die Vergleichbarkeit der Konditionen letztlich zu einem verstärkten Preiswettbewerb unter den teilnehmenden Banken führt, hat man bei der Erste Bank nicht: "Wir scheuen den Vergleich nicht und punkten mit unserer Glaubwürdigkeit bei den Kunden", meint Nitz.

Nach dem Roll-out in Österreich ist die Expansion von Lendo aber keinesfalls abgeschlossen. Als nächstes Target haben die Norweger bereits den polnischen Markt identifiziert. Das mit sechs Mann noch sehr kleine Büro in Wien könnte Schibsted in naher Zukunft womöglich als Sprungbrett in weitere Ostmärkte dienen. Spona: "Wir sondieren die Märkte."


Der Artikel ist der trend.PREMIUM-Ausgabe 9/2019 vom 1. März 2019 entnommen.


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