Kika/Leiner: Möbelhändler an der Kippe

Der Leiner-Flagship-Store an der Wiener Mariahilferstraße

Der Leiner-Flagship-Store an der Wiener Mariahilferstraße

Die Kika/Leiner-Mutter Steinhoff. Die wird wohl bald in Einzelteile zerlegt. Den Steinhoff-Skandal hat auch XXXLutz-Eigentümer Andreas Seifert mit ausgelöst.

So hatte sich Gunnar George das nicht vorgestellt. Statt gemütliche Feiertage mit der Familie zu verbringen, konnte der Boss der Möbelhandelskette Kika/Leiner buchstäblich in letzter Minute den Gang zum Insolvenzrichter verhindern. Der in zwei Tagen durchgezogene Verkauf des Leiner-Flagship-Stores auf der Wiener Mariahilfer Straße konnte das Schlimmste abwenden. Der trend berichtete zu Jahresbeginn exklusiv darüber. Doch wie knapp an der Kippe Kika/Leiner wirklich steht, zeigt sich erst so nach und nach.

Einer der Auslöser für den Supergau bei der Kika/Leiner-Mutter Steinhoff sitzt in Österreich: Der Haupteigentümer des Mitbewerbers XXXLutz, Andreas Seifert, kämpft seit Jahren juristisch gegen die Steinhoff-Gruppe. Noch vor zehn Jahren wollte sich Seifert durch eine gemeinsame Expansion mit Steinhoff am europäischen Möbelmarkt gegen Ikea positionieren - und sich möglicherweise auch von seinem 2017 verstorbenen Bruder Richard emanzipieren. Als Steinhoff mit seinem Diskonter Poco 2007 Teile der XXXLutz-Tochter Mömax in Deutschland übernahm, beteiligte sich Seifert im Gegenzug über eine Treuhandkonstruktion mit 50 Prozent an Poco.

Auch bei der Übernahme des französischen Möbelriesen Conforama, für den Steinhoff 2011 rund 1,7 Milliarden Euro hinlegte, steuerte Seifert 300 Millionen bei und wollte sich über eine Wandelschuldverschreibung einen Hälfteanteil sichern. Doch in beiden Fällen endete die Partnerschaft in einem erbitterten Streit.

Steinhoff zog Seiferts Poco-Anteile wegen angeblicher Verstöße gegen den Syndikatsvertrag ein. Der Österreicher klagte vor dem Landgericht Dortmund, wo seit Sommer 2017 mehrere Verfahren laufen. In Sachen Conforama brachte Seifert zwei Klagen in Wien ein, wo die Holding Steinhoff Europe ihren Sitz hat. Der Prozess um die Herausgabe von 50 Prozent der Conforama-Anteile ruht, der Prozess um die Höhe der Rückzahlung für Seiferts Investment läuft indes.

Aktienabsturz

Seifert zog dabei sämtliche juristischen Register, inklusive etwa einer Klage beim "Gerechtshof Amsterdam" - was wiederum die Börsenaufsicht hellhörig machte. Leicht vorstellbar, dass dadurch indirekt die komplexe und hochriskante Konstruktion zum Einsturz gebracht wurde, die der Ende des Jahres abgesetzte Steinhoff-CEO Markus Jooste aufgebaut hatte. Der genaue behördliche Blick auf dessen "kreative" Bilanzierungsmethoden ließ jedenfalls die Steinhoff-Aktie um über 90 Prozent auf rund 40 Cent abstürzen.

Steinhoff-Aktie, ISIN NL0011375019; Stand vom 18.01.2018: 0,366 Euro. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Steinhoff-Aktie, ISIN NL0011375019; Stand vom 18.01.2018: 0,366 Euro. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

"Seifert könnte es durch seine Aktivitäten tatsächlich gelingen, einen großen Player aus dem Markt zu schießen", sagt ein in die Causa involvierter Jurist gegenüber dem trend.

Der Angesprochene will diese Interpretation der Vorgänge so aber nicht stehen lassen. Andreas Seifert, der normalerweise nie mit Medien kommuniziert, lässt dem trend ausrichten, dass es immer nur um die Durchsetzung seiner rechtlichen Ansprüche gegangen sei. Allerdings, so bestätigt er, wurde er "auf Aufforderung der Staatsanwaltschaft Oldenburg im Zuge einer Ermittlung als Zeuge zu bestimmten Sachverhalten befragt. Aus diesen Sachverhalten resultierte eine Anzeige wegen Dokumentenfälschung". Dennoch könne man über den Auslöser der jetzigen Bilanzuntersuchungen bei Steinhoff nur mutmaßen, "das fehlende Testat des Wirtschaftsprüfers dürfte aber ein wesentliches Ereignis sein".

Weiters legt Seifert Wert auf die Feststellung, "dass es zwischen Steinhoff und der XXXLutz-Gruppe keine gesellschaftsrechtlichen Verbindungen gibt. Verbindungen mit Steinhoff gibt es nur zu Beteiligungsgesellschaften, die er außerhalb der XXXLutz-Gruppe hält".


Lesen Sie mehr über die aktuelle Lage bei Kika/Leiner in der trend-Ausgabe 1-3/2018 vom 19. Jänner 2018.

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