„Lehrer haben Akademiker-Gehälter im unteren Drittel“

„Lehrer haben Akademiker-Gehälter im unteren Drittel“

Die Agenda Austria hatte am Mittwoch den hohen Anstieg der Lehrergehälter aufgezeigt und undurchschaubare Zulagen kritisiert. Nun wehrt sich die Lehrergewerkschaft.

Thomas Bulant, Vorsitzender der Sozialistischen Lehrergewerkschaft SLÖ ringt um Fassung. „Ich weiß nicht wohin die Angriffe auf die Lehrer in einer sozialen Gesellschaft führen sollen.“ Zumal Lehrer seiner Ansicht nach längst nicht so viel verdienen, wie manche glauben mögen. Daran ändern auch aktuelle Auswertungen nichts. Das Think Thank Agenda Austria hat nämlich festgestellt, dass die Gehälter der Pflichtschullehrer in den vergangenen zehn Jahren um 33 Prozent gestiegen sind und die Zulagen ihrer Ansicht nach ein undurchschaubares System darstellen.

"Von Überbezahlung kann keine Rede sein"

Die Gehaltskurve aller Lehrer enthält jedoch zwei unterschiedliche Bestandteile: So gibt es Lehrer, die nach dem alten, andere, die nach dem neuen Dienstrecht besoldet werden. Bulant: „Volksschullehrer kriegen zudem weder Zulagen noch Vergütungen.“ Wenn es Zulagen für andere Pflichtschullehrer gibt, trifft das in der Regel nur die Klassenvorstände. Dafür gibt es 80 Euro im Monat. „Diese administrativen Arbeiten machen in Unternehmen typischerweise Sekretärinnen. Von Überbezahlung kann keine Rede sein.“

Höchstens ein paar 100 Euro im Jahr, die sich ein paar Lehrer teilen müssen

Zulagen gebe es beispielsweise noch für Teamteaching oder wenn Lehrer für besondere Leistungen honoriert werden. Doch Bulant schränkt ein: „Das sind höchstens ein paar hundert Euro – wohlgemerkt im Jahr. Und das müssen sich meist noch vier bis sechs Lehrer teilen.“ Das sei ein Mittel zur Wertschätzung, wenn auch nur in geringem Ausmaß. „Aber diese Zulage ist nicht die Regel“, ergänzt Bulant. Die meisten der 120.000 Pflichtschullehrer, von denen viele besondere Leistungen erbringen, sind solche Prämien nicht möglich, da dafür kein Geld vorhanden sei.

Künftig deutlich flachere Gehaltskurve

Die von der Agenda Austria kritisierten automatischen Gehaltssprünge gehören mit dem neuen Dienstrecht, das spätestens 2019 für alle Neueinsteiger gilt, ohnehin der Vergangenheit an. Dann soll es eine neue deutlich flachere Gehaltskurve geben. Bisher beginnen junge Lehrer mit einem sehr niedrigen Gehalt. Junglehrer haben nach dem alten Dienstrecht zwar eine Verantwortung von rund 25 Kindern pro Klasse, kriegen aber nur 1.300 bis 1.400 Euro brutto im Monat. „Damit sind Lehrer definitiv nicht überbezahlt.“ Doch dieser geringe Einstiegsgehalt soll mit dem neuen Dienstrecht angehoben werden. „Danach soll die Gehaltskurve flacher werden“, so Bulant.

Höherer Anfangsgehalt, höhere Lehrverpflichtung

Bisher können Junglehrer zwischen dem alten und dem neuen Dienstrecht wählen. Ab 2019 müssen jedoch alle Berufseinsteiger dieser Berufsgruppe das neue Dienstrecht wählen. Diese ist auch mit einer höheren Lehrverpflichtung, also mehr Arbeitsstunden, verbunden. Der Start des verpflichtenden neuen Dienstrechts korreliert mit der neuen Ausbildung. Zu diesem Zeitpunkt, im September 2019, kommen die ersten Absolventen der neuen gemeinsamen Lehrerausbildung an die Schulden. „Alle Zulagen werden damit ersatzlos gestrichen“, so Bulant. Das ist vor allem für Klassenvorstände eine bittere Pille. Denn die rund 30.000 Klassenvorstände müssen dann nicht nur auf ihre Zulage verzichten, dieses Extrageld war bisher auch als Bemessungsgrundlage für die Pension entscheidend.

Abschaffung der Verwaltung durch das Land begrüßt

Der am Mittwoch von den Experten des Bildungsberichts geforderte zentrale Verwaltung aller Schulen durch den Bund kann der Gewerkschafter viel abgewinnen. „Ressourcen und Aufgaben sollen ohne Zwischenhändler an Schulen erfolgen.“ Das Land, das bisher neben dem Bund ebenfalls Lehrer anstellt, wäre damit als zusätzliche Verwaltung obsolet.

Eine Verwaltung für mehrere Schulen gefordert

„Eine neue Definition der Funktion der Schulleitungn sollte einen Professionalisierungsschub in das Schulmanagement bringen“, so Bulant. So setzt er sich für einen großen administrativen Cluster ein, der die Verwaltungsaufgaben mehrerer Standorten übernimmt. Gleichzeitig hält er eine pädagogische und dienstrechtliche Leitung an jedem Standort für nötig. „Damit autonome Schulen im pädagogischen Bereich kindergerecht agieren können, ist eine Senkung der derzeitigen starken Reglementierung und die hohe Zahl der Aufgaben unerlässlich.“

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