Laudamotion schließt Basis in Wien per 29. Mai - 300 Jobs verloren

Die Ryanair-Tochter schiebt die Schuld für das Platzen der Verhandlungen auf die Gewerkschaft Vida und Österreichs Bundesregierung. vida hatte ein von Ryanair vorgelegten Kollektivvertrag als "Erpressung" beurteilt. Die WKÖ sah das anders. Umwelt- und Infrastrukturministerin Gewessler warnt vor Sozialdumping.

Laudamotion schließt Basis in Wien per 29. Mai - 300 Jobs verloren

Die 2018 unter der damaligen Regierung von ÖVP/FPÖ mit Laudamotion gepriesene "österreichische Airline-Lösung" ist zwei Jahre später schon Geschichte.

Wien/Schwechat/Dublin. Die Ryanair-Tochter Laudamotion schließt ihre Basis in Wien per 29. Mai. 300 Jobs gehen verloren. Die Gewerkschaft vida ließ sich nicht auf ein Ultimatum der Billigairline ein, die einen neuen Kollektivvertrag mit deutlich abgesenkten Löhnen gebracht hätte. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) hätte diesen akzeptiert.

vida werde sich "nicht erpressen lassen und keinen KV unterzeichnen, der mit 848 Euro Netto-Einstiegsgehalt für FlugbegleiterInnen klar unter der Mindestsicherung in Wien (917 Euro) und noch deutlicher unter der aktuellen Armutsgefährdungsschwelle 2019 von 1.259 Euro im Monat für eine Person liegt", hieß es zuletzt von der vida.

"Höhepunkt einer Inszenierung"

"Lauda bedauert zutiefst den Verlust von mehr als 300 Arbeitsplätzen für die A320-Besatzungen und die Schließung von Laudas A320-Basis in Wien am kommenden Freitag, den 29. Mai", teilte Österreichs zweitgrößte Luftfahrtgesellschaft am Freitagvormittag mit. "In beschämender Weise hat die Gewerkschaft VIDA die Wünsche von über 95 Prozent der Piloten und 70 Prozent der Kabinenbesatzung an Laudas A320-Basis in Wien ignoriert und über 300 gut bezahlte Arbeitsplätze vernichtet."

Die Gewerschaft vida ortet in der Mitteilung der Ryanair-Tochtergesellschaft Laudamotion einen "traurigen Höhepunkt einer Inszenierung von Ryanair". Die Gewerkschaft hatte die Unterzeichnung eines neuen Kollektivvertrags mit deutlich niedrigeren Löhnen abgelehnt.

"Für uns verstärkt sich immer mehr der Eindruck, den wir schon vor ein paar Monaten hatten, dass Ryanair nichts anderes im Sinn hatte als die Basis in Wien zu schließen", sagte Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida, im Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radio am Freitag. Trotzdem betonte er die Verhandlungsbereitschaft der Gewerkschaft: "Unsere Hand ist weiterhin ausgestreckt, dass wir zu einer sinnvollen Lösung kommen."

Die Aussage des Laudamotion-Managements, es gingen 300 "gut bezahlte Arbeitsplätze" in Wien verloren, wies Liebhart zurück. Laudamotion habe jetzt schon den weitaus "günstigsten" Kollektivvertrag am Standort Schwechat. Durch die Kurzarbeit würden die Lohnkosten vom AMS, von den Steuerzahlern, gefördert. Es mache keinen wirtschaftlichen Sinn, diese Basis zu schließen.

Es gehe um die Verantwortung der österreichischen Sozialpartner, den Einzug von "working poor" in Österreich nicht zuzulassen. "Von Vollzeitarbeit muss man auch Vollzeit leben können", dazu gehöre ein Gehalt über der Armutsschwelle und nicht unter der Mindestsicherung, forderte der Gewerkschafter. Es liege in der Hand der Sozialpartner, faire Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Angesprochen darauf, dass laut Unternehmen die große Mehrheit der Belegschaft den neuen Kollektivvertrag akzeptieren würde, meinte Liebhart, Ryanair spiele hier ganz massiv mit den Ängsten der Mitarbeiter. Die vida habe hier andere Rückmeldungen als das Unternehmen kommuniziere. Die Gewerkschaft arbeite seit zwei Wochen an einer "Auffanglösung", wenn diese fertig sei, werde man sie der Belegschaft mitteilen.

Die Billigairline "bedauert auch die Untätigkeit der österreichischen Regierung" und bezog sich dabei darauf, dass der Lufthansa-Tochter AUA in der Coronakrise sehr wohl geholfen werden solle.

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) hat heute bei einer Pressekonferenz zur Fluggesellschaft Laudamotion Stellung genommen. "KV-Verhandlungen sind Aufgabe der Sozialpartner, nicht der Regierung", sagte er. Er habe sich in die Kollektivvertragsverhandlungen nicht eingemischt. Es wäre gut, "wenn beide Seiten einen Schritt aufeinander zugehen", appellierte er an die Gewerkschaft vida und die Luftlinie.

Jedes Unternehmen, das die Antragskriterien erfülle, könne Anträge auf staatliche Hilfen stellen und etwa Garantien oder Fixkostenzuschüsse bekommen, versicherte Blümel. Er habe sich das bei Laudamotion nicht angeschaut, ob sie die Kriterien erfüllen würde.

Laudamotion hatte Blümel aufgefordert, von der Gewerkschaft vida die Unterzeichnung des Lauda-Kollektivvertrages mit deutlich niedrigeren Löhnen zu verlangen.

Warnung vor Sozialdumping

Umwelt- und Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) hat anlässlich der Lage bei der Fluggesellschaft Laudamotion deutlich vor Sozialdumping gewarnt. "Wir haben am Standort Wien durchaus ein Problem mit der Frage von Sozialdumping, teilweise sehr schlechten Arbeitsbedingungen", sagte sie am Freitag bei einer Pressekonferenz.

Die Zukunft der Luftfahrt müsse klimafreundlich und mit guten Arbeitsbedingungen für die Belegschaft sein. Auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit "Dumping-Löhnen" zu agieren und sich auf Kosten der Umwelt einen Gewinn zu sichern, das könne nicht die Zukunft sein, betonte sie. "Da haben wir umfassenden Handlungsbedarf in der Branche."

Ende sogenannter "österreichischen Lösung"

Angesprochen auf die vom ehemaligen FPÖ-Infrastrukturminister Norbert Hofer gepriesene "österreichische Lösung" bei der Fluglinie sagte Gewessler, "die vielbesungene österreichische Lösung war ja mit dem Einstieg der Ryanair nicht ganz eine österreichische Lösung".

Bei staatlichen Lösungen solle man daher darauf schauen, dass man sich solche Zusagen auch rechtssicher absichern lasse.

Flughafen Wien hofft auf weitere Verhandlungen

Der Flughafen Wien hofft nach dem durch Laudamotion angekündigten Aus der dortigen Basis der Ryanair-Tochter doch noch auf weitere Verhandlungen. 300 Mitarbeiter dürften nicht Opfer mangelnder Verhandlungsbereitschaft sein, lautet der Appell an alle Beteiligten. Die Schließung sei ein "fatales Signal für den Standort".

"Ein Zurück an den Verhandlungstisch ist ein Gebot der Stunde", so Flughafenvorstand Günther Ofner in einer Mitteilung. Die "Verweigerungshaltung der Gewerkschaft" sei "ein Schlag gegen die eigenen Mitglieder, denn wo sollten die Betroffenen, ginge ihr Arbeitsplatz verloren, jetzt in der Krise einen neuen Arbeitsplatz finden?", fragt der Manager.

Das Ende von großen Phantasien

Laudamotion hatte im Jänner 2018 unter seinem damaligen Besitzer Niki Lauda aus der Konkursmasse von Airberlin wesentliche Teile von deren Tochter FlyNiki erhalten. So gingen nebst Start- und Landerechte neun der 21 ehemaligen Niki-Flugzeuge an Niki Laudas Laudamotion. Die bereits der Lufthansa-Group im Rahmen der AirBerlin-Insolvenz zugesprochenen Niki-Flugzeuge mussten aufgrund von EU-Auflagen an Lauda verleast werden. Lufthansa und Laudamotion hatten Monate lang vor Gericht bezüglich der bisher geleasten Airbus-Flugzeuge gestritten. Lufthansa hatte unter anderem behauptet, dass Laudamotion bei der Zahlung im Rückstand war, Laudamotion behauptet, dass die Leasinggebühr für die überlassenen Jets überhöht war. Im September 2018 wurde eine außergerichtliche Lösung getroffen.

Schon am 16. März, nicht einmal zwei Monate nachdem Niki Lauda mit Laudamotion mit starker Unterstützung der damaligen ÖVP-/FPÖ-Regierung die damals als "österreichische Lösung" gepriesene Lösung verkündet hatte, nahm die Airline wie früher das Chartergeschäft auf. Laudamotion wollte in die Urlaubsregionen vor allem in Südeuropa sowie zu Destinationen in Deutschland abheben.

Am 20. März 2018 wurde bekannt, dass die irische Ryanair einen Anteil von zunächst 24,9 Prozent der Geschäftsanteile an Laudamotion übernehmen will. Im September 2018 hatte Ryanair ihren Anteil auf 75 Prozent an Laudamotion erhöht. Ende Dezember 2018 wurde Niki Laudas Airline vollständig vom irischen Billigflieger geschluckt. Niki Lauda ist am 19. März 2019 aus der Geschäftsführung der Airline endgültig ausgeschieden.

Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte noch im Jänner 2019 große Pläne präsentiert, in denen Laudamotion in zehn Jahren Österreichs größte Fluglinie sein sollte. Insgesamt 100 Bestellungen für den Airbus A321neo wurden vor einem Jahr noch angekündigt.

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