Land der Kuren: Die Zahl der Kuraufenthalte steigt stetig

Land der Kuren: Die Zahl der Kuraufenthalte steigt stetig

Die Kur ist im Trend - es wird wieder mehr gebadet und geplantscht.

Ach, wie gut tut eine Kur: Die Zahl der Kuraufenthalte hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Die Kosten für die Kuraufenthalte ebenso.

Im abgelaufenen Jahr traten 281.270 Personen einen mehr oder weniger verdienten Kur-oder Rehabilitationsaufenthalt an -1,3 Prozent mehr als das Jahr davor. Nicht enthalten sind dabei die kurfreudigen Beamten. Von der zuständigen Versicherungsanstalt BVA, in der rund 548.000 Personen (plus Angehörige) versichert sind, waren bis zu Redaktionsschluss keine aktuellen Daten zu erhalten. Betrachtet man die Entwicklung der letzten zehn Jahre, nahm die Zahl der Kureinweisungen um 68.675 Fälle zu.

Proportional stiegen auch die Kosten, die zuletzt (ohne BVA) 2,223 Milliarden Euro ausmachten. Die Zahl der gestellten Anträge war im vergangenen Jahr übrigens rückläufig, ebenso wie die Zahl der genehmigten Anträge. Immerhin 33.585 Personen traten, trotz Genehmigung, 2017 ihren Kuraufenthalt nicht an, die Gründe dafür sind nicht bekannt (siehe untenstehende Grafik) .

Quelle: Hauptverband der Österr. Sozialversicherungsträger

Quelle: Hauptverband der Österr. Sozialversicherungsträger

Absehbar aber ist: Die Zahl der Kuraufenthalte wird auch in den nächsten Jahren nicht abnehmen. Denn die Gesellschaft altert, psychische wie physische Beeinträchtigungen nehmen zu.

"Aktive Gesundheitsvorsorge" statt Kuraufenthalte

Um das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen, will die Pensionsversicherung nun die Kur bis Ende 2018 abschaffen und durch "Gesundheitsvorsorge Aktiv" (GVA) ersetzen. Mehr Bewegung und weniger Moorbäder heißt die Devise. Damit werden Mehrkosten von mehreren Millionen Euro pro Jahr erwachsen.

Auch diese neue Kurform sei gesundheitspolitisch ein "wirkungsloses Instrument", kritisiert Neos-Mandatar Gerald Loacker, der statt teuren "Kur-Urlauben" eine ambulante Betreuung der Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg für deutlich sinnvoller und kostengünstiger erachtet.

Die Ungerechtigkeit

Faktum ist, dass Kuren heute nach sehr unterschiedlichen Kriterien bewilligt werden. Zwei Drittel genehmigt die PVA, den Rest die Krankenkassen, die ihre Anteile zügig zur PVA auslagern - weil deren Abgänge mit Bundeszuschüssen ausgeglichen werden. Die Wiener und die Tiroler Gebietskrankenkassen finanzieren gar keine Kuren mehr, die Salzburger und Tiroler dagegen rund eine Kur pro 170 Versicherte.

Beamte und Eisenbahner haben beste Kuraussichten: In diesen Berufsgruppen kurt jeder fünfzigste bzw. sogar jeder fünfunddreißigste Versicherte. Die Ablehnungsquote bei Beamten beträgt nur rund zehn Prozent, während die PVA immerhin zwanzig bis dreißig Prozent der Anträge ablehnt.


Der Beitrag ist der trend-Ausgabe 12/2018 vom 23. März 2018 entnommen.

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