KV-Verhandlungen: ÖBB zahlt freiwillig drei Prozent mehr Gehalt

Betriebsversammlung der ÖBB-Mitarbeiter

Vorab-Lohnerhöhung für 40.000 ÖBB-Mitarbeiter: Rückwirkend mit Oktober gibt es drei Prozent mehr.

Die ÖBB und etliche Privatbahnen unterlaufen Eisenbahner-Kollektivvertragsverhandlungen und zahlen freiwillig drei Prozent mehr Gehalt.

Der Schachzug ist raffiniert: Die ÖBB und mit ihr etliche Privatbahnen zahlen rückwirkend mit 1. Oktober ihren Mitarbeitern freiwillig drei Prozent mehr Gehalt. Zahltag ist spätestens der zehnte November. Ein entsprechendes von den beiden ÖBB-Vorständen Andreas Matthä und Josef Halbmayr unterzeichnetes internes Mail liegt dem trend vor. In dem Schreiben an die „sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen“ wird einleitend bedauert, dass es bislang noch zu „keiner Einigung zwischen den Sozialpartnern“ gekommen sei – konkret zwischen dem Fachverband der Schienenverkehrsunternehmen und der Gewerkschaft vida. Deshalb habe man sich entschlossen, die Gehälter von sich aus zu erhöhen. Die Kritik der Gewerkschaft „dass dies lediglich der Inflationsaugleich sei“, wäre „nicht nachvollziehbar“.

Die ÖBB-Chefs verstehen die Maßnahme als frühzeitiges Christkindl für ihre rund 40.000 Lokführer, Schaffner und Fahrdienstleiter: „Ohne diese Maßnahme hätten unsere Kolleginnen und Kollegen nämlich gar keine Gehaltserhöhung vor Weihnachten erhalten“. Denn: Die nächste Verhandlungsrunde zwischen Bahnunternehmen und vida ist erst für 21. 11. angesetzt. Durch diverse Fristen wäre eine Umstellung der Lohnverrechnung vor Jahresende unmöglich gewesen.

"Ein erster Schritt"

Obwohl die Vorstände betonen, dass dieser „freiwillige Vorschuss nur ein erster Schritt“ sei und bei einer „Einigung der Sozialpartner auf den nächsten KV-Abschluss zu 100 Prozent angerechnet“ werde, ist die Gewerkschaft bitterböse. Denn: Die Mehrzahlung ist sehr wohl dazu angetan, den Kampfeswillen der Eisenbahner zu schwächen. Zusätzlich streicheln die ÖBB-Spitzen ihre Mitarbeiter mit Schalmeienklängen: „Wir wollen, dass alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner unter angemessenen und fairen Rahmenbedingungen“ arbeiten“, so Matthä und Halbmayr in ihren Brief.

Die Vorab-Gehaltserhöhung hat naturgemäß auch einen „Impact“ auf die harten Metaller-KV-Verhandlungen. Auch hier sei, sagt ein Insider, eine Zwischenlösung nach Vorbild der Bahn „denkmöglich“.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 45/2018 vom 9. November 2018 entnommen.

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