"Kurzsichtigkeit nimmt wegen Smartphones deutlich zu"

Durch Smartphones und lange Arbeitszeiten an Computerbildschirmen wird Kurzsichtigkeit auch in jungen Jahren zu einem immer breiteren Phänomen. Gleichzeitig zählt der Beruf des Augenoptikers zu Mangelberufen. Markus Gschweidl, Bundesinnungsmeister der Augenoptiker und Optometristen, will die Ausbildung für den Beruf auch an Hochschulen verankern.

Markus Gschweidl

Markus Gschweidl, Bundesinnungsmeister der Augenoptiker und Optometristen

Herr Gschweidl, unser Alltag ist ohne Smartphone- oder Computerbildschirme nicht mehr vorstellbar. Wie wirkt sich das auf die Sehkraft der Menschen aus?
Markus Gschweidl: Die Kurzsichtigkeit nimmt dadurch ganz deutlich zu. Dadurch, dass wir immer weniger Zeit im Freien und stattdessen mehr Zeit vor dem Bildschirm mit starrem Blick auf eine kurze Distanz verbringen, steigt die Zahl der von Kurzsichtigkeit Betroffenen rasant an.

Ab welchem Alter trifft das die Menschen?
Auch bei Kindern wird Kurzsichtigkeit zunehmend ein Thema. Es gibt dafür geeignete Kinderbrillen. Wir bekommen auch bereits Fragen nach den weichen Multifokal-Kontaktlinsen und Orthokeratologie-Linsen, die bei Kindern den Fortschritt der Myopie verlangsamen sollen. Die Krankenkassen beteiligen sich bei jenen Kindern an den Kosten für solche Linsen, deren Kurzsichtigkeit pro Jahr um mindestens eine Dioptrie zunimmt.

Ist die Kurzsichtigkeit die neue Altersweitsichtigkeit?
Das wäre falsch gedacht. Die Menschen werden gleichzeitig auch älter, die Alterspyramide verschiebt sich. Wir erleben daher auch die Altersweitsichtigkeit häufiger. Sie ist aber ein völlig natürlicher Prozess. Unsere Augenlinsen verlieren mit der Zeit an Elastizität und es wird daher mit den Jahren schwieriger, sich auf unterschiedliche Entfernungen einzustellen. Das Auge kann Objekte in der Nähe nicht mehr scharf abbilden, Buchstaben und Zahlen verschwimmen.


Der Anteil des Online-Handels ist noch sehr klein.

Merkt man das auch am Brillenmarkt?
Man merkt es vor allem durch die auffälligen Zuwächse in der jüngeren Zielgruppe. Zuletzt haben 41 Prozent der 16- bis 29-jährigen Brillenträger angegeben, dass sie sich innerhalb der letzten 12 Monate eine neue Brille beschafft haben. Über alle Altersgruppen hinweg hat das nur rund ein Viertel aller Brillenträger getan. Bei den Jüngeren ist auch das Interesse an Zweitbrillen, etwa für den Bildschirm oder für den Sport, besonders hoch. Gleichzeitig fällt ein kleiner Teil wieder weg, nämlich all jene, die sich einer Laser-Behandlung zur Korrektur der Fehlsichtigkeit unterziehen.

Bekommen Sie auch den Online-Handel zu spüren?
Der Anteil des Online-Handels ist in Österreich noch sehr klein und liegt nur bei zwei bis drei Prozent. Im Vergleich zu anderen Branchen wächst er auch nur sehr schwach. Wobei das Wachstum mehr auf die Kontaktlinsen und weniger auf die Brillen zurückzuführen ist. Die Kunden legen Wert auf eine persönliche Betreuung und fachliche Beratung. Dazu kommt dann natürlich auch die fachgerechte Refraktion und die Anpassung der Brille und Kontaktlinsen. Die Augenoptiker und Optometristen werden oft als Erstansprechpartner mit Fragen zu gutem und gesundem Sehen kontaktiert und haben insofern auch eine große Verantwortung gegenüber der Bevölkerung.

Inwiefern können Sie als Bundesinnungsmeister in der Wirtschaftskammer die österreichischen Augenoptiker unterstützen?
Wir arbeiten intensiv daran, das Bewusstsein für die persönliche Beratung in einem Meisterbetrieb zu stärken. Ein Spezialist dabei helfen, aus der Vielzahl an Produkten und Möglichkeiten am am Brillenmarkt die richtige Wahl zu treffen. Es gilt, den Menschen klar zu machen, dass es nicht egal ist, woher man seine Brille hat und es große Auswirkungen auf das Seherlebnis und damit auch auf die Lebensqualität hat..


Wir wollen die Möglichkeit schaffen, den Beruf an einer Hochschule zu lernen.

Digitalisierung ist in allen Branchen ein Thema. Inwiefern haben sich dadurch das Berufsbild und die Anforderungen an Optiker verändert?
Die Digitalisierung verändert auch die Arbeit der Augenoptiker. So werden bei Augen-Screenings Bilder der Netzhaut in einer Auflösung aufgenommen, zu der das menschliche Auge gar nicht in der Lage wäre. Gleichzeitig wandelt sich aber auch das Berufsfeld vom reinen Handwerk zum Gesundheits- bzw. „Schönheits“- und Modeberuf. Eine Brille wird heute nicht nur als Sehbehelf, sondern auch als modisches Accessoire gesehen. Dementsprechend gehört nun auch die Stilberatung quasi zum Job. Der Beruf ist vielfältiger geworden und spricht auch Frauen weit mehr an als früher. Vor 20 Jahren waren nur rund 20 bis 30 Prozent der Optikerlehrlinge weiblich, heute sind nur noch 20 bis 30 Prozent männlich.

Dennoch gilt der Beruf des Augenoptikers als Mangelberuf.
Die Voraussetzungen in unserer Branche sind sicherlich nicht die einfachsten. Für viele sind die Arbeitszeiten ein Thema, da die Geschäfte auch am Samstag offen haben. Gleichzeitig sind die Anforderungen sehr vielseitig, reichen von handwerklichem Können über Gesundheitswissen bis hin zur Produkt- und Stilberatung.
Erfreulicherweise sind die Ausbildungszahlen in den letzten Jahren leicht gestiegen. Bemerkenswert dabei ist, dass die meisten Lehrlinge erst nach drei Jahren Handelsschule oder Matura mit der Lehre beginnen und nicht direkt nach der Absolvierung ihrer Pflichtschuljahre. Das Einstiegsalter ist vergleichsweise hoch. 50 bis 75 Prozent sind bei Beginn der Lehre über 18 Jahre alt. Auch ich habe erst nach Abschluss meines Wirtschaftsstudiums, den Weg eingeschlagen und bin in den Familienbetrieb eingestiegen. Einen Mangel merken wir vor allem bei Optikern mit einem höheren Ausbildungslevel.

Lehre mit Matura ist nicht jedermanns Sache. Wie könnte man die Ausbildung verändern, um Menschen mit einem höheren Ausbildungslevel für den Beruf zu interessieren?
Der Bundesinnung ist es ein wichtiges Anliegen, dass in Österreich die Möglichkeit geschaffen wird, an einer Hochschule Augenoptik und Optometrie zu studieren, wie das in fast allen Ländern Europas möglich ist. Die Bemühungen um Etablierung eines Fachhochschul-Studienganges laufen mittlerweile seit über zehn Jahren. Wir hoffen nun schnellstmöglich mit dem FH-Bachelorstudiengang Augenoptik an der fh gesundheit in Innsbruck starten zu können. Das wäre ein wichtiger Schritt für den gesamten Berufszweig.

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