Kurzarbeit: „Man braucht Fett auf den Rippen“

Übers Wochenende schwenkten laut trend-Rundruf viele Unternehmen auf die neue, nachgebesserte „Corona-Kurzarbeit“ um. Dennoch bleibt Kritik an der Vorfinanzierung und der Bürokratie.

Menschenleer: Im Bermuda-Dreieck in Wien sind wie in ganz Österreich alle Lokale geschlossen. Die Gastronomie tut sich mit den neuen Kurzarbeits-Bestimmungen schwer.

Menschenleer: Im Bermuda-Dreieck in Wien sind wie in ganz Österreich alle Lokale geschlossen. Die Gastronomie tut sich mit den neuen Kurzarbeits-Bestimmungen schwer.

Das neue, nachgebesserte Kurzarbeitsmodell wird besser angenommen. So wie die Strabag, die anfangs ihre Mitarbeiter vorsorglich beim Frühwarnsystem des AMS zur Kündigung angemeldet hatte, am Freitag umschwenkte, machen es immer mehr Unternehmen, vom Architekturbüro bis zum Maschinenbauer und melden Kurzarbeit an. Das ergab ein trend-Rundruf unter österreichischen Betrieben unterschiedlichster Größe und in unterschiedlichen Branchen.

Dennoch gibt es teils Unmut über einzelne Bestimmungen, die Vorgangsweise und die schlechte Erreichbarkeit der Servicestellen. Und weil die Abhängigkeit von den helfenden Stellen hoch ist, sprechen die betroffenen Unternehmer derzeit nur „off“. Die Zahlungen aus dem von der Regierung angekündigten Härtefonds sollen ja beispielsweise über die WKO abgewickelt werden.

90 Tage durchhalten

Potenziell existenzgefährdend ist die Bestimmung, dass die Kurzarbeit vorfinanziert werden muss. Das AMS retourniert die Gelder dann binnen 90-Tages-Frist. Das kann für Unternehmen, die über Nacht keine Umsätze mehr haben, ein Liquiditäts-Todesstoß sein. „Wenn du nicht ausreichend Fett auf den Rippen hast, hast du jetzt ein existenzielles Problem“, formuliert es ein heimischer Einzelhändler, der eben sein Lager vor der Saison befüllt hat. Es gebe deshalb auch dringend Handlungsbedarf, was die Geschäftsführerhaftung im Insolvenzfall betrifft.

Insbesondere Gastronomiebetriebe haben vielfach gekündigt, weil Fixkosten wie Pacht, Versicherungen und Abgaben weiterlaufen; oft wurde soeben eine neue Schanigartenmöbel-Garnitur angeschafft. Bei der rationalen Annahme, dass die Beschränkungen in ihrem Bereich drei Monate lang gelten, halten es viele für ein Ding der Unmöglichkeit, so lange die Bruttolöhne vorzufinanzieren.

Deshalb wird nicht immer die neue, von den Sozialpartnern propagierte Kurzarbeit gewählt, sondern das Modell „einvernehmliche Kündigung mit Wiedereinstellungszusage“.

Die Wirtschaftskammer beteuert auf trend-Anfrage, „dass auch wir sehen, dass die Vorfinanzierung der Kurzarbeit gerade für kleine und mittlere Betriebe ein Problem darstellt. Gespräche hierzu laufen bereits u.a. mit den Banken". Man sei bestrebt, „mit Hochdruck eine Lösung zu finden“.

Bürokratische Hürden

Ein großer Kritikpunkt ist nach wie vor auch die Bürokratie. Trotz Verbesserungen sind laut jüngsten Berichten aus Steuerberatungskanzleien noch immer zwei Formulare mit insgesamt 18 Seiten pro Antrag auszufüllen – und das pro Arbeitnehmer. „Was von den zuständigen Stellen ausgeschickt wird, ist ohne Juristen nicht verständlich“, kritisieren vor allem kleinere Unternehmen, die Konzerne mit eigenen Rechtsabteilungen klar im Vorteil sehen.

Die reduzierten Arbeitsstunden müssen penibelst aufgezeichnet werden. Unterläuft ein Fehler, läuft das Unternehmen Gefahr, seinen gesamten Anspruch auf den Kostenersatz durch das AMS zu verlieren.

Wenn man einige hundert Beschäftigte zählt, verschlingt das Ressourcen, die derzeit anderswo besser gebraucht werden könnten. Genervte Unternehmer berichten von Eigeninitiativen, mit den regionalen Sozialpartnern abgespeckte Versionen der Anträge zu entwickeln – ein Experiment mit offenem Ausgang.

Die WKO verweist auf Ausfüllhilfen und Erklärvideos sowohl auf den Portalen der Wirtschaftskammer als auch des AMS – und den direkten Corona Infopoint auf Wko.at/Corona.

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