KTM gegen KTM: Fahrrad-Hersteller pochen auf das Markenrecht

KTM Fahrrad Geschäftsführerin Johanna Urkauf (li) und Eigentümerin Carol Urkauf-Chen

Carol Urkauf-Chen (re.) mit Tochter Johanna. Die KTM Fahrrad-Eigentümerin sieht durch Stefan Pierers Vorstoß in das E-Bike-Geschäft ihre Markenrechte verletzt.

Im schwelenden Konflikt zwischen der KTM Fahrrad GmbH und der KTM AG sind erste Urteile gefallen. Carol Urkauf-Chen, Eigentümerin und Aufsichtsratschefin des Fahrradherstellers KTM, pocht weiter auf ihr Markenrecht.

Zwei im gleichen Ort beheimatete Unternehmen, die den gleichen Namen tragen aber verschiedene Eigentümer haben und unterschiedliche Geschäftsfelder bedienen - viele Jahre ging das gut: Der Motorradhersteller, die börsennotierte KTM AG (AT0000KTMI02), und der Fahrrad-Fabrikant, die KTM Fahrrad GmbH, wuchsen in friedlicher Koexistenz nach der Insolvenz der gemeinsamen Mutterfirma KTM im Jahr 1991 und der Aufspaltung in die beiden Produktsparten Motorrad und Fahrrad zu gesunden Unternehmen heran.

Seit einiger Zeit liegen die Unternehmen - Nachbarn im 6.500-Einwohner-Ort Mattighofen im Innviertel (Oberösterreich) - aber im Clinch. Der Grund: Die E-Bikes haben das Interesse von KTM AG Vorstand Stefan Pierer geweckt, im boomenden Geschäft mit den Elektro-Rädern mitzumischen. Carol Urkauf-Chen, die durch ihren persönlichen Einsatz die Fahrrad-Sparte im Dezember 1995 vor der erneuten Insolvenz rettete und seit 1997 Alleineigentümerin derselben ist, sieht dadurch ihre vertraglich abgesicherten Rechte verletzt.

Komplexe Strukturen

Die Crux an der Sache: KTM AG-Chef Pierer ist zwar nicht direkt mit der Marke KTM in das E-Bike-Business eingestiegen, hat sich aber an dem deutschen E-Bike-Hersteller Pexco beteiligt und mischt außerdem mit den Marken Husqvarna und Raymon in dem Geschäftsfeld mit. Die Unternehmen sind wiederum in der KTM Industries AG eingebunden (siehe Konzernstruktur).

Konzernstruktur der KTM Industries AG; Stand vom 13. Mai 2019

Konzernstruktur der KTM Industries AG; Stand vom 13. Mai 2019. Der Bereich eMobility (rechte Spalte) steht für E-Bikes. Für eine vergrößerte Ansicht auf die Abbildung klicken.

In der Fahrrad-Branche, selbst in Fachhändler- und Fachmedien-Kreisen, wird deshalb seither immer wieder der Markenname KTM mit der KTM AG und Stefan Pierer verbunden. Nicht zuletzt wegen seiner zahlreicher Funktionen - Pierer ist unter anderem Vorstand der KTM AG und der KTM Industries AG - gilt der Industrielle auch als "KTM-Chef". Differnziert wird dabei oft nicht mehr.

Das hat die Fahrrad GmbH Eigentümerin Urkauf-Chen veranlasst, vor Gericht eine Entscheidung zu suchen und in einer Stellungnahme nun erneut auf die Position ihres Unternehmens hinzuweisen. "KTM Fahrrad GmbH informiert, dass das Recht zur weltweiten Benutzung der Marke KTM für Fahrräder und eBikes ausschließlich KTM Fahrrad GmbH zusteht und die KTM Industries AG oder andere daher nicht berechtigt sind, die Marke KTM in der Fahrradbranche zu benutzen", heißt es darin.

Zum Stand der laufenden Verfahren gegenüber Pexco oder KTM Industries AG will die KTM Fahrrad GmbH keinen Kommentar abgeben, da Rechtsmittel anhängig sind. Urkauf-Chen weist allerdings darauf hin, dass in Deutschland bereits zwei Verfahren rechtskräftig zugunsten von KTM Fahrrad abgeschlossen wurden. In diesen Verfahren ging es unter anderem um die Bewerbung der Marken.

Vergleich: KTM vs. KTM
Unternehmen KTM Fahrrad (Gruppe) KTM Industries AG
Eigentümer Chen Privatstiftung, Carol Urkauf-Chen Pierer KonzerngesmbH (62,98%), Streubesitz (37,02%)
Umsatz 400 Mio. € 1.533 Mio. €
produzierte Fahrzeuge 350.000 238.334
Mitarbeiter 700 4.300
Quelle: Unternehmensangaben

Pierer indessen sieht die Causa noch gelassen und hält an seinen E-Bike Plänen fest. Im Jahr 2019 will er 65.000 bis 70.000 Fahrräder und E-Bikes fertigen und schließt dabei auch nicht aus, dass die derzeit noch in Asien angesiedelte Produktion in absehbarer Zeit ins Innviertel verlagert werden könnte. Im trend-Interview (Ausgabe 19/2019) erklärt er: "Ich schließe nicht aus, dass wir mit der Assemblierung in vier oder fünf Jahren ins Innviertel kommen, wo wir eine ausgereifte Logistik haben. Diese Pläne gibt es bisher nur im Kopf."

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