KSV1870 schießt auf Regierung wegen Corona-Hilfen

Der Kreditschutzverband von 1870 hat anlässlich der Präsentation der Pleitebilanz des 1. Quartals 2021 massive Kritik an der "Gießkannenförderung" kritisiert. Für die gesamte Ökonomie und vor allem gesunde Unternehmen sei dies eine Gefahr, die sich von Monat zu Monat verstärkt.

KSV1870 schießt auf Regierung wegen Corona-Hilfen

Eigentlich zwei gute Nachrichten hat der Kreditschutzverband von 1870 (KSV1870) anlässlich der jüngsten Insolvenzstatistik zu berichten: Erstens ist die Zahl der Unternehmenspleiten ist im 1. Quartal 2021 massiv gegenüber dem Vorjahr zurück gegangen und auf dem Niveau von 1977 angelangt. Die zweite gute Nachricht könnten gerade corona-geplagte Unternehmen zumindest ein wenig Hoffnung bringen: Eine Flutwelle bei den Insolvenzen wird vorläufig ausbleiben. Und auch der Anstieg von Unternehmenspleiten wird erst im Herbst erfolgen.

Keine Entwarnung

Die befürchtete Pleitewelle, die vor einem Jahr aufgrund der Corona-Krise im Zuge der Schließungen ganzer Branchen befürchtet worden war (und von vielen noch befürchtet wird), bleibt laut KSV auch weiterhin aus. Dank der Staatshilfen, die von den Kreditschützern einmal mehr sehr kritisch gesehen werden. Eines vorausgeschickt: Der KSV ist nicht prinzipiell gegen die Corona-Stützungen der Unternehmen, die auch "notwendig waren und ireh Berechtigung hatten", so KSV-Insolvenzexperte Karl-Heinz Götze.

Im abgelaufenen ersten Quartal 2021 haben in Österreich 473 Unternehmen Insolvenz angemeldet, was im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von 59 Prozent bedeutet. Letztmals war 1977 die Zahl der eröffneten Unternehmenspleiten auf diesem Stand. Die Höhe der Gesamtschulden ist dabei ebenso massiv zurückgegangen. Im Vergleich zum 1. Quartal 2020 sind die geschätzten Verbindlichkeiten um 86 Prozent auf 157 Mio. Euro geschmolzen – damit ein Siebentel des Vorjahreswertes. Mit 1723 Personen sind von den Unternehmenspleiten somit auch um 61 Prozent weniger betroffene Dienstnehmer betroffen. Auf Gläubigerseite kam es ebenso zu einem Rückgang auf 3.594 Gläubigern was einem Minus von 61 Prozent entspricht.

Aber auch bei den Privatinsolvenzen kam es zu einem Rückgang: 1744 Personen konnten ihre Schulden nicht mehr begleichen und mussten Privatinsolvenz beantragen. Das sind um 9,0 Prozent weniger als im ersten Quartal des Jahres 2020.

KSV1870-Insolvenzexperte Karl-Heinz Götze: "Weniger Insolvenzen sind nur eine trügerische Kulisse für eine Wirtschaft, die sich in der größten Wirtschaftskrise seit 1945 befindet."

Doch ein "harter Aufprall" wird wohl nicht ausbleiben. "Wir befinden uns inmitten der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg und die Zahl der Insolvenzen ist weiterhin auf Talfahrt", warnt KSV-Insolvenzexperte Götze. Mittel- und langfristig werde Österreich mit weitaus massiveren wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben.

Die zahlreichen künstlichen Eingriffe des Staates mit Stützungszahlungen nach dem "Gießkannenprinzip" würden der ganzen Wirtschaft und dem Insolvenzwesen à la longue schaden. "Die undifferenzierte Großzügigkeit gehört gestoppt, bevor auch gesunde Unternehmen von den finanzschwachen in den Abwärtsstrudel getrieben werden", fordert KSV-Insolvenzexperte Götze. Der KSV empfiehlt daher, dass in Schieflage gekommenen Unternehmen, die nur durch Staatshilfe über Wasser gehalten werden, sich so rasch wie möglich auf Sanierungskurs zu begeben. "Es gilt noch zu retten, was zu retten ist. Dabei geht es besonders auch um Jobs und die Existenz der Menschen, die nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden darf“, appelliert Götze.

Aus heutiger Sicht geht der KSV1870 davon aus, dass es im Herbst erstmals wieder zu einem Anstieg der Pleiten kommen werde, wenn Stundungen und Stützungen ausgesetzt werden und Unternehmen ihren laufenden Verpflichtungen wieder nachkommen müssen.

Für das Gesamtjahr rechnet der KSV mit Zahlen, die noch niedriger ausfallen als ursprünglich erwartet wurde, aber durchaus auf Vorjahresniveau „Eine regelrechte Insolvenzwelle ist aus heutiger Sicht nicht erkennbar. Wann auch immer die Insolvenzzahlen steigen werden, gehen wir von einer stetigen Steigerung der Unternehmenpleiten aus“, erklärt Götze. Heftig könnten die Jahre 2022 und 2023 werden.

Das Pleiten-Paradoxon

Bauwirtschaft (28 Prozent aller Insolvenzen), gefolgt von unternehmerischen Dienstleistungen (21 Prozent) und dem Gastgewerbe (10 Prozent). Doch Götze warnt: „Der harte Aufprall wird für viele Gastronomen spätestens dann erfolgen, wenn der künstliche Eingriff durch die Regierung beendet wird“.

Kurioserweise sind gerade die Branchen am wenigsten von den Pleiten betroffen, die von der Corona-Krise aufgrund der Schließungen am meisten betroffen sind und wenig bis Null Umsatz erzielt haben. Unternehmen in der Gastronomie, Hotellerie und Reisebranche zählen nicht zu den Spitzenreitern.

Wie in normalen Zeiten sind die Nummer eins und zwei die Baubranche sowie die (28 Prozent aller Insolvenzen), gefolgt von unternehmerischen Dienstleistungen (21 Prozent). Beide Bereiche haben in der Corona-Krise nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 eigentlich Auftragszuwächse zu verzeichnen. Die stark gebeutelte Gastgewerbe (10 Prozent) kommt erst auf Rang 3 des Pleitenrankings der Branchen. Die Gastronomen erhielten aber bisher mit verhältnismäßig hohe Förderungen. "Der harte Aufprall wird für viele Gastronomen spätestens dann erfolgen, wenn der künstliche Eingriff durch die Regierung beendet wird“, glaubt Götze.

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