KSV-CEO Vybiral: "Geschäftsmodell überdenken"

Ricardo-José Vybiral, Geschäftsführer des KSV1870, spricht über notwendige Absicherung und wie Unternehmen Veränderungschancen in der Krise nutzen können.

KSV-CEO Vybiral: "Geschäftsmodell überdenken"

Ricardo-José Vybiral, CEO vom Gläubigerschutzverband KSV1870 Holding AG.

trend: Die Insolvenzzahlen sind derzeit noch niedrig. Wann rechnen Sie mit einem Ansteigen der Pleitefälle?
Ricardo-José Vybiral: Seit dem Shutdown ist es in Österreich zwar zu einem deutlichen Rückgang bei den Firmenpleiten gekommen. Aber wir rechnen mit der bereits häufig prognostizierten Insolvenzwelle in etwa ab Jahresmitte. Es wird wohl zu einem Aufholeffekt und zu einer Zunahme gegenüber 2019 kommen. Diese Entwicklungen können auch in 2021 hineinreichen.

Wird es bestimmte Branchen treffen oder wird es zu einer allgemeinen Insolvenzwelle kommen?
Die Tourismusbranche, die Gastronomie oder die gesamte Event- und Veranstaltungsbranche haben bereits sehr stark unter Covid-19 gelitten. Ich bin aber davon überzeugt, dass es nicht ausschließlich auf die jeweilige Branche ankommen wird, sondern auch darauf, wie gut ein Unternehmen in der Vergangenheit gewirtschaftet hat und ob ein finanzielles Überleben dadurch möglich ist. Gleichzeitig ist es jetzt auch entscheidend, entsprechende Lehren aus der Krise zu ziehen. Jedes Unternehmen sollte daher die aktuelle Phase nutzen, um zu reflektieren, in welche Richtung es sich entwickeln möchte. Der digitale Bereich beispielsweise wird aufgrund von Covid-19 in Zukunft einen weiteren massiven Schub erhalten -das bestätigen auch unsere Umfrageergebnisse.

Wie kann man Kunden und Lieferanten im Blick behalten?
Es ist für jedes Unternehmen entscheidend, seine Geschäftspartner laufend im Blick zu haben. Alleine schon deshalb, um frühzeitig reagieren zu können, sollte es bei Kunden oder Lieferanten zu negativen Entwicklungen kommen. Derartige Entwicklungen können mit dem KSV1870-Rating und einem sinnvollen Bonitätsmonitoring frühzeitig erkannt werden -so zeigt das KSV1870-Rating bei 85 Prozent aller Insolvenzen bereits zwölf Monate im Vorhinein ein erhöhtes Risiko an. Als KSV1870 haben wir uns entschieden, ab sofort und bis Ende des Jahres eine Gratismitgliedschaft für alle neuen Mitglieder anzubieten, die unter anderem sämtliche Leistungen aus dem Bereich der Bonitätsprüfung enthält. Damit möchten wir Firmen einladen, sich vor unliebsamen und plötzlichen Überraschungen zu schützen.

Wird der milliardenschwere Rettungsschirm der Regierung ausreichen, um auch die Investitionsneigung der Unternehmen wieder zu beleben?
In einer KSV1870-Umfrage Mitte April konnten nur noch knapp 13 Prozent der befragten Firmen bestätigen, dass sie die für heuer ursprünglich geplanten Investitionen in vollem Umfang umsetzen werden können. Inwieweit das von der Bundesregierung aus dem Boden gestampfte Maßnahmenpaket ausreicht, die Investitionen in notwendigem Ausmaß wieder anzukurbeln, bleibt abzuwarten. Sich jedoch einzig und alleine darauf zu verlassen, wäre definitiv der falsche Ansatz.

Macht es für Unternehmer jetzt Sinn, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und gegebenenfalls neu auszurichten?
Ich bin der Meinung, dass es als seriöser Unternehmer meine Pflicht ist, mich laufend selbst zu hinterfragen, die eigenen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen und, wenn notwendig, zu adaptieren. Dieser Prozess sollte daher keine Frage einer etwaigen Krisensituation sein, sondern zum alltäglichen Geschäftsleben gehören. Dass eine Krise wie die aktuelle aber als Beschleuniger oder Katalysator eines derartigen Prozesses fungieren kann, ist richtig. Denn: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wie können Unternehmer jetzt Leadership für ihre Mitarbeiter und für ihre Kunden unter Beweis stellen?
Das Anstoßen notwendiger Veränderungsprozesse bzw. die Entwicklung neuer Geschäfts- und Vertriebsmodelle ist vor allem Aufgabe des Managements. Hier sind die Führungskräfte ganz besonders gefordert -jetzt mehr denn je. Parallel dazu wurden in den vergangenen Monaten Aspekte von Leadership neu definiert. Auch aufgrund von Homeoffice-Situationen, die es notwendig machen, vieles via Telefon oder Videokonferenzen zu erledigen. Dabei müssen sich auch die Spitzenkräfte in ihrer Art des Führens umstellen und sich neuen Herausforderungen stellen. Ich muss allerdings an dieser Stelle ehrlich sagen, dass es beeindruckend ist, wie rasch gewisse Schritte umgesetzt werden können, wenn es wirklich darauf ankommt.



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