Kreditvergabe an Firmen mit stärkstem Anstieg seit 2009

Kreditvergabe an Firmen mit stärkstem Anstieg seit 2009

Firmen werden wieder mutiger und wagen, aufgrund der anziehenden Wirtschaft, wieder mehr zu investieren.

Lange Jahre das Sorgenkind der EZB, die schwache Nachfrage nach Firmenkrediten - der Indikator schlechthin, ob eine Wirtschaft tatsächlich Wachstumspotential hat, zieht kräftig an. Auch österreichische Firmen investieren wieder mehr. Und wie sich die Geldschwemme der EZB auf Banken und das Verhalten der Sparer auswirkt.

Die Kreditvergabe an Unternehmen zieht im Zuge der EZB-Geldschwemme immer mehr an. Banken vergaben im April 2,4 Prozent mehr Darlehen an Firmen außerhalb des Finanzsektors als noch vor Jahresfrist, wie die EZB am Montag in Frankfurt mitteilte. Das ist der stärkste Anstieg seit Mitte 2009. Im März hatte der Zuwachs bei 2,3 Prozent gelegen.

An Privathaushalte im Währungsraum reichten die Geldhäuser im April ebenfalls 2,4 Prozent mehr aus.

Mit dem groß angelegten Kauf von Staatsanleihen will die Europäische Zentralbank (EZB) solche Investments für Banken unattraktiv machen. Sie sollen stattdessen mehr Kredite verleihen. Aktuell werden Wertpapiere im monatlichen Volumen von 60 Mrd. Euro erworben. Die in Deutschland umstrittenen Transaktionen will die EZB noch bis mindestens Ende Dezember fortsetzen. Dann soll das Gesamtprogramm einen Umfang von 2,28 Billionen Euro erreichen. Zudem hält die EZB ihren Leitzins auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent, um für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen.

Die für den Währungsraum wichtige Geldmenge M3 stieg im April um 4,9 Prozent. Volkswirte hatten mit 5,2 Prozent gerechnet. Zur Geldmenge M3 zählen unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere, sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Eine stark wachsende Geldmenge signalisiert eine potenzielle Inflationsgefahr.

Österreichische Firmen investieren wieder mehr

Auch in Österreich ist die Nachfrage nach Unternehmenskrediten laut der Österreichischen Nationalbank (OenB) im ersten Quartal 2017 erneut gestiegen. Dies folgt aus den Ergebnissen der vierteljährlichen Umfrage über das Kreditgeschäft vom April 2017, in der Kreditmanager fgroßer Banken nach ihren Einschätzungen zur Kreditentwicklung, zur Refinanzierungssituation der Banken sowie zu den Auswirkungen der EZB-Geldpolitik gefragt wurden.

Erstmals Trendwende seit 2007

Die Umfrageergebnisse weisen ab dem vierten Quartal 2016 erstmals seit 2007 eine eindeutig positive Entwicklungsrichtung auf. Diese Belebung ist vor dem Hintergrund einer stärker werdenden Konjunktur zu sehen. Auch im Kreditgeschäft mit privaten Haushalten kam es im ersten Quartal 2017 zu einer leicht gestiegenen Nachfrage.

Refinanzierung wieder leichter

Die Banken leiden mittlerweile auch wieder leichter refinanzieren. Sie finden wieder leichter Zugang zu Refinanzierungsquellen. Die Entwicklung ist seit Mitte 2016 zu beobachten und setzt sich im ersten Quartal 2017 fort. Verbesserungen gab es bei den kurzfristigen Einlagen, am Geldmarkt und bei der Refinanzierung mit mittel- bis langfristigen Anleihen.

Banken leiden wegen niedriger Zinsen und EZB-Anleihenkäufe in Milliardenhöhe

Allerdings macht sich der negative Einlagenzinssatz, gemäß den Ergebnissen der Umfrage, in einem anhaltenden Abwärtsdruck auf die Kreditzinsen und mehr noch in einer Belastung der Zinserträge der Banken. Negativ auf die Erträge der Banken wirken sich, aufgrund der stark gesunkene Zinsmargen, und dem erweiterten Programm des Eurosystems zum Ankauf von Vermögenswerten zugeschrieben.

Firmen und Private sparen wegen EZB-Milliardenkaufprogrammen wieder mehr

Dem stehen positive Effekte auf die Liquidität und die Finanzierungsbedingungen für die Banken gegenüber. Den Umfrageteilnehmern zufolge führte das Ankaufprogramm auch zu einem Anstieg der Einlagen von Unternehmen und privaten Haushalten.

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