Korruption und Betrug: Zahl der Opfer bei Unternehmen steigt rapide

Korruption und Betrug: Zahl der Opfer bei Unternehmen steigt rapide

Österreich wird für Firmen zunehmend zu einem gefährlichen Pflaster. Die Zahl der Unternehmen, die Opfer von Betrug und Korruption wurden, ist im Vorjahr stark gestiegen. Nur in der Ukraine, in Kenia und Südafrika ist es für Firmen noch gefährlicher. In welchen Ländern es deutlich sicherer ist, Geschäfte zu machen, welche Form der Kriminalität die größten Probleme bereitet und wie viele bereit sind Geschäfte mit Geldgeschenken anzukurbeln.

Jedes vierte Unternehmen (24%) in Österreich wurde laut eigenen Angaben in den letzten zwei Jahren Opfer eines bedeutsamen Betrugs- oder Korruptionsfalls. 2014 registrierten erst zwölf Prozent größere Fälle. Die Zahl der entdeckten Fälle in Österreich deutlich höher als im internationalen Vergleich: Weltweit wurden nur in zwölf Prozent der Unternehmen größere Betrugs- oder Korruptionsfälle entdeckt – das ist der gleiche Stand wie noch vor zwei Jahren. Nur in der Ukraine (48%), Kenia (36%) und Südafrika (26%) gibt es laut Aussage der dort tätigen Manager noch mehr entdeckte Betrugsfälle als in Österreich. Die wenigsten Fälle wurden in der Slowakei (keiner), in der Türkei und in Indonesien (jeweils 2%) entdeckt.

Das sind die Ergebnisse der aktuellen Global Fraud Survey der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die über 2.800 Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance-Managements aus 62 Ländern befragt wurden, davon 50 aus Österreich. Die weltweite Studie wird alle zwei Jahre durchgeführt.

Andreas Frohner, Leiter der Abteilung Fraud Investigation & Dispute Services bei EY: „Unternehmen werden professioneller in der Aufarbeitung und zunehmend transparenter im Umgang mit derartigen Fällen. Insbesondere wirken sich hier die verstärkte Implementierung von Hinweisgebersystemen, also sogenannten Whistleblower-Hotlines, und die Stärkung der Rolle der Internen Revision aus. Allerdings ist die Kriminalität von Außen in Form von Cyber-Attacken tatsächlich stark ansteigend.“

Speziell Cyber-Attacken bereiten Österreichs Unternehmen Probleme: 62 Prozent der befragten Manager bezeichnen diese als großes Risiko für die eigene Organisation, vor zwei Jahren waren es erst 42 Prozent. Damit ist die Angst vor Cyber-Kriminalität hierzulande auch deutlich stärker ausgeprägt als im internationalen Durchschnitt (47%).

Benjamin Weissmann, Leiter der Cyber-Forensik: „Das Thema Cyber-Kriminalität ist nicht zuletzt durch die vermehrten und zunehmend schwerwiegenderen Schadensfälle in Österreich nun auch in der Chefetage angekommen. Neu ist auch, dass die Angriffsziele spezifischer werden und nun auch der Mittelstand ins Fadenkreuz der Angreifer gerät. Die Tricks der Angreifer werden dabei immer ausgefeilter und schwerer zu durchschauen – sie reichen von klassischen Hacker-Angriffen bis hin zu sogenanntem Social Engineering, bei dem Betrüger meist unternehmensinterne Systeme infiltrieren und sich als hochrangige Mitarbeiter ausgeben, um Zahlungen zu beauftragen. Je komplexer die Methoden der Angreifer werden, desto besser und umfangreicher müssen sich Unternehmen dagegen wappnen. Dafür müssen sie bereit sein, in Kontrollsysteme zu investieren und diese auch von externen Experten auf den Prüfstand stellen zu lassen. Wenn ein Unternehmen bereits Opfer eines Angriffes geworden ist, sollte es umgehend die Aufklärung und Säuberung der Systeme veranlassen, um weitere, noch größere Schäden zu verhindern.“

Weltweit wenig Skrupel: 13 Prozent würden für Unternehmenserfolg sogar Bargeld zahlen

Weltweit würde mehr als jeder vierte Manager (24%) Unterhaltsdienstleistungen zahlen, zwölf Prozent würden persönliche Geschenke machen. 13 Prozent würden sogar Bargeld zahlen und vier Prozent Finanzergebnisse absichtlich falsch darstellen. In China würde mehr als jeder zweite Manager (52%) mit Bargeld bestechen, in Spanien immerhin noch 28 Prozent und in Indien 16 Prozent. In Österreich sind es hingegen nur zwei Prozent.

„Der wahre Wert von Compliance-Richtlinien zeigt sich, wenn Unternehmen Gefahr laufen, ihre Ziele zu verfehlen“, so Frohner. „Dass mehr als jeder vierte Manager weltweit in so einem Fall bestechen würde, um den Geschäften auf die Sprünge zu helfen, ist alarmierend. Eigentlich sollte inzwischen jeder sensibilisiert sein: Der Schaden, den Bestechung und Korruption anrichten können, kann für das Unternehmen aber auch den beteiligten Manager existenzbedrohend werden. Nicht nur Strafverfolgungs- und sonstige Behörden ahnden Verstöße. Hinzu kommen der Imageschaden sowie etwaige Schadensersatzforderungen. Bestechung und Korruption entwickeln sich also fast immer zum Bumerang.“

Vertrauen in österreichische Strafverfolgungsbehörden groß

In Österreich sei das Unrechtsbewusstsein hingegen stark ausgeprägt, die Kontrolle vergleichsweise effektiv. 52 Prozent der heimischen Manager sind der Ansicht, dass die österreichischen Strafverfolgungsbehörden Fälle von Bestechung und Korruption verfolgen und zu einer Verurteilung bringen. Weltweit sind nur 33 Prozent dieser Ansicht. Zwölf Prozent der Manager weltweit sagen sogar, dass die Behörden nicht bereit oder in der Lage seien, solche Fälle zu verfolgen. In Österreich glauben das nur zwei Prozent der befragten Manager. Besonders gering ist das Vertrauen in die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden in der Ukraine, wo 44 Prozent der Manager an der Fähigkeit oder Motivation der lokalen Behörden zweifeln, in Südafrika und Argentinien sind es 42 beziehungsweise 40 Prozent.

Österreichs Manager wollen transparente Eigentumsverhältnisse

Transparenz bei Geschäftsbeziehungen gewinnt in Zeiten vermehrter geopolitischer Spannungen und höherer Volatilität an den Finanzmärkten immer mehr an Bedeutung.
Die Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass Unternehmen weltweit mit überwältigender Mehrheit hohe Transparenz bei den wirtschaftlichen Eigentümern ihrer Kunden fordern. Österreichs Führungskräfte fordern das im internationalen Vergleich besonders vehement ein: Hierzulande betrachten 96 Prozent transparente Eigentumsverhältnisse als (sehr) wichtig, noch mehr als im internationalen Durchschnitt (91%).

Frohner: „Wir bemerken nach wie vor, dass die Bekämpfung der Korruption ungebremst zu den weltweiten Prioritäten zählt. Angesichts des kontinuierlichen Schwerpunkts der aktiven Korruptionsbekämpfung auf dem Verhalten Dritter und der jüngsten Enthüllungen eines möglichen Missbrauchs von Offshore-Finanzstrukturen tun Unternehmenschefs gut daran, sich ein möglichst umfangreiches Bild ihrer Kunden, Partner und Lieferanten zu machen. Eine höhere Transparenz ist der Schlüssel zur Bekämpfung von Korruption.“

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