Bestechung und Korruption: 17 Milliarden Euro Schaden für Österreich

Bestechung und Korruption kosten den Staat nicht nur Milliarden, sie führen auch dazu, dass Arbeitnehmer ins Ausland abwandern. Dies verlangsame letzten Endes das Wirtschaftswachstum. Zu diesem Ergebnis kommt der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider von der Johannes-Kepler-Universität Linz in einem Beitrag für das Wirtschaftsforschungsinstitut IZA in Bonn.

Bestechung und Korruption: 17 Milliarden Euro Schaden für Österreich

Bestechung kostet den österreichischen Staat rund 17 Milliarden Euro.

Die persönliche Erfahrung mit Korruption sei nicht nur frustrierend und beeinträchtige die Arbeitsmotivation und Steuermoral, sondern erhöhe auch die Auswanderungsbereitschaft, so Schneider in seinem Beitrag "Does corruption promote emigration?". Bei Arbeitskräften mit geringer oder mittlerer Qualifikation steigt die Auswanderungsbereitschaft demnach zwar zunächst mit wachsender Korruption, geht jedoch ab einem gewissen Korruptionsniveau wieder zurück.

Internationale Forschungsergebnisse zeigen laut Schneider, dass sich dieses Phänomen mit der steigenden Einkommensungleichheit in korrupten Ländern erklären lässt. Da in stark korrupten Staaten die Einkommen der Mittel- und Niedrigqualifizierten oft massiv gesunken sind, verfügen sie schlicht nicht mehr über die finanziellen Mittel, um auswandern zu können, so seine Schlussfolgerung. Im hoch qualifizierten Bereich hingegen sei eine lineare Entwicklung feststellbar, schreibt Schneider unter Verweis auf entsprechende Studien: Wenn die Korruption zunimmt, steigt auch die Bereitschaft, auszuwandern.

Außerdem würden die Arbeitskräfte ihre Motivation für die Arbeit verlieren, wenn sie ihren Job nur politischen Verbindungen zu verdanken hätten und nicht ihrer Leistung. Das führt dazu, dass sie in Länder auswandern, die weniger korrupt sind.

Auswanderung bremst Wirtschaftswachstum

Für die Volkswirtschaft eines Landes habe ein Anstieg der Auswanderung eine Kette von Negativfolgen. Der zunehmende Fachkräftemangel bremse das Wirtschaftswachstum, was zu steigender Arbeitslosigkeit führe, die wiederum die Auswanderungsbereitschaft fördert. Darüber hinaus führe Korruption dazu, dass öffentliche Ausgaben von Gesundheit und Bildung auf andere weniger transparente Bereiche wie Verteidigung verlagert werden, was Niedrigqualifizierte oftmals zusätzlich benachteilige und sie zum Auswandern ermutige.

Als Positivbeispiel nennt Schneider die Schweiz. Eine stärkere öffentliche Beteiligung an der Haushaltsplanung führe zu mehr Transparenz und geringerer Korruption. Die in der Schweiz fest verankerte direkte Demokratie sowie der Fiskalföderalismus, tragen nach Einschätzung Schneiders mit dazu dabei, dass die Schweiz eine vergleichsweise sehr niedrige Korruptionswerte aufweist.

Bei der Bekämpfung von Korruption spielt Schneider zufolge die Einkommensgerechtigkeit eine zentrale Rolle. Ein als gerechter empfundenes Lohnsystem in Verbindung mit geringeren Korruptionserlebnissen könne die Wanderungsbereitschaft reduzieren. Gleichzeitig würden Investitionen in die Bildung den Arbeitsmarkt dahin gehend stabilisieren, dass nicht persönliche und politische Kontakte, sondern individuelle Eignung das Weiterkommen begünstigt, so Schneider.

Je dunkler das Rot auf der Karte, desto korrupter ist das Land.

Österreich unter den Top 25

Korruption ist schwer messbar, sie findet hinter verschlossenen Türen statt und ihre negativen Folgen können nur geschätzt werden. Einen Anhaltspunkt gibt jedoch der "Korruptionswahrnehmungsindex" von Transparency International. Das Ranking reiht 174 Staaten anhand der öffentlichen Wahrnehmung von Korruption unter Politikern und Beamten. Österreich belegt Platz 23 der wenigsten korrupten Staaten der Welt und liegt damit im vorderen Mittelfeld. Allerdings lag Österreich 2006 bereits auf dem zehnten Rang und rutschte kontinuierlich ab. Transparency Österreich zufolge werden die Kosten für Korruption in Österreich auf rund 17 Milliarden Euro geschätzt.

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