Post-Konkurrent statt Kunde: Amazon evaluiert eigene Paketzustellung

Post-Konkurrent statt Kunde: Amazon evaluiert eigene Paketzustellung
Post-Konkurrent statt Kunde: Amazon evaluiert eigene Paketzustellung

In einem Amazon-Paketzentrum.

Vom Großkunden zum Konkurrenten: Amazon prüft in Modellversuchen, ob und wie die Paketzustellung in die eigene Hand genommen werden kann. Eine neue Herausforderung für die etablierten Logistik-Spezialisten wie die Deutsche oder Österreichische Post.

Der Online-Handel boomt, und davon hat die Logistik-Branche in der Vergangenheit kräftig profitiert. Die Österreichische Post ist dabei keine Ausnahme. Auch hierzulande hat das Paketgeschäft zuletzt immer wieder die Bilanzen gerettet. Während die Umsätze im Briefgeschäft immer weiter zurückgehen - die Konkurrenz der elektronischen Kommunikationsmittel ist hier nicht mehr zu stoppen - sind die Umsätze im Paketgeschäft immer weiter angestiegen.

International rechnete die Branche bisher damit, dass sich mittelfristig daran nichts ändert. Auch die Österreichische Post geht daher im aktuellen Geschäftsbericht im Briefgeschäft von einem jährlichen Rückgang von weiteren drei bis fünf Prozent aus. Das Beispiel der Niederlande, wo die jährlichen Einbußen bei acht Prozent liegen, zeigt aber, dass sich der Trend noch weiter verschärfen könnte.

Auf der anderen Seite steht das Paketgeschäft, das durch den E-Commerce seit Jahren stetig wächst. Global wird hier bis 2018 ein jährliches Wachstum von rund zehn Prozent prognostiziert. In war das Wachstum in dieser Sparte zuletzt etwas geringer, aber dennoch beachtlich: Der Branchenstudie von Kreutzer Fischer & Partner zufolge wurden 2015 insgesamt 69 Millionen Pakete an Privathaushalte zugestellt, was einem Plus von 7,2 Prozent entspricht. Mit einem Marktanteil von 76 Prozent ist die Österreichische Post dabei unangefochtener Marktführer.

Erster Probelauf in München

Nun könnten die Karten jedoch bald ganz neu gemischt werden, denn mit Amazon schickt sich nun der im europäischen Pakethandel so wichtige Großkunde - und gleichzeitig der mit Abstand wichtigste Player im Onlinehandel - an, das Heft in die eigene Hand zu nehmen und Pakete selbst zuzustellen. Wann Amazon zur Tat schreitet, ist noch offen. Ob das Unternehmen diesen Schritt setzen wird ist jedoch für Brancheninsider eigentlich keine Frage mehr. Amazon investiert bereits in Verteilzentren und Frachtflugzeuge. In Olching bei München organisiert der Konzern etwa die Auslieferung in einem Modellversuch selbst - offiziell, um das "Angebot zu ergänzen", wie der US-Konzern versichert.

Dafür sprechen handfeste wirtschaftliche Gründe: Amazon kann durch die Kontrolle über die Pakete die gesamte Wertschöpfungskette im Handel selbst kontrollieren - bis hin zur allfälligen Retournierung durch Kunden.

Dahinter stehen nicht nur wirtschaftliche Überlegungen, sondern auch die gelernte Unzufriedenheit Amazons mit den Distributionspartnern. Während Amazon Versprechen für zwei- bis viertägige Lieferzeiten abgegeben hatte, waren Pakete in der Vergangenheit immer wieder in Verteilzentren hängengeblieben, was gerade zur Vorweihnachtszeit zu Reklamationen der Kunden geführt hatte.

Vor allem gehe es um die tagesaktuelle Zustellung - und diese boomt. Amazon wirbt damit, in einigen deutschen Metropolen wie in München Prime-Kunden die bestellte Ware noch am gleichen Tag gratis ins Haus zu liefern. Mit dem Versuch in Olching sei man "sehr, sehr zufrieden", sagt eine Sprecherin. Bewährt sich das Modell, könnten weitere Amazon-Zentren folgen. Naturgemäß auch in Österreich, das konzernintern ein Anhängsel der deutschen Amazon-Niederlassung ist.

Amazon ist mit den Überlegungen einer eigenen Zustellung kein Einzelfall. Die Rocket-Internet-Tochter Global Fashion Group schickt etwa in Russland bereits eigene Kuriere zu den Kunden, die dann gleich Kleidung anprobieren und aussuchen können. Die Kuriere können auch beraten, Retouren mitnehmen, kassieren - und nebenbei Daten über die Kunden sammeln. In Russland mit seinen niedrigen Löhnen erlaube die "Kostenbasis" ein solches Kuriernetz, erläutert Finanzchef Nils Chrestin.

Post: "Extrem schwierig"

Bei der Österreichischen Post zeigt man sich ob die Spekulationen eines allfälligen Amazon-eigenen noch nicht beunruhigt, aber auch nicht überrascht. "Amazon hat angekündigt, dass sie es ausprobieren werdeb und wir beobachten das natürlich", sagt Post-Sprecher Michael Homola. Amazon sei für die Post aber ein wichtiger Kunde, mit dem auch die Zusammenarbeit tadellos funktioniere und man würde gesetzt dem Fall alles daran setzen, den Kunden davon zu überzeugen, dass man mit der Post als Kooperationspartner besser dran ist. Homola: "Österreich ist nicht die Niederlande. Es ist für Logistiker und Zusteller ein komplexes Gebiet, auch von der Topografie her. Hier eine komplette Zustell-Logistik aufzubauen ist extrem schwierig."

Wie die Deutsche Post setzt außerdem auch die Österreichische Post alles daran, um die Quote der erfolgreichen Zustellungen beim ersten Versuch und damit die Zufriedenheit bei den Kunden zu steigern. Mit Paketboxen, Self-Service-Abholzonen in Postfilialen oder auch neuen Möglichkeiten wie der "Kofferraumzustellung", bei der Pakete in den Kofferräumen der Autos der Empfänger deponiert werden. Alles für und auch gegen Amazon. Denn wenn der Online-Händler tatsächlich ernst macht, dann wäre das für die Post tatsächlich ein großer verlust.

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