Konjunktureller Abschwung? Diese Länder trifft es am härtesten

Die Weltwirtschaft verliert an Fahrt, wie stark steht noch in den Sternen. Fest steht: Ein Abschwung trifft manche Länder härter als andere. Eine Studie zeigt auf welche das sind und was passiert, wenn die Konjunktur stärker einbricht als erwartet.

Konjunktureller Abschwung? Diese Länder trifft es am härtesten

Fällt der weltweite Konjunkturabschwung stärker aus als prognostiziert, wird es für manche Staaten heftig.

Der weltweite Konjunkturzyklus neigt sich dem Ende zu und das Wachstum hat fast überall bereits deutlich an Dynamik eingebüßt. Anders als bei der globalen Finanzkrise prognostizieren die beiden der Kreditversicherer Acredia und Euler Hermes für 2019 und 2020 allerdings eine relativ sanfte Landung der Weltwirtschaft und damit keine Rezession. Die Experten erwarten ein Wachstum beim globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,9 Prozent für 2019 und 2,7 Prozent für 2020. Doch nicht alle Länder sind gleich gut dafür gewappnet. Das zeigt sich sowohl in der Entwicklung der Insolvenzen als auch bei den Länderrisiken. 18 Wackelkandidaten sollte man nach Ansicht der Studienautoren besonders im Auge behalten.

40 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass der Abschwung stärker ausfallen könnte
Sechs Länder sind bei einem globalen wirtschaftlichen Abschwung besonders anfällig: Argentinien, Tunesien, Bahrain, die Türkei, Jordanien und Zypern. In 12 weiteren Staaten bestehen ebenfalls größere Risiken, unter anderem Italien, Kroatien, Rumänien oder Südafrika. Sie könnten insbesondere dann in Schwierigkeiten geraten, wenn der wirtschaftliche Abschwung deutlich stärker ausfallen sollte als aktuell erwartet. Das ist angesichts der vielen – teilweise auch zunehmenden – Risiken nicht unwahrscheinlich: In der Studie gehen die Experten der beiden Kreditversicherer mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent von einem solchen Szenario aus.

Deutschland, Frankreich und China schwächeln
„Der deutsche Wirtschaftsmotor stottert aktuell und auch Frankreich fährt mit angezogener Handbremse. Das geht am Rest Europas und den Unternehmen nicht spurlos vorbei“, sagt Norbert Kosbow, Risikospezialist des Kreditversicherers Acredia. Hinzu kommen laut dem Kreditversicherer signifikante Risiken durch die anhaltenden Unsicherheiten in Italien und den Brexit. Die chinesische Wirtschaft schwächelt ebenfalls – nicht zuletzt aufgrund der anhaltenden Spannungen im globalen Handelskonflikt. "Das wiederum könnte mit einem Dominoeffekt andere asiatische Wirtschaften treffen. Der Abschwung könnte dadurch deutlich stärker ausfallen könnte als bisher erwartet", Kosbow.


Wir haben einige Sorgenkinder

Sorgenkinder: Italien, Zypern, Kroatien, Rumänien und die Türkei
„Wir haben bei den Länderrisiken aktuell einige Sorgenkinder“, so Kosbow. Zu diesen ökonomischen Wackelkandidaten gehören laut Studie mit Italien und Zypern auch zwei Industrieländer. Auch Kroatien, Rumänien, die Türkei oder Südafrika sollte man im Auge behalten. Insbesondere die Abhängigkeit von externer Finanzierung oder vom Export stellen Risiken dar, die bei diesen eine große Rolle spielen. Insgesamt sind viele Schwellenländer aber besser auf den Abschwung vorbereitet als bei der Weltwirtschaftskrise 2008. Kosbow: "Vor allem, weil sie in den letzten zehn Jahren mehr Devisenreserven als Puffer angelegt haben.“

Abhängigkeit von Rohstoffpreisen und Außenhandel belasten
Die jüngste Analyse untersucht vor allem die drei Determinanten externe Finanzierung, Abhängigkeit vom Außenhandel sowie Rohstoffpreise. Bei letzteren differenziert die Analyse die Auswirkungen von Energiepreisen und Preisen für andere Rohstoffe.

Schulden belasten in Krisenzeiten besonders
„Dabei fiel auf, dass 12 der 18 gefährdeten Wirtschaften stark von externer Finanzierung abhängig sind“, sagt Kosbow. Diese sind im Ausland in harter Währung verschuldet. Bei einer Abwertung der Landeswährung wie zuletzt in Argentinien, der Türkei sowie anderen wichtigen Schwellenländern, kann eine Rückzahlung um ein Vielfaches teurer und damit in einigen Fällen sehr schwer zu stemmen sein.


Viele dürften einen überdurchschnittlichen Abschwung erleben

Exportsrisiken steigen
Weltweit setzen 45 Volkswirtschaften vor allem auf ihre Exportstärke, darunter viele Industrienationen. Eine schwächere Weltwirtschaft hat auf einige Nationen stärkere Auswirkungen als anderswo und viele von ihnen dürften einen überdurchschnittlichen Abschwung erleben. Zu Jahresbeginn veröffentlichte Acredia einen Insolvenzausblick für 2019, der von deutlich steigenden Exportrisiken ausging: Global werden darin für dieses Jahr rund 6 % mehr Insolvenzen als im vergangenen Jahr erwartet.

Robustes Wachstum in Österreich
Die Wirtschaft Österreichs wird von den beiden Kreditversicherern weiterhin als robust eingestuft: Das BIP wird 2019 mit Plus von zwei Prozent zwar weniger wachsen als im Jahr 2018 (+2,7 %), trotzdem befindet sich das Land weiterhin in einer Phase des wirtschaftlichen Wachstums und liegt mit prognostizierten +1,6 % sogar besser als der Euro-Raum.

ZUR PERSON: Martin Butollo ist seit 2013 Country-CEO der Commerzbank in Österreich. Nach seinem Studium an der Wiener Wirtschaftsuniversität und der Pariser HEC trat Butollo bei PricewaterhouseCoopers ein und wechselte dann nach Frankfurt, wo er bei der Dresdner Bank und der Commerzbank Bankerfahrung sammelte.
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