Konjunktur: Gute Signale aus den USA und Deutschland

Das BIP-Wachstum der USA ist über den Sommer kaum schwächer geworden, und auch der Konsum läuft weiter rund. In Deutschland rechnen Ökonomen mit einem Ende des Abschwungs.

Konjunktur: Gute Signale aus den USA und Deutschland

Trotz des schwelenden Zollstreits mit China hat die US-Wirtschaft ein überraschend hohes Wachstumstempo im Sommer angeschlagen. Zwischen Juli und September stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 1,9 Prozent, wie das Handelsministerium mitteilte.

Volkswirte hatten lediglich 1,6 Prozent auf dem Zettel. Dennoch gehen die meisten Fachleute davon aus, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen erneut senken wird. Denn auch wenn der Konsum weiter floriert und die Exporte trotz des Zollstreits mit China anzogen, gibt es ein dickes Manko: Die Firmen kappten ihre Investitionen um 3,0 Prozent - das dickste Minus binnen dreieinhalb Jahren. "Aufgrund der mit den Zollkonflikten einhergehenden Unsicherheiten nehmen die Unternehmen weniger Geld in die Hand", so die Erklärung von Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. Das BIP-Wachstum sei zwar höher als erwartet, doch die Zuwachsraten würden im Trend kleiner. Zu Jahresbeginn legte die weltgrößte Volkswirtschaft noch um 3,1 Prozent zu, im Frühjahr waren es 2,0 Prozent.

Erholung erwartet

Für das Jahresende und das Auftaktquartal 2020 rechnen die Volkswirte der BayernLB mit einer weiteren Eintrübung der Wirtschaft: "Wir erwarten deshalb eine weitere Leitzinssenkung sowie eine offensivere Kommunikation, die weitere Zinssenkungen in Aussicht stellt", so Volkswirtin Charlotte Heck-Parsch von der BayernLB. Viele Experten erwarteten für den Abend eine Kappung um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Die Fed um ihren Chef Jerome Powell hatte die Finanzmärkte auf eine solche Zinssenkung vorbereitet. Als Hauptgrund dafür gelten die vom Zollstreit ausgelösten Unsicherheiten im Handel: Sie werden laut einer Fed-Studie die Welt 850 Milliarden Dollar (rund 766 Milliarden Euro) an Wirtschaftskraft kosten - allein 200 Milliarden davon die USA.

Trotz des Zollkonflikts mit China stiegen die Exporte im dritten Quartal allerdings um 0,7 Prozent, nachdem sie im Frühjahr um 5,7 Prozent eingebrochen waren. Und auch die Verbraucher erwiesen sich erneut als Stütze des Wachstums: Der private Konsum, der für zwei Drittel des BIP steht, legte um 2,9 Prozent zu. "Die Konsumenten werden den historisch bisher längsten US-Aufschwung wohl weiter am Leben halten. Dennoch: Grund für große konjunkturelle Zuversicht besteht nicht", sagte Volkswirt Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. Die Schwäche in der Industrie dürfte seiner Meinung nach anhalten, Firmen dürften sich bei Investitionen und Neueinstellungen weiter zurückhalten.

Deutschland: Ende des Abschwungs

Positive Signale kommen auch aus Deutschland. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin rechnet mit einem Ende des Wirtschaftsabschwungs im letzten Quartal dieses Jahres. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen hätten sich zuletzt stabilisiert, teilte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen mit. "Ein Abrutschen in eine tiefere Rezession ist derzeit also weniger wahrscheinlich geworden."

Im dritten Quartal war die Wirtschaftsleistung in Deutschland demnach um 0,2 Prozent gesunken. In den letzten drei Monaten 2019 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich stagnieren, die Lage bleibe dennoch unsicher. Sowohl der Handelskonflikt zwischen den USA und China als auch der Brexit seien weder gelöst noch vollzogen. "Sollte es doch noch zu einem ungeregelten Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU kommen, würde das die deutsche Wirtschaft zu spüren bekommen", betonte Michelsen.

Die deutsche Bundesregierung erwartet ein Wachstum von 0,5 Prozent im laufenden Jahr und 2020 ein Wachstum von 1,0 Prozent.

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