Kommunalkredit verkauft - größerer Rest an KA Finanz

Kommunalkredit verkauft - größerer Rest an KA Finanz

Im zweiten Anlauf und neuerlich mit einigen Verzögerungen wurde die Kommunalkredit verkauft. Ein ein englisch-irisches Konsortium rund um den deutschen Investmentbanker Patrick Bettscheider übernimmt einen Teil der notverstaatlichten Bank. Brüssel muss dem Deal noch zustimmen.

Wien. Die Republik Österreich hat im zweiten Versuch nun den notverstaatlichten Gemeindefinanzierer Kommunalkredit verkauft. Den Zuschlag bekam ein englisch-irisches Konsortium rund um den deutschen Investmentbanker Patrick Bettscheider. Dieser übernehme gemeinsam mit einem Londoner Vermögensverwalter 3,5 Milliarden Euro an Darlehen und Wertpapieren der Bank, teilte Kommunalkredit am Freitag mit. Die restlichen Bankteile mit einer Bilanzsumme von sieben Milliarden Euro würden mit der bereits bestehenden Kommunalkredit-Bad-Bank KA Finanz verschmolzen. Das Closing des Deals ist, sobald auch die Behördenzustimmungen da sind, für Ende Juni geplant, teilten alle Beteiligten Freitagnachmittag mit.

Bei der Übernahme geht um die 99,78 Prozent Aktien des Bundes, 4,3 Mrd. Euro Bilanzvolumen, die Banklizenz sowie alle Mitarbeiter.

Der erste Versuch im Jahr 2013 die Kommunalkredit zu verkaufen war jäh gescheitert. Mangels geeigneter Bieter beziehungsweise wegen dem gebotenen Preis platzte der Verkauf. Die Kommunalkredit Austria hatte zu diesem Zeitpunkt eine Bilanzsumme in der Höhe von 14 Mrd. Euro. Die EU-Kommission ordnete damals die Einstellung des Neugeschäfts an. Außerdem durfte die Bank aus Wettbewerbsgründen nur mehr "tranchiert" verkauft werden und nicht mehr als ganze Bank. Im Sommer 2014 wurde das Bieterverfahren nach diesen Vorgaben neu gestartet.

Demnach ging es nun um 4,3 Mrd. Euro Bilanzsumme, die für den Verkauf jetzt in eine neugegründete "KA neu" abgespaltet werden. Dabei handelt es sich um Darlehen und Wertpapiere der bestehenden Kommunalkredit Austria. Zur "verschwesterten" gleichfalls staatlichen Bad Bank KA Finanz wandern Bilanzvolumina von rund 7 Mrd. Euro, die nicht verkauft werden durften bzw. sollten. In der staatlichen Abbaufirma KA Finanz wächst die abzubauende Bilanzsumme damit auf 14 Mrd. Euro.

Der Teilverkauf

Es handelt sich also um einen Teilbetriebsverkauf, den die staatliche Bankenbeteiligungsgesellschaft Fimbag namens der Republik mit der Bettscheider-Gruppe unterzeichnet hat. In einer Bank-Pflichtmitteilung ist heute von einem "signifikanten Zwischenergebnis die Rede, in einer Fimbag-Aussendung vom Abschluss des erfolgreichen Teilverkaufes. Zustimmen muss dem ganzen neben Aufsicht und Wettbewerbshütern vor allem auch die EU-Kommission.

Bankchef Steinbichler sprach von einem sehr positiven Schritt für die Kommunalkredit, für die Kunden und die Beschäftigten. Die Käufergruppe übernimmt nach der Vereinbarung von heute mit der Bank und der Marke auch alle Mitarbeiter und Beteiligungen. In der Bank selber sind rund 170 Leute tätig, in der Tochter Kommunalkredit Public Consulting nochmals 100.

Dass nun in der mit massiver Staatshilfe ausgestatteten Bad Bank KA Finanz - die in den letzten Jahren ihre Risiken und Bilanzvolumina stark abgebaut hat - die Bilanzsumme auf fast 14 Mrd. Euro verdoppelt wird, lässt, wie es heißt, nicht folgern, dass damit der Bedarf an Staatshilfen dort unmittelbar steigt. Aus der Spaltung der Kommunalkredit Austria gingen auch Refinanzierungsmittel auf die KA Finanz über. Und die Bankaktiva würden nicht nach "gut oder böse" aufgeteilt, der Pegel an faulen Krediten sei in der Kommunalkredit zuletzt bei null gestanden.

Im Vorfeld war Gemeindekreditkunden nachgesagt worden, sich vor Zerschlagungen zu fürchten, wenn eine "Heuschrecke" neuer Aktionär wird. Bettscheider selber hat am Freitag in einer Aussendung angekündigt, der Bankbetrieb werde nicht nur fortgeführt, sondern ausgebaut. "Wir verfolgen eine klare Wachstumsstrategie. Wir können, was wir tun," so Bettscheider.

Wie hoch am Ende der Kaufpreis mit allen Nebenabsprachen sein wird, wurde heute nicht gesagt. Der Verkauf sei aber "ertragreicher als eine Abwicklung", heißt es beim Bund. Der Bund hat in dem auf Gemeinde- und Infrastrukturfinanzierungen konzentrierten kleinen Kreditinstitut 250 Mio. Euro stecken.

Das Käuferkonsortium besteht nach Mitteilungen von Fimbag und Kommunalkredit aus der englischen Interritus Limited, die von Patrick Bettscheider "initiiert" worden sei, und der irischen Trinity Investments Limited, die vom Londoner Vermögensverwalter Attestor Capital LLP verwaltet werde.

In dem neuerlichen Bieterverfahren unterlegen ist ein Österreich-Konsortium rund um den Ex-ÖVP-Politiker Herbert Paierl sowie der Investmentbanker Thomas Marsoner.

Die Kommunalkredit Austria ist der fortgeführte Teil der alten Kommunalkredit, die nach einem Beinahe-Kollaps und der Notverstaatlichung Ende 2008 zerteilt werden musste. In der Bad Bank KA Finanz lagerte seither schon der Abbauteil.

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