Knallende Korken und prickelnde Geschäfte

Henkell-Freixenet Österreich Geschäftsführer Philipp Gattermayer

Henkell-Freixenet Österreich Geschäftsführer Philipp Gattermayer

Rund um Weihnachten und den Jahreswechsel haben Sekt und Schaumweine Hochsaison. In Österreich werden in wenigen Tagen im Dezember rund fünf Millionen Flaschen geköpft. Philipp Gattermayer, Geschäftsführer von Henkell-Freixenet Austria, über das schäumende Business.

Gleich zu Beginn muss mit zwei Mythen aufgeräumt werden. Erstens: Korken lässt man eigentlich nicht knallen. Sofern man nicht auf einem Siegerpodest der Formel 1 steht öffnet man eine Flasche Sekt oder Champagner nicht, indem man sie so lange schüttelt, bis der Korken herausschießt sich danach der halbe Inhalt auf den Boden vergießt.

Die stilsicher-richtige Methode ist, die Flasche möglichst ruhig aus dem Kühlschrank zu holen, den Korken von seiner Fixierung zu befreien, die Flasche dann in einem Winkel von etwa 45 Grad zu halten und den Korken mit einem Tuch langsam herauszudrehen, wobei ein dezentes Plopp-Geräusch entsteht.

Zweitens bringt es auch absolut nichts, eine halb getrunkene Flasche in den Kühlschrank zurück zu stellen und einen Löffel – egal aus welchem Material er ist – in den Hals zu stecken, damit die Kohlensäure in der Flasche bleibt. „Das ist eine Mär“, sagt Philipp Gattermayer, Geschäftsführer von Henkell Freixenet Österreich, hierzulande seit einer Ewigkeit unangefochtener Marktführer im Sekt- und Schaumweingeschäft. Aus einer geöffneten Flasche Schaumwein entweicht Kohlensäure, selbst wenn man zur Sicherheit gleich zwei Löffel hineinsteckt. „Besser ist es, die Flasche auszutrinken. Oder wenn es wirklich sein muss einen Verschlusskorken zu verwenden, der die die Flasche richtig dicht abschließt“, sagt Gattermayer.

Blubber und Perlen

Er ist einer, der es wissen muss. Der Henkell-Freixenet-Geschäftsführer ist selbst ausgebildeter Sommelier und amtlich geprüfter Weinkontrolleur und hat vor zwei Jahren, nach zwölf Jahren im Sekt- und Schaumweinbusiness, nochmals in Klosterneuburg die Schulbank gedrückt. „Einfach weil mich das Thema so interessiert und ich wissen wollte, wovon ich da rede – auch wenn es in die Tiefe geht“, sagt er.

In die Tiefe geht Gattermayer gerne, wenn er über die verschiedenen Produkte aus seinem Haus spricht. Während sich viele Österreicher schwer tun, deren Geschmack zu unterschieden, traut sich Gattermayer auch zu, die Sekt- und Schaumweinsorten blind bestimmen zu können. „Herr und Frau Österreicher haben auch nicht so oft die Möglichkeit, 15 verschiedene Flaschen quer zu verkosten, wie wir das immer wieder machen“, sagt er.

Dabei ist eine annähernde Bestimmung gar nicht so schwierig. Für Champagner dürfen zum Beispiel nur drei Rebsorten verwendet werden: Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. "Die haben natürlich einen ganz anderen Geschmack als zum Beispiel eine Muskateller-Traube aus Österreich", weiß Gattermayer. Champagner ist außerdem komplexer und feinperliger, was daher kommt, dass er im zweiten Gärgang mindestens 15 Monate lang auf Hefe liegen muss. Seine Perlage ist daher schon in der Flasche viel feiner als etwa bei einem Muskateller-Frizzante, der nur drei Monate lagert.

Hochsaison zum Jahresende

An die 32 Millionen Flaschen Schaumwein werden in Österreich jährlich konsumiert, und etwa jede sechste Flasche davon wird zum Jahreswechsel geöffnet, rund um den die Produzenten alljährlich absolute Hochsaison haben. „Wobei für uns das ganze letzte Quartal besonders wichtig ist, weil da die Ware in den Markt verkauft wird, auch an die Großhändler, die schon vor dem Einzelhandel einkaufen."

In der Branche wird dabei zwischen Frizzante, Spumante und Schaumwein-Cocktails unterschieden. Sekt, Champagner und Cava fallen in die Kategorie „Spumante“ – ein Sammelbegriff für die Schaumweine, die mit Kork verschlossen sind, über 6 Bar Druck in der Flasche und mindestens 10 Prozent Alkohol haben. Ein Frizzante ist demnach kein Sekt, sondern ein Perlwein mit weniger Druck in der Flasche der auch nicht so lange auf der Hefe gelagert und teilweise mit zusätzlichem CO2 prickelnder gemacht wird. „Was aber nicht unbedingt einen qualitativen Abstrich bedeutet“, betont Gattermayer. Es handle sich eben um ein anderes Produkt mit völlig unterschiedlichen Eigenschaften.

Der größte Anteil im Handel entfällt auf Sekt, also im Fachjargon eigentlich Spumante. Fast 60 Prozent aller in Österreich gekauften Flaschen zählen zu diese Kategorie. Und etwa ebenso groß ist der Anteil der Sorte „Trocken“. „Henkell Trocken“ ist daher im breiten Sortiment von Henkell-Freixenet der absolute Bestseller. Wobei die Bezeichnung „Trocken“ allerdings ein wenig irreführend ist. „Trocken heißt eigentlich, dass 17 bis 35 Gramm Restzucker pro Liter in der Flasche sind. Herr und Frau Österreicher mögen ihren Schaumwein also eher lieblich“, erklärt Gattermayer, der persönlich eine andere Note bevorzugt: „Brut“ oder „Extra Brut“ – Sorten deren Zuckergehalt teilweise unter zehn Prozent liegt.

Die Farbe der Rose

Wobei sich in Österreich allerdings eine kleine Wende abzeichnet, und zwar sowohl was den Geschmack als auch das generelle Trinkverhalten betrifft. Das am stärksten wachsende Schaumwein-Segment ist Rosé mit einen Marktanteil von mittlerweile 20 Prozent und zweistelligen Wachstumsraten über die letzten Jahre. Ein übrigens noch österreichisches Phänomen, denn anderswo in Europa hat man den Reiz der Rosé-Perle noch nicht in dem Ausmaß entdeckt.

Henkell-Freixenet Östererich Geschäftsführer Philipp Gattermayer

"Sekt belebt, man kann ihn täglich trinken", meint Philipp Gattermayer, Österreich-Chef von Henkell-Freixenet.

Ein weiteres Marktsegment mit beachtlichen Wachstumsraten ist „Alkoholfrei“. Und wer meint, dass es sich dabei bloß um mit Kohlensäure versetzten Traubensaft handelt, der wird von Gattermayer korrigiert. Die Produktion von alkoholfreiem Sekt sei durchaus aufwändig, erklärt er. Die Trauben würden zunächst ganz normal zu Wein vergoren. Im Zuge der zweiten Gärung auf der Hefe wird dem Getränk dann der Alkohol wieder entzogen. Es sei daher auch kein Etikettenschwindel und durchaus legitim, alkoholfreie Sekte auch tatsächlich als Sekt zu bezeichnen

Der Branche der Sekt- und Schaumweinhersteller kommen diese Trends natürlich zupass, geben sie ihnen doch die Möglichkeit, ihre Produkte stärker als Getränke zu positionieren, die man nicht nur zu Weihnachten, sondern gut und gerne das ganze Jahr über, zu allen erdenklichen Anlässen und auch zur Essensbegleitung konsumieren kann. „Sekt und Schaumwein belebt den Kreislauf und kann täglich getrunken werden, ob als Aperitiv, beim Get-together mit den Freundinnen, als Belohnung nach einem erfolgreichen Arbeitstag oder beim Picknick – es gibt viele Möglichkeiten“, sagt Gattermayer.

Geschmacksgarantie

Wobei Henkell-Freixenet für seine Produkte eine Art Geschmacksgarantie abgibt. Im Gegensatz zu Winzer- und Jahrgangssekten, die je nach Wetter und Zuckergehalt der verwendeten Trauben unterschiedliche Noten haben, legt das Haus Wert darauf, dass die Produkte immer gleich schmecken. Unabhängig davon in welchem Jahr sie produziert wurden. „Das ist eine andere Philosophie. Wir sehen es als Qualitätsversprechen“, sagt Gattermayer. „Dazu gehört viel Wissen und wir können den gleichbleibenden Geschmack auch nur deswegen garantieren, weil wir sämtliche Sorten aus eigenen Weingärten und mit eigenen Weinkellereien produzieren. Da sind wir weltweit die Einzigen.“

Wobei es in den letzten Jahren dennoch immer schwieriger geworden ist, die unterschiedlichen Sorten stets mit einem konstant gleichbleibenden Geschmack zu produzieren. Schuld daran ist der Klimawandel, der die Reifung der Trauben und ihre Zuckergehalte beeinflusst. Noch konnte Henkell-Freixenet darauf reagieren, etwa indem die Ernte um einige Wochen früher stattfand oder neue Weingärten in schattigeren oder anders exponierten Lagen angelegt wurden. Und weil immer aus den Vorjahren Weine aufbewahrt werden, mit denen die Produkte dann cuvetiert werden. „Für uns bedeutet das auch sehr viel gebundenes Kapital“, betont Gattermayer, „zusätzlich zu dem durch den aufwendigen Herstellungsprozess gebundenen Kapital.“ So können etwa die Produkte aus den im September geernteten Trauben frühestens im dritten Quartal des nächsten Jahres in den Handel kommen.

Bis dahin hat Gattermayer noch viel vor. Im August 2018 hat Henkell den spanischen Cava-Produzenten Freixenet zu 50,67 Prozent übernommen und in der Folge der Eheschließung auch den Doppelnamen als offiziellen Firmennamen übernommen. Nun soll der in Österreich bisher noch nicht allen bekannte Cava als neues Trend-Getränk positioniert werden und mit Mionetto Prosecco, einer zuletzt um 60 Prozent wachsenden Marke, im Sommer 2020 in der Barszene einschlagen. „Dort geht der Trend stark in Richtung Sekt- und Champagner-Cocktails“, freut sich Gattermayer, die Trend-Marken im Talon zu haben: „Wir sind nicht nur der größte Schaumweinproduzent der Welt, sondern auch der einzige, der alle Kategorien selbst produziert, und das ist tatsächlich ein USP.“

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