KMU sind auf dem Stand von "Digitalen Neulingen"

In einer Umfrage haben UBIT, Wirtschaftskammer, WU Wien, Drei und Arthur D. Little den Status von Österreichs KMU zum Thema Digitalisierung erhoben. Beim Knowhow gibt es grobe Mängel. Demnach sind die KMU bestenfalls "Digitale Neulinge". Die im Mai in Kraft getretene, weitreichende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) habe jedoch das Bewusstsein geschärft. Aber Fachkräfte fehlen tradtionell an allen Ecken und Enden.

KMU sind auf dem Stand von "Digitalen Neulingen"

Tradtion mit Folgen - Berufsbild IT-Experte: Ein Mangelberuf, der heuer mindestens 20 Jahre Geschichte schreibt.

Kaum ein Politiker lässt sich das Zukunftsthema Digitalisierung in Ansprachen nicht wie die berühmte Butter vom Brot nehmen. Und dennoch: Sonntagsreden, Warn- und Mahnreden, die je nach Couleur und Betrachtungsweise wechseln sich die Reden regelmäßig ab, haben ihre Empfänger offenbar noch nicht flächendeckend und in allen Branchen erreicht.

Das Thema Digitalisierung kann in Österreich noch immer als ein weites, partiell oder kaum beackertes Feld beschrieben werden. Die heimischen KMU können damit noch immer nicht so viel anfangen, wie es etwa die Vertreter der Beratungsbranche fordern, die freilich die Wettbewerbsfähigkeit der Zukunft auf dem Spiel sehen.

Österreichs Beraterverband UBIT (Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie) hat nach 2017 nun zum zweiten Mal unter seinen insgesamt 68.000 Mitgliedern das Thema abgefragt. Befragt wurden 1.100 Unternehmen des KMU-Spektrums. Die Wirtschaftskammern in den Bundesländern, der Mobilfunker und neuerdings Festnetzanbieter Hutchison Drei Austria sowie das Institut für KMU-Management der Wirtschaftsuniversität Wien haben unter der Leitung des Beratungskonzerns Arthur D. Little Austria den Status erhoben. Und das Ergebnis lässt bei UBIT den Alarmknopf drücken, wenngleich die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) die digitalen Sinne durchaus etwas geschärft hat.

Die digitale Spaltung

Es gibt Handlungsbedarf - lautet daher die kaum überraschende Conclusio des Beraterverbands UBIT. Um im gleichen Atemzug nachzulegen, dass "der Mangel an IT-Experten weiter ansteigt", wie Alfred Harl, Obmann des Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT), einmal mehr warnt. Eine Warnung, die er seit Jahren immer wieder ausspricht.

Die KMU sind demnach zum Großteil in der Phase des "Digitalen Neulings", der wohl um die Bedeutung des Themas ein gewisses Bewusstsein hat. Die quer über alle Branchen durchgeführte Umfrage zeigt aber, dass es branchenspezifische Unterschiede gibt. Banken und Versicherungen sind demnach am weitesten, gefolgt von der Branche Information und Consulting. Laut Umfrage würde bei 35 Prozent der befragten Unternehmen das Knowhow fehlen, weitere 36 Prozent gaben an, über zu wenig finanzielle Mittel zu verfügen. "Bei fast der Hälfte, 48 Prozent, der KMU besteht großer Bedarf an Beratung und Unterstützung bei der Umsetzung der digitalen Transformation, sagt UBIT-Obmann Harl. Der oberste Branchenvertreter der Berater sieht darin freilich auch eine Steilvorlage in Form eines Handlungsauftrags für die Beraterbranche.

Eine der wichtigsten Forderungen der Umfrageteilnehmer ist hingegen der Wunsch nach einem leistungsfähigen Internet. 37 Prozent der KMU sehen darin die Voraussetzung, um mehr in digitale Kommunikation sowie innovative Lösungen zu investieren. Zwei Drittel der Befragten sehen immerhin die Digitalisierung "als Chance zur Gewinnung von Neukunden", die Hälfte der Befragten hofft auf Kostenersparnis.

"Die Digitalisierung ist etwas, was ein Unternehmen gesamthaft betrifft - und das haben die Unternehmen begriffen", sagt Dietmar Rößl vom Institut für KMU-Management der Wirtschaftsuniversität Wien. Die KMU hätten demnach erfahren, dass die Auswirkungen der Digitalisierung die internen Prozesse und somit die Organsisation erfasse.

Mit Verweis auf die Erfahrungen, die die Unternehmen mit der neuen DSGVO gemacht haben, kommt die Umfrage im Jahresabstand zu einem unterschiedlichen Ergebnis. Waren es in der ersten Umfrage im Jahr 2017 nur 32 Prozent der Befragten überzeugt, von der DSGVO betroffen zu sein, so ist dieser Wert mit der jüngsten, nun zweiten Umfrage 2018 auf 83 Prozent angestiegen. Demnach war 2018 auch für 54 Prozent der befragten KMU die neue Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) das wichtigste Thema. Die Vorarbeiten dazu waren so umfangreich, dass viele Unternehmen die Umstellung auf den letzten Drücker bis zum Inkrafttreten im Mai 2018 geschoben haben. Doch bis zum jetzigen Zeitpunkt könnten die druch die DSGVO Unsicherheiten seitens der KMU nicht zerstreut werden. Demnach sei die Hälfte der KMU (43 Prozent in 2018, 34 Prozent in 2017) noch immer verunsichert vor allem was den rechtlichen Rahmen anbetrifft.

Der Plan

Doch Warnung alleine ist für die Beraterbranche UBIT nicht genug: Der Chefberater des Verbands avisiert gleich auch seinen "Masterplan digiNation". Darin niedergeschrieben steht eine Forderung, dass unter anderem mehr Ausbildungsplätze zu schaffen seien. Und die Zugangsbeschränkungen für den Studiengang Informatik an Universitäten und Fachhochschulen sollen sofort gestrichen werden. Eine weitere, nicht ganz so frische Erkenntnis von UBIT ist die Einführung des Informatikunterrichts schon ab der Volksschule. Zumindest einmal pro Woche sollen dann Schüler schon früh mit dem Pauken von Bits & Bytes beginnen, um später das Reservoir des leergefegten Marktes für Informatikexperten mit zahlreicherem Nachwuchs zu versorgen als dies bisher der Fall war.

All die Maßnahmen, wie Greencard oder Österreich-Card für Informatiker, Digitalisierung und Vernetzung der Schulen mit Breitbandinternet und WLAN, haben in den vergangenen rund 20 Jahren nicht genügend IT-Experten in die Wirtschaft gebracht. Bereits in den 1990er-Jahren gab es einen Mangel an IT-Experten, der mit unterschiedlichen Maßnahmen - ohne Erfolg - bekämpft wurde. Damals hieß es bereits, dass zwischen 100.000 und 350.000 IT-Experten mittelfristig bis langfristig fehlen würden. Und der Bedarf unter anderem nur mit dem Zuzug von IT-Experten etwa aus Osteuropa, Indien und anderen Ländern gedeckt werden soll.

Um nun die Trendwende zu schaffen sollen nun auch von höchster Stelle der Politik entscheidende Taten statt nur Worte folgen. "Der Bundeskanzler soll den digitalen Masterplan präsentieren", fordert und wünscht sich UBIT-Chef Harl. Einmal mehr.

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