Herausforderung Klimaziele: Unternehmen, nachhaltig reguliert

Mit EU-Klimazielen verbundene Regulierungen und Berichtspflichten treffen künftig viel mehr und auch kleinere Unternehmen. Die Umweltpolitik nimmt sie auf vielfältige Weise in die Pflicht.

Herausforderung Klimaziele: Unternehmen, nachhaltig reguliert

Nachdem sich die Politik in der EU auf den "Green Deal" und damit auf verschärfte Klima- und Nachhaltigkeitsziele verständigt hat, werden nun die Unternehmen in die Pflicht genommen, diese umzusetzen. Der Weg dazu führt über immer mehr sowie schärfere und umfangreichere Regulierungen, vor allem, aber nicht nur auf EU-Ebene.

Eines der Felder dabei ist das Nachhaltigkeitsreporting. Betrafen Nachhaltigkeitsberichte hierzulande bislang einen überschaubaren Kreis börsennotierter Großunternehmen, so werden diese gemäß der neuen "Corporate Sustainability Reporting Directive" (CSRD) der EU ab 2023 für alle "großen" Kapitalgesellschaften (40 Millionen Euro Umsatz, 20 Millionen Euro Bilanzsumme, 250 Mitarbeiter, wenn zwei dieser drei Kriterien überschritten werden) obligatorisch. "Die CSRD wird zum Gamechanger", konstatiert Stefan Uher, Partner beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY. Uher und sein Kollege Georg Rogl sind neben Leiter Martin Unger die beiden Co-Leiter der neuen EY-Einheit EYCarbon, wo der Berater alle Services um Klimaneutralität, Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit unter einem Dach bündelt.

EYCARBON - Nachhaltigkeit unter einem Dach

Die Nachhaltigkeitsberatung EYCarbon vereint alle Services von EY rund um Nachhaltigkeit unter einem Dach und bietet laufend Einblicke, Studien und Events rund um Dekarbonisierung und Klimawandel für österreichische Unternehmen.

www.ey-carbon.at

Georg Rogl, Nachhaltigkeitsexperte EY

"Unternehmen müssen darstellen, wie sie bis 2050 klimaneutral werden." GEORG ROGL NACHHALTIGKEITSEXPERTE SENIOR MANAGER EY

"Etliche Tausend Unternehmen in Österreich", so schätzt Rogl, werden nun also erstmals, zudem inhaltlich deutlich umfangreichere und anspruchsvollere, Nachhaltigkeitsberichte erstellen müssen. Diese sind - auch das gab es bisher nicht -einer externen Prüfung zu unterziehen. Laut einer EY-Studie haben zuletzt 42 Prozent der 100 größten heimischen Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt, selbst aus diesem exklusiven Kreis wird damit also mehr als die Hälfte Neuland betreten.

Uher beobachtet bereits den Trend "Sustainability goes Finance". "Das Nachhaltigkeitsreporting wandert in die Finanzabteilungen, weil man dort das Reporting gewohnt ist", so der Experte. Das macht auch insofern Sinn, weil sowohl am Kapitalmarkt als auch bei der Kreditvergabe zunehmend auf ökologische Kriterien in der Unternehmensfinanzierung geachtet wird.

Grüner Umsatzanteil

Georg Rogl, Nachhaltigkeitsexperte EY

"Verpflichtendes Nachhaltigkeitsreporting wird zum Gamechanger." STEFAN UHER WIRTSCHAFTSPRÜFER PARTNER EY

Eine der Grundlagen dafür und eine relativ neue Blüte im Strauß der grünen Regulierungen ist die EU-Taxonomie. Das ist ein einheitliches Klassifizierungssystem für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Es soll die Transparenz des Nachhaltigkeitsgrades von Unternehmen erhöhen, Greenwashing entgegenwirken und letztlich Finanzierungsströme verstärkt in jene Unternehmen lenken, die sich besonders intensiv mit nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten beschäftigen.

Schon für das Geschäftsjahr 2022 werden Unternehmen, die der Nachhaltigkeitsberichterstattung unterliegen, auch angeben müssen, welche Umsatzanteile sie aus nachhaltig hergestellten beziehungsweise erbrachten Produkten oder Dienstleistungen erwirtschaften. Auch welcher Prozentsatz der Gesamtinvestitionen sowie der betrieblichen Aufwendungen auf ökologisch nachhaltige Aktivitäten entfällt, muss darin angegeben werden. Der "Definitionenkatalog von 500 Seiten technischen Kriterien mit harten Schwellenwerten dafür, was grüner Umsatz ist", so beschreibt Rogl die Taxonomie, wird dabei 2022 aber erst im Hinblick auf zwei von insgesamt sechs Umweltzielen der EU "scharf gestellt", nämlich für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel.

Vielfältige Pflichten

Ab dem Geschäftsjahr 2023 werden alle Aktivitäten der Unternehmen zudem auch im Hinblick auf Nutzung und Schutz von Wasser und Meer, Vermeidung und Kontrolle von Umweltverschmutzung, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft sowie Schutz von Biodiversität und Ökosystemen unter die Lupe genommen und dahingehend geprüft, ob sie grün genug sind.

"Vor allem für die kleineren der betroffenen Unternehmen wird das anspruchsvoll, auch weil es so schnell kommt", sagt Uher. Rogl weist darauf hin, wie tief diese Regulierung Grundausrichtung und Strategien betrifft:"Die Unternehmen müssen letztlich in ihren Geschäftsmodellen darstellen, wie sie bis 2050 Klimaneutralität erfüllen wollen." Uher bestätigt: "Die Geschäftsmodelle stehen unter Beobachtung und der Druck wird steigen." So müssten sich etwa nun alle mit "Carbon Accounting" beschäftigen, was bisher nur ein Thema für Unternehmen war, die CO2-Zertifikate benötigten.

Der regulatorische Druck wächst nicht nur seitens der EU, auch nationale Gesetzgeber, wie Deutschland mit dem aktuellen Lieferkettengesetz, erlassen neue Nachhaltigkeitsvorschriften. "Das wird auch in der EU kommen", sagt Rogl. "Und das kann unfassbar komplex werden", ergänzt Uher. Für die Unternehmen weht jedenfalls ein deutlich rauerer Regulierungswind. Diesen Klimaeffekt hat die Umweltpolitik auf jeden Fall schon einmal bewirkt.


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