Streit um Heizen mit Holz: Klimaneutral oder nicht?

Die EU will neue Förderrichtlinien für den Green Deal beschließen. Ausgerechnet Umwelt-NGOs machen dabei gegen die Holzverbrennung mobil.

Streit um Heizen mit Holz: Klimaneutral oder nicht?

Die Diskussion um die Nachhaltigkeit von Holzheizungen ist entbrannt.

In der europäischen Klimabewegung droht ein ohnehin schon lange schwelender Konflikt endgültig zu entbrennen. Anlass ist eine Kampagne einiger Umwelt-NGOs wie WWF, Birdlife oder Robin Wood gegen die thermische Nutzung von Holz u.a. bei der europäischen Kommissionspräsidentin Ursula van der Leyen. Sie wollen in den laufenden Verhandlungen rund um strengere Klimaziele der EU mit Protestbriefen und Wissenschaftler-Petitionen verhindern, dass die Holzverbrennung weiter als klimaneutrale Technologie für Strom-, Treibstoff- oder Wärmeerzeugung angerechnet werden kann.

Die Ellbogenmethoden der Kollegen lösen speziell in der Biomasse-Fraktion helle Empörung aus. Christian Rakos, langjähriger Geschäftsführer des Österreichischen Pelletsverbands und seit kurzem auch Präsident des Welt-Bioenergieverbandes: „Wenn Naturschützer wie hier aktiv den Klimaschutz hintertreiben, raste ich aus. Dabei ist deren Geschichte voll von Fake News, voll mit Lügen, wie damals beim Brexit. Doch sie könnte zu einer Entwicklung führen, die später niemand mehr will.“

Gespaltene Lager

Die Ökoszene scheint tatsächlich tief gespalten. Die umtriebigen NGOs argumentieren mit dem CO2-Ausstoß, der bei der Holzverbrennung naturgemäß entsteht, ohne in Rechnung zu stellen, dass dieser vorher aus der Luft entnommen wurde. Darüber hinaus warnen sie vor Diversitätsschäden, wenn Waldflächen zu extensiv zur Energiegewinnung genutzt werden.

Christian Rakos

Christian Rakos: "Finanzierte PR-Kampagnen gegen Holz."

Auch das lässt Rakos nicht gelten: „Die energetische Nutzung ist nie der Grund für Schlägerungen. Sie ist ein Koppelprodukt mit anderen Formen der Holznutzung. Verbrannt werden lediglich Reststoffe, die sonst nicht verwertet werden.“ Er spricht von PR-Kampagnen gegen Holz, die aus dubiosen internationalen Quellen gespeist wird: „Unsere Gegner bekommen eine unglaublich üppige Finanzierung aus den USA. Aber deren Argumentation schlägt natürlich auch in der EU auf.“

Tatsächlich erstellt die EU-Kommission gerade neue Richtlinien zur Umsetzung des neuen CO2-Reduktionsziels der Gemeinschaft. Vor Weihnachten hatten sich die Regierungschefs im Rahmen des Green Deals auf ein ambitioniertes CO2-Einsparungsziel von 55 Prozent (im Vergleich zu 1990) geeinigt, an Stelle der bisherigen 40 Prozent. Bis Sommer sollen nun 12 neue Gesetzesvorschläge im Rahmen der Initiative „fit for 55“ die Regeln dazu präzisieren, sagt Frans Timmermanns, Klimakommissar und Vizepräsident der EU-Kommission.

Gespaltene Lager

Und es finden sich prompt auch erste EU-Texte, in denen die Holzverbrennung aus der Liste förderungswürdiger Technologien in den „State Aid Guidelines“ gestrichen werden sollen, wundert sich Rakos. Das hätte etwa zur Folge, so sein Beispiel, dass Holzheizungen bei der eben groß anlaufenden Raus aus dem Öl-Bonus-Förderaktion des Klimaministeriums herausfallen würden. Derzeit noch werden dafür zwei Drittel der Mittel verwendet.

Geht es nach den Protestschreiben der NGOs (und eines Brandbriefes von 500 Wissenschaftlern gegen die Nutzung von Holz), sollen weiters auch Biomassekraftwerke am neuen Emissionshandelssystem der EU teilnehmen müssen, gleichgestellt echten Emissionssündern wie Kohlekraftwerke, Erdölraffinerien oder Zementhersteller. Das würde den Einsatz empfindlich verteuern, auch im Zukunftsbereich von Biotreibstoffen.

Rakos befürchtet jedenfalls einen empfindlichen Rückschlag für die Energiewende. Immerhin ist Bioenergie schon bisher für 60 Prozent der Energieerzeugung in der EU verantwortlich. Außerdem lässt sich der bislang immer stärker geförderte Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energiesysteme wirtschaftlich für die Branche hervorragend an. So verzeichneten etwa Pellet- wie auch Kesselhersteller im Pandemiejahr Umsatzrekorde. Erstmals wurde in Österreich mehr als eine Million Tonnen an Holzpellets produziert. Der Verkauf von Holzheizungskesseln hat sich verdoppelt.

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