Kika/Leiner-Mutter Steinhoff braucht kurzfristig 200 Millionen

Kika/Leiner-Mutter Steinhoff braucht kurzfristig 200 Millionen

Der Liquiditätsengpass der Kika/Leiner-Mutter Steinhoff dürfte noch größer sein als zunächst angenommen. Der Verkauf vom Wiener Flagship-Store - trend berichtete exklusiv - hat nur vorläufig gröbste Löcher gestopft.

Sandton/Frankfurt/München . Der Kika/Leiner-Mutterkonzern Steinhoff versucht Verhandlungskreisen zufolge, in den nächsten Tagen eine Liquiditätslücke von mehr als 200 Millionen Euro zu schließen. Darüber werde mit den neun Banken verhandelt, die schon jetzt die wichtigsten Kreditgeber von Steinhoff sind, aber auch mit Hedgefonds und anderen Finanzinvestoren, sagten zwei Teilnehmer der Gespräche.

"Zurzeit geht es nur darum, zu verhindern, dass irgendeiner Steinhoff-Tochter das Geld ausgeht, die den ganzen Konzern in den Abgrund reißen könnte", sagte einer der Insider. Denn die Teile der mit 10,7 Mrd. Euro verschuldeten Gruppe seien finanziell stark miteinander verflochten.

Es gehe zunächst um die Liquidität für die nächsten drei Monate. Die Gespräche seien weit fortgeschritten. "Um die Bilanz neu aufzustellen, ist es noch viel zu früh. Das wird sich über Monate hinziehen." Insgesamt werden bei Steinhoff heuer Kredite über rund 2 Mrd. Euro fällig. Das Unternehmen, die Banken und Berater wollten sich zu den Informationen nicht äußern oder waren zunächst nicht erreichbar.

Ein Teil des Liquiditätslochs, das Steinhoff zuletzt auf 550 Mio. Euro beziffert hatte, seil laut Insidern bereits geschlossen. Der trend hatte exklusiv über den Notverkauf des Wiener Flagship-Store der österreichischen Tochter Kika/Leiner berichtet. Kurz vor Jahresende 2017 wurde das Geschäft für rund 70 Millionen Euro verkauft. Käufer war der Tiroler Investor Rene Benko mit seiner "Laura Privatstiftung", deren Stifter Rene und Ingeborg Benko sind .

Auf Geldsuche

Doch der schnell inszenierte Notverkauf dürfte nur die gröbsten Löcher gestopft haben. Insgesamt sollen 80 Millionen Euro noch fehlen. Die britische Billigladen-Tochter Poundland besorgte sich rund 180 Mio. Euro vom Hedgefonds Davidson Kempner, auch der amerikanische Matratzen-Hersteller Mattress Firm konnte sich eine neue Finanzierung sichern.


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Mehrere Steinhoff-Töchter sind auf eigene Faust mit eigenen Beratern auf der Suche nach frischem Geld. Das liege auch am Führungsvakuum im Konzern, der angesichts eines Bilanzskandals fast seine komplette Führungsriege ausgetauscht hat, sagte ein Insider. "Sie trauen dem Konzern einfach nicht mehr", sagte ein anderer. So versuche der französische Möbelhändler Conforama, selbst rund 200 Millionen Euro aufzutreiben. Die deutsche Poco hatte betont, dass sie mit Steinhoff und der österreichischen XXXLutz zwei Eigentümer habe.

Angesichts der Zweifel an den Bilanzen der Europa-Tochter war der Kurs der Steinhoff-Aktie um 90 Prozent eingebrochen. Seitdem bangen auch die Banken um ihre Kredite. Zu den größten Gläubigern des Konzerns mit deutschen Wurzeln gehören die US-Banken JPMorgan, Citi und Bank of America, aber auch HSBC, die Commerzbank und UniCredit.

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