Kfz-Neuzulassungen in Österreich massiv zurückgegangen

Kfz-Neuzulassungen in Österreich massiv zurückgegangen

Glanz und Glamour auf Autoshows - im Handel schaut die Autowelt weniger glänzend aus.

Die Österreicher waren 2014 beim Kauf von Neuwägen und Leichtmotorrädern extrem zurückhaltend. Nur Dank der Vorzugskäufe infolge der Einführung der Normverbrauchsabgabe (NoVA) ist die Bilanz nicht noch schlechter ausgefallen.

Wien. Bei Autoshows feiern die Automobilkonzerne teilweise ihre massiven Umsatzzuwächse. Die Realität im Autohandel schaut allerdings ein bisschen anders aus. Zumindest in Österreich. Der Autohandel tritt nicht nur auf der Stelle, sondern muss mit massiven Rückgängen bei den Zulassungen kämpfen. Bereits das dritte Jahr in Folge kommt es zu einem Rückgang bei den Zulassungen.

Im Jahr 2014 wurden insgesamt 395.637 Kraftfahrzeuge neu zum Verkehr zugelassen, um 4,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen nahm laut Statistik Austria gegenüber dem Jahr 2013 auf 303.318 Stück ab (-4,9%). Weiter zugenommen haben auch die Tageszulassungen. 8,7 Prozent oder 26.455 Autos entfallen 2014 auf Tageszulassungen. 2013 wurden noch mehr als rund 5000 Autos weniger für Tageszulassungen angemeldet - 26.183 Stück entsprechen rund 8,2 Prozent der Neuzulassungen.

Laut Peter Laimer von der Statistik Austria entfällt nur mehr rund ein Drittel der Auto-Neuzulassungen auf Privatpersonen. Hier gingen die Neuzulassungen um 12 Prozent zurück.

Der Autohandel rechnet heuer bereits mit einem Unterschreiten der "magischen Marke" von 300.000 Neuzulassungen, wie Burkhard Ernst, Sprecher des Fahrzeughandels, am Tag vor der Eröffnung der mittlerweile 9. Vienna Autoshow erklärt hat. Im Gegensatz zum EU-Trend seien die Zulassungen hierzulande rückläufig. Damit der Handel nach der Einführung der Neuregelung der Normverbrauchsabgabe wieder an Schwung gewinnt, fordert der Handel eine "Ökoprämie", also eine staatliche Förderung für die Verschrottung älterer Fahrzeuge. Das sei "für die Republik Österreich ein gewaltiges Geschäft", sagt Ernst.

Im Gegensatz zum Autohandel konnte die LKW-Neuzulassungen zulegen. Verglichen mit 2013 wurden 2014 mehr Lkw neuzugelassen (+1,8% bzw. 34.769 Stück), aber deutlich weniger land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen (-18,9%).

Auch bei Zweirädern war insgesamt eine Abnahme der Neuzulassungen (-6,1%) auf 40.463 Stück festzustellen, vorwiegend aufgrund des Rückgangs bei den Motorfahrrädern (-10,4%) und Leichtmotorrädern (-5,2%); bei Motorrädern hingegen konnte ein leichter Anstieg (+0,3%; +31 Stück) verzeichnet werden.

Vorziehkäufe retten halbwegs die Bilanz

Die Einführung der NoVA bzw. motorbezogener Versicherungssteuer zum 1. März 2014 hatte in den beiden Monaten davor die Zahl der Neuzulassungen noch massiv erhöht. Im Februar kam es noch zu namhaften Pkw-Neuzulassungen mit einem Plus von 30,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Vorziehkäufe wurden dabei als Grund genannt.

Danach ging die Zahl der Zulassungen zurück. Erst im Oktober konnte wieder ein geringes Plus von 0,8 Prozent erzielt werden. In den übrigen Monaten wurden Rückgänge zwischen minus 1,7 Prozent (September 2014) und minus 16,5 Prozent (Dezember 2014) verzeichnet.

Diesel bevorzugt

Die Pkw-Neuzulassungen insgesamt (303.318) lagen 2014 um 15.717 Stück unter dem Vorjahreswert (319.035) und deutlich unter dem zwanzigjährigen Durchschnitt von 306.853. Der Österreicher steht nach wie vor auf Autos mit Dieselantrieb. Die Neuzulassungen dieselbetriebener Pkw (Anteil: 56,8%) gegenüber 2013 um 4,7% ab, jene benzinbetriebener Pkw (inkl. Flex-Fuel; Anteil: 41,7%) um 5,8%.

E-Auto unter der Warnehmungsschwelle

Dennoch: Das allseits forcierte Elektroauto bleibt in Österreich ein Rohrkrepierer. Nur 1281 neue Elektrofahrzeuge wurden neu zugelassen. Das Regierungsziel von 200.000- E-Autos im Jahr 2020 ist in weiter Ferne.

Der Anteil alternativ betriebener Pkw – Elektro, Erdgas, bivalenter Betrieb, kombinierter Betrieb (Hybrid) und Wasserstoff (Brennstoffzelle) – war mit 1,5 Prozent bzw. 4434 Stück (2013: 1,2 % bzw. 3858 Stück) weiterhin vergleichsweise gering. Der Zuwachs betrug 14,9 % (2013: +26,0%). Neuzulassungen mit reinem Elektroantrieb nahmen um 95,9 Prozent zu.

Weniger Gebrauchte

Bei den Zulassungen von Gebraucht-KFfz war im Vorjahr der Rückgang gegenüber dem Jahr 2013 mit 0,7 Prozent fast noch erträglich ausgefallen. Im Jahr 2014 wurden 995.686 gebrauchte Kraftfahrzeuge zum Verkehr zugelassen. Aber auch hier zeigt sich vor allem ein Rückgang von gebrauchten PKW. So wurden 810.994 gebrauchte Autos zugelassen, was 1,5 Prozent weniger ist als im Vorjahr. Sowohl Pkw mit Benzinantrieb (inkl. Flex-Fuel; -2,2%) als auch dieselbetriebene Pkw (-1,2%) entwickelten sich rückläufig.

Die Statistik wurde gerade noch halbwegs gerettet durch alle anderen Produktgruppen. Am Nutzfahrzeugmarkt gab es bei Lkw eine Zunahme von 1,1 Prozent. In der Land- und Forstwirtschaft kam es im Gebrauchtmarkt zu Zuwächsen. Zugmaschinen sowie Sattelzugfahrzeuge verbuchten Zuwächse (+4,0% bzw. +3,9%).

Bei Zweirädern schauten sich die Österreicher ebenso mehr auf dem Gebrauchtmarkt um. Zuwächse bei den Zulassungen gab es deshalb in allen Kategorien: Leichtmotorrädern mit plus 6,5 Prozent, Motorfahrrädern verbuchten ein einen Zuwachs von 2,4 Prozent und bei gebrauchten Motorrädern waren es 2,3 Prozent mehr Zulassungen.

Höherer Fahrzeugbestand

Der vorläufigen Kfz-Bestand beziffert Statistik Austria in Österreich mit rund 6,47 Mio. Fahrzeugen, was einem Zuwachs von 1,3 zum Jahr 2013 entspricht. Auf die anteilsmäßig wichtigste Fahrzeugart Pkw (72,6%) entfielen rund 4,69 Mio. Stück, um 1,2% mehr als noch zum Vorjahresultimo; bei land- und forstwirtschaftlichen Zugmaschinen wurden 449.655 (+0,9%), bei Lastkraftwagen insgesamt 418.471 (+2,4%) und bei Sattelzugfahrzeugen 16.316 Stück (+0,8%) zum Stichtag 31.12.2014 gemeldet.

Unter den einspurigen Fahrzeugen waren 466.157 Motorräder (Motorräder und Leichtmotorräder; +3,9%) und 286.780 Motorfahrräder (-2,2%) zum Verkehr zugelassen.


Bei der Vienna Autoshow in den Hallen der Wiener Messe werden 400 Fahrzeugmodelle von 37 Markenherstellern gezeigt. Es werden mehr als 140.000 Besucher erwartet. Rund 11 Prozent der heimischen Wirtschaftskraft entfallen auf den Automobilsektor, 450.000 Personen sind in diesem Bereich tätig.

Post-Chef Georg Pölzl

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