Kernspaltung bei E.ON: Energiekonzern teilt sich auf

Der Energiekonzern E.ON wird in alte und neue Energien aufgespalten. Vorstandschef Johannes Teyssen bemüht sich, gute Stimmung zu verbreiten - bei der Hauptversammlung wurde sogar den Umweltschuützern Kaffee serviert.

Kernspaltung bei E.ON: Energiekonzern teilt sich auf

E.ON-Vorstandschef Johannes Teyssen kann kräftig poltern - zum Beispiel über die Berliner Energiepolitik. Aber er kann auch werben, schmeicheln und gute Laune verbreiten. Am Mittwoch bei der E.ON-Hauptversammlung ist der Top-Manager eindeutig auf Werbekurs. Aufblühende Mitarbeiter, Kunden als Partner, gute Zukunftsperspektiven für beide künftigen E.ON-Konzerne und natürlich sichere Dividenden - Teyssens Werberede für die Aufspaltung enthält alle Versprechen, die Aktionäre froh stimmen - einschließlich eines Industrie-Werbefilms mit Kurzporträts glücklicher Beschäftigter.

Harmonie steht im Mittelpunkt der Hauptversammlungsregie. Sogar die wenigen Umweltschützer vor der Essener Grugahalle werden nicht vergessen, sondern bekommen draußen Kaffee und Gebäck von E.ON-Mitarbeitern serviert. Teyssen mischt sich währenddessen in Plauderlaune unter die Journalisten. Kein Vergleich mit dem Aktionärstreffen des E.ON-Konkurrenten RWE Ende April, bei dem wütende Demonstranten die Bühne im Saal mit RWE-Chef Peter Terium gestürmt hatten.

Nicht einmal die sonst üblichen Pfiffe und Zwischenrufe gibt es. Dabei geht es um eine wahrlich historische Entscheidung - schließlich nimmt E.ON mit diesem Tag endgültig Abschied vom jahrzehntealten Geschäftsmodell des integrierten Energiekonzerns, der von der Erzeugung über den Transport bis hin zu Vertrieb von Strom alles aus einer Hand anbietet.

"Riskante Wette auf steigende Strompreise"

Allerdings ist die Situation für E.ON wie für RWE gleich schlecht. Angesichts der jetzigen Stromgroßhandelspreise von deutlich unter 30 Euro pro Megawattstunde verdienen viele der Gas- und Kohlekraftwerke beider Unternehmen kein Geld mehr - wenn sie überhaupt noch laufen. Von einer "riskanten Wette auf wieder steigende Strompreise", sagt etwa der Aktionärsschützer Thomas Hechtfischer bei der Hauptversammlung im Bezug auf die Uniper-Abspaltung.

Viele Aktionäre sind außerdem unglücklich darüber, dass das neue E.ON-Zukunftsunternehmen, das sich doch auf die Zukunft der Energiewende konzentrieren soll, auf Druck der Politik weiter die E.ON-Atomkraftwerke führt. "Wie will man die Grüne Fahne hochhalten mit der Kernenergie im Gepäck", fragt Hechtfischer. Von einem "Klotz am Bein" spricht ein anderer Redner.

Kritik gab es noch an dem einen oder anderen Detail - etwa den dreistelligen Millionenkosten für die Aufspaltung und an der Tatsache, dass natürlich teure zusätzliche Vorstände und Spitzenkräfte in den Führungsetage der künftig zwei selbstständigen E.ON/Uniper-Konzerne sitzen werden. Aber fast alle Beiträge endeten mit dem Eingeständnis, dass E.ON wohl kaum eine andere Wahl als die Aufspaltung habe. "Alternativlos" lautet die Diagnose. Entsprechend groß war die Mehrheit für den neuen Kurs.

"Politik muss wirtschaftliche Realitäten einsehen"

Die Hoffnung der Aktionäre richtet sich - wie seit Jahren - auf die Politik. Irgendwann müsse die Politik doch die wirtschaftlichen Realitäten einsehen, sagt Teyssen in der Fragerunde. Er meint eine Entlohnung der Branche für das Bereithalten konventioneller Kraftwerke, wenn Sonne und Wind keinen Strom liefern - den sogenannten Kapazitätsmarkt. In einigen Auslandsmärkten von Uniper ist die Entwicklung schon weiter - so gibt es etwa in Großbritannien und Russland schon entsprechende Marktmodelle. Das gibt dem neuen Unternehmen zumindest etwas Planungssicherheit.

Auch wenn Teyssen betont, dass Uniper auch ohne solche Eingriffe stabil dastehe, hoffen viele Aktionäre hier doch auf Milliarden vom Staat, genauer gesagt über die Strompreise vom Verbraucher. Nicht mehr mit dieser Bundesregierung, aber hoffentlich mit der nächsten, sagt ein Aktionär.

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