Interner Betrug bei FACC: 50 Millionen Euro weg

Interner Betrug bei FACC: 50 Millionen Euro weg

Mitarbeiter der FACC AG im Werk 3 für Aerostructures in Ort im Innkreis.

Der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC ist entgegen ersten Meldungen nicht Ziel eines Cyberangriffes geworden: FACC zufolge wurde "intern jemand benutzt", 50 Millionen Euro sind verschwunden.

Der österreichische Luftfahrtzulieferer FACC in Ried im Innkreis ist nicht ins Visier von Hackern geraten. Dem Unternehmen zufolge sind durch Betrugshandlungen im "Finanzbereich" 50 Millionen Euro verschwunden. "Der Vorstand setzte umgehend strukturelle Maßnahmen und prüft Schadenersatz- und Versicherungsansprüche", so das Unternehmen, das mehrheitlich in chinesischer Hand ist.

Gegen wen sich der Verdacht richtet und ob der Konzern eigene Mitarbeiter im Visier hat, sagte der Sprecher nicht. Es gehe um alle "Involvierten".

Nun werde weiter ermittelt, was genau passiert ist. Fix sei, dass 50 Mio. Euro an liquiden Mitteln aus der Finanzbuchhaltung der FACC Operations GmbH abgeflossen sind. "Auch wenn der Betrag enorm ist, die wirtschaftliche Situation des Unternehmens ist hinsichtlich Liquidität nicht gefährdet", so der Sprecher.

"Es wurde das Vermögen angegriffen, die Systeme sind nicht betroffen." Die Produktion laufe uneingeschränkt weiter.

"Die Ermittlungen laufen noch", sagte Unternehmenssprecherin Andrea Schachinger am Vormittag. Die Staatsanwaltschaft hat bestätigt, dass ein Vorfall angezeigt wurde.

Die Börse reagierte empfindlich auf den Vorfall: Die FACC-Aktie sackte teilweise um mehr als 14 Prozent ab.

Auswertung kann Monate dauern

Die Täter seien laut Staatsanwaltschaft unbekannt, Daten würden derzeit gesichert werden. Die Auswertung werde erfahrungsgemäß Wochen bis Monate dauern. Da die Schadenssumme von FACC auf 50 Millionen Euro beziffert wird, wird das Verfahren an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft abgetreten.

Auf der Website des Unternehmens hieß es, dass die FACC AG "Opfer von betrügerischen Handlungen unter Ausnutzung von Kommunikations- und Informationstechnologien wurde. Der Vorstand erstatte umgehend Anzeige bei der Kriminalpolizei und beauftragte eine forensische Untersuchung der Vorfälle. Die genaue Schadenssumme wird derzeit ermittelt. Sie kann bis zu rund 50 Mio. EUR betragen. Die cyberkriminellen Aktivitäten wurden von außerhalb des Unternehmens gesetzt."

Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2015/16 erzielte FACC einen Umsatz von 270 Mio. Euro.

IT-Delikte nehmen leicht zu

In Österreich gab es laut den jüngsten Zahlen des Bundeskriminalamtes aus dem Jahr 2014 fast 9.000 Anzeigen im Bereich Cyberkriminalität. Die Zahl ging um rund zehn Prozent zurück. Doch die Anzahl der reinen IT-Delikte - Straftaten, die mit Hilfe der Technologien des Internets begangen werden, beispielsweise der widerrechtliche Zugriff auf ein Computersystem - sei leicht angestiegen. Auch im Zehn-Jahres-Vergleich ist insgesamt laut BK ein deutlicher Trend nach oben ablesbar. Die Aufklärungsquote lag demnach 2014 bei 40,8 Prozent - 4,4 Prozentpunkte unter jener von 2013.

Lesen Sie auch:

Cybercrime nimmt massiv zu - Das können Unternehmen dagegen tun

IT-Experten fordern mehr Geld für Sicherheit

Geld

In diesen Urlaubsländern kriegen Sie am meisten für Ihren Euro

Sonja Sarközi wird Chefin der russischen Sberbank Europe

Wirtschaft

Sonja Sarközi wird Chefin der russischen Sberbank Europe

Auto & Mobilität

Bau Lobautunnel genehmigt: Stau auf der Tangente ade