Keine goldene Bilanz: US-Fernsehsender kämpft in Rio mit Quotenrückgang

Keine goldene Bilanz: US-Fernsehsender kämpft in Rio mit Quotenrückgang

Michael Phelps gewinnt Medaillen für die USA - doch die Zuseher interessieren sich für andere Themen, wie etwa für die Präsidentschaftswahl.

Bei den Olympischen Spielen genießen die USA ihren Medaillenregen - weniger üppig fällt jedoch die Ausbeute des TV-Senders NBC aus. Monika Rosen, Chefanalystin der Bank Austria Privat Banking, analysiert die Bedeutung von Olympia und Streaming für das Mediengeschäft.

In der olympischen Medaillenbilanz ist den Amerikanern, auch dank Michael Phelps, heuer ein geschichtsträchtiger Sieg so gut wie sicher. Bei den Zuschauerzahlen im TV sieht die Sache allerdings anders aus. Obwohl die Amerikaner mit ihrer Sieges-Serie alle Rekorde brechen, sehen deutlich weniger Menschen zu als vor vier Jahren in London. An den ersten neun Übertragungsabenden verzeichnete der Sender NBC, der in den USA die Exklusiv-Rechte an den Spielen besitzt, im Schnitt 27,9 Millionen Zuseher. Das stellt gegenüber den Spielen in London vor vier Jahren einen Rückgang um satte 15,5 Prozent dar. Und das, obwohl der Zeitunterschied zwischen der Ostküste der USA und Rio nur eine Stunde beträgt, zu London hingegen fünf.

NBC hat im Vorfeld von Rio Werbezeiten um 1,2 Milliarden Dollar verkauft, jetzt wollen die Unternehmen natürlich auch die entsprechenden Einschalt-Quoten sehen. Besonders problematisch für den Sender ist die Tatsache, dass es einen 30-Prozent-Rückgang in der Altersgruppe von 18 – 34 Jahren gibt. Diese Zielgruppe gilt für Werbekunden als besonders attraktiv.

Grund für den Zuseher-Rückgang ist aber nicht so sehr mangelndes Interesse am sportlichen Großereignis, sondern die Veränderung im Medienkonsum. Vor allem das Streamen im Internet geht zu Lasten der TV Quoten. NBC verfolgt aber sehr wohl eine differenzierte Strategie und ist auch auf Streaming-Plattformen präsent: An den ersten beiden Tagen der Spiele in Rio hat der Sender 216 Millionen Minuten online gestreamt und damit den Vergleichswert von London 2012 um fast das Dreifache übertroffen.

Experten glauben aber auch, dass der erbitterte US-Wahlkampf heuer die Zuseher generell ablenkt und damit den Spielen Seher entzieht. In den ersten Tagen lag der Rückgang in den TV Quoten gegenüber London bei 35 Przent, in Folge hat sich das gebessert, auch dank der überragenden Leistungen der Schwimmer Michael Phelps und Katie Ledecky.

In Zukunft könnte die Übertragung von sportlichen Großereignissen noch zersplitterter werden, als das schon bisher der Fall ist. Dazu noch eine Vergleichszahl: NBC hat die Spiele 1996 auf einem einzigen (TV-) Kanal übertragen - heuer hingegen bedient der Sender 11 TV Kanäle und 41 Streaming-Plattformen. Ein Medienexperte meint, für die Zukunft sei es sogar denkbar, dass es für jede olympische Disziplin einen eigenen Spartenkanal gibt. Damit wäre beim Zielpublikum natürlich eine noch größere Treffsicherheit gegeben, was im Gegenzug wieder höhere Werbetarife rechtfertigen würde. Und obwohl die TV Zuseher-Zahlen gegenüber den letzten beiden Spielen rückläufig sind, ist das Jammern auf hohem Niveau, denn absolut betrachtet sind die Spiele in Rio immer noch ein Quotenhit.


Monika Rosen ist Chefanalystin, Bank Austria Private Banking.
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