Casinos Austria: Kein Glück währt ewig

Casinos Austria: Kein Glück währt ewig

Novomatic-Boss Harald Neumann hat keine Absicht, Casinos-Aktien an die Sazka Group abzugeben. Die Übertragung der Stimmrechte an die Tschechen könnte schon bald ein Ende haben.

Novomatic will keine Casinos-Anteile an Sazka verkaufen. Die Harmonie zwischen den beiden Casinos-Aktionären ist offenbar gestört.

Ein Interview, das der Topmanager der tschechischen Sazka Group und Vize-Aufsichtsratspräsident der Casinos Austria, Pavel Horák, dem "Standard" gab, hat zu einer ernsten Verstimmung beim Glücksspielkonzern Novomatic geführt. Horák sprach öffentlich über einen Deal, demzufolge Novomatic ihre 17 Prozent Stimmrechte an den Casinos Austria (Casag) der Sazka eingeräumt hat, und über eine Put-Option, über die Novomatic ihre Casag-Anteile jederzeit an die Tschechen verkaufen könne. Er suggerierte damit, dass die Sazka, die bis dato 34 Prozent an den Casinos hält, de facto schon jetzt über eine Mehrheit verfüge.

Novomatic-Boss Harald Neumann scheint darüber wenig amüsiert zu sein. Über seinen Sprecher Bernhard Krumpel lässt er ausrichten: "Es gibt keinerlei Gespräche und auch keine Absicht seitens der Novomatic, die Anteile zu verkaufen."

Und Neumann unterstreicht, wie wichtig ihm diese Erklärung ist. Im Hintergrund prüft Novomatic dem Vernehmen nach sogar, ob die Aussagen Horáks einen Verstoß gegen das gemeinsame Shareholder Agreement darstellen, das in diesem Fall aufgekündigt werden könnte.

Außerdem ist zu hören auf eine Change-of-Control-Klausel verwiesen, nach der die Vereinbarung hinfällig ist, sobald sich die Eigentumsverhältnisse bei der Sazka auch nur geringfügig ändern. Im Klartext heißt das: Wenn die Sazka wie geplant an die Börse gebracht wird, gehen die abgetretenen Casag-Stimmrechte wieder an die Novomatic zurück.

Wie es aussieht, will sich die Novomatic nicht von den Tschechen vereinnahmen lassen -was wiederum die Republik Österreich ausnutzen möchte, die über die Öbib rund 33 Prozent der Casinos Austria besitzt. Im Umfeld der Regierung wird der offensive Auftritt der Sazka damit erklärt, dass in deren Verhältnis zu Novomatic augenscheinlich nicht alles eitel Wonne sei.

Und im Hinblick auf das Ziel der Tschechen, die alleinige Kontrolle zu erlangen, weist man darauf hin, dass mit Republik und Novomatic immer noch eine österreichische Mehrheit vorhanden sei. Im Finanzministerium wird nicht einmal ausgeschlossen, das Vorkaufsrecht für die von der Bank Schelhammer & Schattera direkt gehaltenen Casinos-Aktien (5,3 Prozent) auszuüben, die auch die Sazka via Call-Option erwerben will.

Gerangel um den Aufsichtsrat

Der nächste Casus Belli zeichnet sich schon ab. Gleich sieben noch amtierende Aufsichtsräte wurden von Aktionären nominiert, die mittlerweile nicht mehr dabei sind, darunter Präsident Walter Rothensteiner (Raiffeisen) und der erste Stellvertreter Gerhard Starsich (Münze Österreich). Sie alle werden wohl bis zum Sommer ausgetauscht, wobei der Sazka ihr Recht, den Vorsitzenden zu ernennen, logisch erscheint.

Die heimische Politik reklamiert dieses Recht - mit Verweis auf den Fall Telekom - hingegen zwingend für sich. Und man könne sich nicht vorstellen, dass es die Tschechen wagen werden, bei einem Monopolbetrieb, wo der Staat der Regulator ist, etwas gegen die Republik zu unternehmen.

Eine entscheidende Rolle für den Ausgang des Matches Tschechien gegen Österreich wird Novomatic-Boss Neumann spielen. Im Moment ist eine Annäherung ans Finanzministerium erkennbar, nachdem zuvor gemeinsame Sache mit der Sazka gemacht wurde. Aber es bleibt abzuwarten, wie nachhaltig die Misstöne zwischen den beiden privaten Glücksspielkonzernen sind.

Die Novomatic hat ihre Stimmrechte einerseits aus wettbewerbsrechtlichen Gründen übertragen, weil sie als Finanzinvestor anders gar keinen Einfluss hätte ausüben können. Andererseits wollte Neumann eine klare Führung für die Casinos Austria - die er besser durch Sazka als durch die Republik gewährleistet sah. An dieser prinzipiellen Einschätzung wird sich wohl auch künftig nichts ändern.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 11/2018 vom 16. März 2018 entnommen.

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