Kaufkraftstudie: Österreich fällt im Europavergleich zurück

Wien, Kärntner Straße
Wien, Kärntner Straße

Die Kärntner Straße in Wien: Hier, in der Inneren Stadt leben die Österreicher mit dem meisten verfügbaren Geld.

Die Österreicher können sich wieder ein bisschen mehr leisten. Allerdings wirklich nur ein bisschen. Zu diesem Resümee kommt das Institut RegioData Research in der seiner neuen Kaufkraftstudie. Unter Berücksichtigung der Inflation blieben den Österreichern im Jahr 2015 gerade einmal neun Euro mehr pro Monat in der Börse.

Im traditionellen Wiener Kaffeehaus Griensteidl kostet das"Wiener Frühstück" aktuel 7,90 Euro. Zu Kaffee, Tee oder heißer Schokolade werden zwei Stück Gebäck serviert. Dazu gibt es Butter und zwei Portionen Marmelade oder Honig. Als großzügiger Gast rundet man da gerne auf neun Euro auf. Warum auch nicht, denn neun Euro, das ist der Betrag, den jeder Österreicher der neuen Kaufkraftstudie des Instituts RegioData im Jahr 2015 monatlich, nach Berücksichtigung der Inflationsrate, mehr zur Verfügung hat.

Im Jahr 2015 verfügten demnach die Österreicher über eine durchschnittliche Kaufkraft von 20.646 Euro und damit nominell um 277 Euro mehr als im Jahr zuvor. Das macht 23 Euro pro Monat oder - nach Berücksichtigung der Infaltionsrate - eben nur mehr rund neun Euro monatlich. Trotz der am 1. Jänner 2016 in Kraft getetenen Steuerreform sieht RegioData auch für 2016 nur ein sehr kleines Plus. Möglicherweise geht sich dann damit im Vergleich zum Jahr 2014 schon einmal im Monat ein "Griensteidl Frühstück" aus. Um aktuell 11,60 Euro bekommt der Gast dabei zusätzlich ein paar Scheiben Schinken und Käse sowie ein weichgekochtes Ei.

Kaufkraftvergleich August 2016

Kaufkraftvergleich August 2016

Im Europavergleich schneidet Österreich damit gar nicht gut ab. Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt, dass Österreich vom sechsten auf den achten Rang zurückgefallen ist. Erklärbar ist das nicht zuletzt durch die Inflationsrate, die in Österreich deutlich über dem EU-Durchschnitt liegt. 2015 lag diese innerhalb der 19 Länder umfassenden Eurozone bei 0,0 Prozent, in Österreich dagegen bei 0,8 Prozent. Im Jahr 2016 könnte sich der Rückfall Österreichs im europäischen Kaufkraftvergleich weiter fortsetzen. Im Jahresverlauf wird nämlich hierzulande mit einer Inflationsrate von 0,9 Prozent gerechnet. In der Eurozone dürfte sie am Ende des Jahres bei 0,2 Prozent liegen, EU-weit bei 0,3 Prozent.

Reiches Salzburg, armes Kärnten

Zu der nominellen Kaufkraft rechnet RegioData alle Einkünfte aus unselbständiger Arbeit, selbständiger Arbeit, Transferzahlungen und Kapitalvermögen abzüglich Steuern und Sozialversicherung. Durchschnittlich ist sie in Österreich um 1,4 Prozent gestiegen. Im Vergleich der Bundesländer liegen nun die Salzburger an der Spitze. Sie haben durchschnittlich 21.373 Euro im Jahr zur Verfügung. Am Ende der Tabelle liegen die Kärntner, die sich mit über 1.000 Euro weniger begnügen müssen.

RegioData Kaufkraftvergleich Bundesländer August 2016

RegioData Kaufkraftvergleich Bundesländer August 2016

Heruntergebrochen auf Bezirksebene leben jedoch in Wien die Österreicher mit dem meisten verfügbaren Bargeld. Drei der fünf kaufkräftigsten Bezirke des Landes liegen in Wien (Wien 1, Innere Stadt; Wien 13, Hietzing; Wien 19 Döbling). Komplettiert werden die Top Five durch Mödling und Eisenstadt. Die kaufkraftschwächsten Bezirke liegen sind Zwettl, Murau, Wien 20 (Brigittenau), Lienz und Wien 15 (Rudolfsheim-Fünfhaus).

Besonders eklatant ist der Unterschied zwischen der Inneren Stadt und dem nur knapp vier Kilometer entfernten Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus. Während die Bewohner der Inneren Stadt durchschnittlich 38.229 Euro pro Jahr (3.186 Euro monatlich) zur Verfügung haben, haben die Bewohner des 15. Bezirks nicht einmal halb so viel Geld in der Tasche: 16.306 Euro im Jahr oder 1.358 Euro pro Monat.

RegioData Kaufkraftvergleich Bezirke August 2016

RegioData Kaufkraftvergleich Bezirke August 2016

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