Kathrin Glock als Austro-Control-Aufsichtsrätin abberufen

Kathrin Glock, Ehefrau des Waffenherstellers Gaston Glock, wurde nach ihrem Auftritt im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur "Ibiza-Affäre" von Verkehrs- und Infrastrukturministerin Leonore Gewessler als Aufsichtsrätin der Austro Control abberufen.

Kathrin Glock als Austro-Control-Aufsichtsrätin abberufen

Der Auftritt im U-Ausschuss: Kathrin Glock posiert vor ihrer Einvernahme für die Fotografen.

Die für die Flugsicherung Austro Control (ACG) zuständige Ministerin Leonore Gewessler hat die von ihrem Vorgänger Norbert Hofer in den Aufsichtsrat der ACG bestellte Kathrin Glock "mit sofortiger Wirkung abberufen". Den Anlass dafür gab der skurrile Auftritt Glocks im Ibiza-Untersuchungsausschuss am Dienstag, 12. Jänner. Gewessler begründete die Abberufung der Ehefrau des Waffenproduzenten Gaston Glock mit der "Geringschätzung gegenüber einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss".

Eine halbe Stunde nach der Aussendung des Ministeriums ließ Glock ihrerseits über die Pressestelle des Kärntner Waffenherstellers erklären, dass sie keine Zeit mehr für die Kontrolltätigkeit in der Flugsicherheitsbehörde habe. "Per 1.1. 2021 wurde ich zur Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Glock GmbH bestellt. Die Eintragung wird in den nächsten Tagen erfolgen. Aufgrund dessen lassen es meine zeitlichen Ressourcen künftig nicht mehr zu, mein Aufsichtsratsmandat in der ACG auszuüben. Ich habe darüber bereits heute die Vorsitzende des ACG Aufsichtsrates informiert und werde auch selbstverständlich die Eigentümerin darüber in Kenntnis setzen", heißt es in Glocks Statement.

Der Abberufung folgt der Rücktritt

Ob nun abberufen oder zurückgetreten - den durch Glocks Ausscheiden frei gewordenen Sitz im Aufsichtsrat der Austro Control wird künftig Sektionschefin Judith Engel innehaben. Engel leitet seit 1. Jänner 2021 die auch für Luftfahrt zuständige Verkehrssektion im Klimaschutzministerium. Zuvor war die Bauingenieurin beim Wiener Gesundheitsverbund, dem Flughafen Wien und der ÖBB Infrastruktur für Bauprojekte zuständig. Von 2016 bis 2017 war Engel Mitglied des Asfinag-Aufsichtsrates.

Schon 2020 hatten zwei unter der Ägide Norbert Hofers bestellte Austro-Control-Aufsichtsräte das Gremium verlassen. Zum Jahreswechsel 2019/20020 trat der FPÖ-nahe Aufsichtsratschef Wener Walch zurück. Von Eigentümerseite aus dem Aufsichtsrat abberufen wurde die Anwältin Katharina Levina-Rabl, Ehefrau des Welser FPÖ-Bürgermeisters Andreas Rabl.

SPÖ und NEOS begrüßten die Abberufung. "Gut, dass Ministerin Gewessler jetzt endlich die Reißleine gezogen hat", sagte Stephanie Krisper, NEOS-Fraktionsführerin im "Ibiza"-Untersuchungsausschuss. "Glock war nach unseren bisherigen Erfahrungen im Ibiza-U-Ausschuss nicht einmal die Spitze der Inkompetenz", meinte SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer. Die grünen Abgeordneten Nina Tomaselli und David Stögmüller lobten die Entscheidung Gewesslers als "konsequent".


Glocks Auftritt im U-Ausschuss

Kathrin Glock im Ibiza-U-Ausschuss: Ein Geduldsspiel für die Abgeordneten

Kathrin Glock sagte am Dienstag, den 12. Jänner 2020 im Ibiza-U-Ausschuss zur mutmaßlichen Käuflichkeit der türkis-blauen Regierung aus. Ihr Ehemann Gaston Glock war bekanntlich in dem Ibiza-Video von den damaligen FPÖ-Granden Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus als Finanzier der FPÖ genannt worden.

Die Befragung wurde wegen Glocks Sorge vor einer Corona-Ansteckung aus einem separaten Raum via Video übertragen. Glock zeigte wenig Verständnis ob ihrer Vorladung, und dass ihr "in Zeiten der Pandemie" nicht die Möglichkeit eingeräumt worden sei, am Ende des U-Ausschusses auszusagen. Ihr sei es immer darum gegangen, ihren Mann vor einer Erkrankung zu schützen. Sie betonte, dass alle strafrechtlich relevanten Vorwürfe von der Staatsanwaltschaft (WKStA) geprüft worden seien und dass sie Fragen, die ihr ein strafrechtlich relevantes Verhalten unterstellten, nicht beantworten werde.

Die Abgeorneten hatten Mühe, die Befragung geordnet duchzuführen. Immer wieder desinfizierte sich Glock demonstrativ die Hände, wechselte ihre Maske und bat um Pausen. Außerdem beanstandete sie oft die Fragen der Abgeordneten und weigerte sich generell, diese zu beantworten. Sie lasse sich nicht wie ein "Schulmädchen" behandeln.

Die Bestellung in den Aufsichtsrat der Austro Control

Zu ihrer Bestellung zur Aufsichtsrätin der Austro Control durch den damaligen Verkehrsminister Norbert Hofer meinte Glock, dass dieser sie zwei Monate vor der Bestellung angerufen und gefragt habe. Daraufhin habe sie sich "Bedenkzeit" erbeten und ihre "zeitliche Ressourcen" geprüft, denn sie sei Geschäftsführerin von sieben Gesellschaften. Fernab des Glock-Konzerns führe sie auch ihr Familienunternehmen. Schließlich habe sie Hofer aber zugesagt. Auf Fragen nach ihrer Qualifizierung für den Posten reagierte Glock großteils emotional. Ihr Mann habe sie sechs Jahre auf ihre Aufgaben vorbereitet, sie gehe durch die harte Schule und: "Ich halte es wie unser Bundeskanzler, der hat bewiesen, dass man alles kann."

FPÖ-Granden zu Gast bei Glock

Hofer habe sie das erste Mal 2016 im Zuge eines Tierheimbesuchs in Villach getroffen, so Glock. Zudem habe es auch Privatbesuche Hofers in Velden gegeben, so "zwei bis dreimal". Bei Privatbesuchen sei er stets alleine gekommen, erklärte Glock auf Nachfrage von Verfahrensrichter Wolfgang Pöschl. Auch der ehemalige Vizekanzler Heinz-Christian Strache sei "bei unseren Reitturnieren" zu Gast gewesen, so wie die ehemalige Sozialministerin Beate Hartinger-Klein. Sie wies aber darauf hin, dass dabei immer Eintrittsgeld bezahlt worden sei, und dieses sei dann immer für karitative Zwecke gespendet worden. Aus den Medien kenne man nur "die halben Wahrheiten", sie sei aber nun hier, "um aufzuklären", betonte sie.

Auf die Frage, ob auch andere Politiker als Freiheitliche zu Gast gewesen seien, führte Glock etwa den Villacher Bürgermeister an, ohne dessen Namen zu nennen. Genau könne sie sich aber nicht mehr erinnern, denn bei den Veranstaltungen seien immer über 500 Gäste geladen gewesen. "Ich begrüße bei einem Turnier täglich 500." Zudem habe sie den Ablauf der Veranstaltungen über. Leichter würde sie sich tun, wenn man sie danach fragte, ob der Schauspieler John Travolta anwesend gewesen sei. Dass Bundeskanzler Sebastian Kurz einmal dabei war, könne sie aber jedenfalls ausschließen.

Straches Bitte um Spenden

Glock bestätigte, dass Strache bei ihr um eine Parteispende angefragt habe, aber: "Ich habe nicht darauf geantwortet." Stattdessen sei die Nachricht an den Anwalt des Unternehmens weitergeleitet worden. Spenden an Parteien oder parteinahe Vereine habe es aber nie gegeben. Wahrnehmungen, dass Strache oder Hofer Bargeld von Glock bekommen hätten, habe sie keine. Nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos habe es keinen Kontakt mehr zum ehemaligen Vizekanzler und FPÖ-Chef gegeben.

Warum Strache im Ibiza-Video behauptet hatte, dass Glock Politiker bezahle, konnte sich die Auskunftsperson nicht erklären, aber "viele schmücken sich mit dem Namen Glock". Über derartige Finanzierungen sei auch bei den Charity-Events des Unternehmens nicht gesprochen worden. Glock bestätigte, dass Hofer einmal einen Hubschrauber der Glock Aviation gebucht habe - und auch bezahlt.

Straches Bitte um Spenden

Grünen-Fraktionsführerin Nina Tomaselli kam auf einen Besuch Hofers bei Glock im Februar 2018 zu sprechen. Daraufhin habe die Anwältin Glocks dem nunmehrigen FPÖ-Obmann eine Nachricht mit Anregungen zum Stiftungsrecht geschrieben, zu der die Auskunftsperson aber nichts Näheres sagen konnte. Von ihr selbst habe es nie derartige Anregungen zu diesem Thema gegeben. Eine Mail, die ihr Tomaselli zeigte, war Glock nicht erinnerlich, wie sie sagte.

Nach rund vier Stunden endete die Befragung Glocks am späten Abend.

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