Kartellgericht entschiedet gegen Zusammenschluss von Novomatic und Casinos Austria

Der Novomatic-Firmensitz in Gumpoldskirchen
Der Novomatic-Firmensitz in Gumpoldskirchen

Die Casinos Austria werden doch kein Teil der Novomatic-Gruppe

Der Übernahmepoker um die Casinos Austria durch den Rivalen Novomatic und ein tschechisches Bieterkonsortium wird durch das Kartellgericht beendet. Die Wettbewerbsbehörden haben den Zusammenschluss unterbunden.

Nach monatelangen Verhandlungen ist der von der Novomatic-Gruppe angestrebte Zusammenschluss des niederösterreichischen Gaming-Konzerns mit den Casinos Austria AG (CASAG) am Veto der Wettbewerbsbehörde gescheitert. Bei den Verhandlungen konnte keine Einigung über die Auflagen zum Einstieg bei der CASAG erzielt werden. Das Kartellgericht untersagte den Zusammenschluss daraufhin mit der Begründung, dass der Wettbewerb eingeschränkt worden wäre.

Laut Kartellgericht hätte ein Zusammenschluss eine marktbeherrschende Stellung auf dem Casinomarkt in Wien, beziehungsweise Baden bei Wien verursacht sowie auf dem Automatenmarkt in Niederösterreich, Burgenland, Wien, Oberösterreich und Kärnten. Die Marktanteile von Casinos/Novomatic wären laut Gutachtern in den "problematischen Teilmärkten" auf 68 bis 100 Prozent gestiegen.

"Ein Großteil der geforderten Auflagen wäre für die Novomatic-Gruppe wirtschaftlich nicht vertretbar und hätte auch eine entsprechende positive Entwicklung der CASAG konterkariert", sagt Novomatic-CEO Harald Neumann. Die Wettbewerbsbehörden und insbesondere der vom Kartellgericht bestellte Gutachter hätten einen Standpunkt vertreten, der eine vertretbare Lösung nicht möglich gemacht habe.

Wettbewerbsbehörde kontert

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) widerspricht den Standpunkten der Novomatic. Sia habe im Sinne eines funktionierenden Wettbewerbs gehandelt. "Das Auflagenpaket, das wir vorgeschlagen haben, wäre auch wirtschaftlich vertretbar gewesen", erklärt sie. Die Novomatic hat sich nur wenig bewegt. Trotz der Schwere der wettbewerblichen Bedenken war sie nicht bereit, von ihren ursprünglichen Vorschlägen abzugehen.

Novomatic hingegen erklärt, in allen von den Wettbewerbsbehörden als relevant angesehenen Bereichen Auflagen angeboten zu haben. Dass darüber hinaus aber auch strukturelle Maßnahmen hinsichtlich der in Tschechien betriebenen Spielbanken verlangt worden wären, die sogar einen Verkauf von Standorten vorgesehen hätten. Auch dem widerspricht die BWB. Ihre Vorschläge hätten keinen Verkauf der Casinos in Tschechien erfordert, heißt es in der Stellungnahme.

Novomatic hält auch fest, dass es zu Einschränkungen bei den von der CASAG-Gruppe betriebenen Video Lottery Terminals (VLT`s) kommen hätte sollen. Für beide Unternehmen, Novomatic und die Casinos Austria, hätten die Auflagen signifikante wirtschaftliche Nachteile verursacht.

Beteiligung zur Übernahme

Novomatic hatte sich an den Casinos Austria knapp 40 Prozent der Anteile gesichert. Gemeinsam mit einem tschechischen Bieterkonsortium, das mehr als elf Prozent bei den Casinos Austria hält, sollte die CASAG übernommen werden. Der Casinos-Austria-Konzern setzte im vergangenen Jahr knapp 3,6 Milliarden Euro um, bei einem Gewinn von 55 Millionen Euro. Novomatic knackte 2015 erstmals die zwei-Milliarden-Umsatzgrenze und verdiente fast 221 Millionen Euro.

Obwohl der Deal jetzt vom Kartellgericht gestoppt wurde, bleiben Novomatic und das tschechische Konsortium, Eigentümer der Casinos Austria. Den Tschechen gehören 11,3 Prozent der Casinos Austria - das ist rechtskräftig, Wettbewerbsbedenken gab es hier nicht. Novomatic hat sich außerdem bereits zu 24 Prozent bei den Lotterien, der Cashcow des Casinos-Austria-Konzerns, eingekauft. Auch hier gab es kartellrechtliche keine Probleme. Die heikle Schwelle liegt bei 25 Prozent.

„Um wesentliche wirtschaftliche Nachteile vom Unternehmen abzuwenden, konnten wir die geforderten Auflagen nicht akzeptieren", erklärt Neumann den Rückzieher. Novomatic will nun künftige Investitionen in Österreich strategisch neu evaluieren und behält sich Rechtsmittel gegen den Beschluss des Kartellgerichtes vor. Das Unternehmen hat vier Wochen Zeit, Einspruch gegen die Entscheidung zu erheben.

Martha Oberndorfer, Chefin der mit 33 Prozent an den Casinos beteiligten Staatsholding ÖBIB, will daher zunächst abwarten ob Novomatic gegen den Beschluss Rechtsmittel einlegt. Erst dann könne sie sich als Vertreterin der Republik eine Meinung bilden und die Lage entsprechend kommentieren.

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