Karstadt-Chef greift durch: Sechs Filialen schließen, weitere zehn bedroht

Kein leichtes Erbe tritt Stephan Fanderl beim angeschlagenen Warenhauskonzern Karstadt an: Seit Jahren schreibt Karstadt Verluste, sechs Standorte schließen fix im kommenden Jahr, weitere zehn stehen unmittelbar auf der Kippe. Auch Einschnitte bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld stehen auf der Streichliste. Die Arbeitnehmervertreter kritisierten die Sparpläne scharf und forderten den neuen Karstadt-Eigner Rene Benko auf, ein Zukunftskonzept vorzulegen.

Karstadt-Chef greift durch: Sechs Filialen schließen, weitere zehn bedroht

Der neue Karstadt-Eigner Rene Benko setzt bei dem angeschlagenen Warenhauskonzern den Rotstift an. Der Aufsichtsrat beschloss die ersten Schließungen: vorerst sechs Standorte macht der Essener Konzern im kommenden Jahr dicht, darunter zwei der noch verbliebenen 83 klassischen Warenhäuser und zwei Schnäppchen-Filialen. Auch vom neuen modernen K-Town-Konzept, mit dem der Kaufhof-Konkurrent in bislang zwei Filialen vor allem junges Publikum ansprechen wollte, verabschiedet sich der Konzern wieder. Arbeitnehmervertretern zufolge drohen zudem weitere zehn Schließungen, einige Filialen schrieben "dunkelrote Zahlen", sagte Fanderl dem "Handelblatt".

Von den Schließungen betroffen sind die Karstadt-Warenhäuser in Hamburg Billstedt und Stuttgart, die Ende Juni 2015 ihre Pforten schließen sollen. Zu diesem Datum trifft es auch die beiden auf junge Kundschaft ausgerichteten K-Town-Filialen in Göttingen und Köln. Außerdem sollen zwei sogenannte Schnäppchencenter geschlossen werden - eines in Frankfurt (Oder) bereits Ende April und eines in Paderborn Ende Juni.

Die operative Verantwortung lastet nun auf Stephan Fanderl, der seit Oktober dem Kontrollgremium vorsaß, und der nun auf dem heißen Chefstuhl in der Essener Zentrale Platz nimmt. Der 51-Jährige genießt das Vertrauen des österreichischen Immobilien-Investors Benko, der Karstadt Mitte August übernahm. Zudem bringt der ehemalige Rewe-Vorstand Erfahrung im Einzelhandel mit. Im Karstadt-Aufsichtsrat wird ihm große Branchenkompetenz bescheinigt.

Ohne Filialschließungen wird es nicht funktionieren

Doch Fanderl steht vor keiner leichten Aufgabe. Seit Jahren schreibt Karstadt Verluste. Versuche einer Neuausrichtung brachten bislang keine Trendwende. "Die Sanierung wird uns viel abverlangen. Ohne zum Teil sehr schmerzliche Entscheidungen, wie auch Filialschließungen wird es nicht gehen, um das Überleben des Gesamtunternehmens zu sichern", erklärte der neue Karstadt-Chef. "Alle Anstrengungen müssen parallel darauf ausgerichtet bleiben, operativ besser zu werden und die Filialrentabilität zu verbessern." Auch neue Formate sollen ab kommenden Frühjahr und Sommer wieder mehr Kunden in die Warenhäuser locken.

Fanderl hat bereits Einschnitte angekündigt, um den Konzern in ruhigeres Fahrwasser zu lenken. Er setzte hinter die Überlebensfähigkeit von mehr als 20 Filialen ein großes Fragezeichen. Das Management erklärte auf der vorangegangenen Aufsichtsratsitzung die bisherige Strategie für gescheitert. Standorte, die rote Zahlen schreiben, sind benannt. Zudem brachte das Management einen Personalabbau in Höhe von 20 Prozent ins Spiel. Damit wären umgelegt auf die rund 17.000 Mitarbeiter mindestens 3400 Stellen bedroht, konkrete Zahlen wurden aber bislang nicht genannt. In Tarifverhandlungen drang das Management zudem auf weitere Einschnitte, Urlaubs- und Weihnachtsgeld stehen auf der Streichliste.

Arbeitnehmervertreter fordern Zukunftskonzept von Rene Benko

Arbeitnehmervertreter kritisieren die geplanten Einschnitte bei den Mitarbeitern scharf und forderten von Benko wiederholt ein Zukunftskonzept. Der Wegfall von 2000 Stellen und Beschlüsse zur Schließung von sechs Filialen bedeuteten einen "dunklen Tag für die Beschäftigten", sagte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt. Die Arbeitnehmervertreter wollten nun versuchen, in Verhandlungen mit dem Management die Zahl der bedrohten Stellen zu verringern. Patzelt zufolge sind in den sechs Standorten, die geschlossen werden sollen, rund 200 bis 240 Mitarbeiter beschäftigt. Es sei offen, wo genau die 2000 Stellen abgebaut werden sollten. Ein Karstadt-Sprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren. Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger kritisierte, dem Management gehe es nur um Kostensenkungen. In Zukunft drohten zudem weitere Schließungen von Warenhäusern.

Benko hat bislang kein eigenes Konzept für die Zukunft der Warenhauskette vorgelegt. Kennern zufolge müssten viele Hunderte Millionen Euro investiert werden, um Karstadt ein frisches, zukunftsfähiges Konzept zu geben. Sie bezweifeln jedoch, dass Benko das kann und will und vermuten eher, dass der Österreicher vor allem seine bisherigen Investments retten will . Seiner Immobilienfirma Signa Holding gehörten bereits die Karstadt-Sporthäuser, das Berliner KaDeWe, das Hamburger Alsterhaus, das Münchener Oberpollinger sowie zahlreiche Karstadt-Immobilien. Einem Insider zufolge würden sich die Kosten für eine Rückkehr in die Gewinnzone auf 209 Millionen Euro belaufen, eine nachhaltige Sanierung würde 263 Millionen Euro kosten.

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