Karenz: Verdienstentgang bleibt über viele Jahre eklatant

Kinder als langfristige Karriere- und Einkommensbremse. Berechnungen der Agenda Austria zufolge lässt sich der Verdienstentgang kaum mehr aufholen.

Karenz: Verdienstentgang bleibt über viele Jahre eklatant

Der Karriere- und Einkommensknick als Folge von Mutterschutz bleibt viele Jahre bestehen.

Den wenigsten Frauen sind die drastischen finanziellen Auswirkungen einer Karenzzeit bewusst. Berechnungen des Think Tanks Agenda Austria zufolge beziehen Frauen, die eine Karenz in Anspruch genommen haben, auch zehn Jahre danach im Schnitt pro Monat um 1.134 Euro weniger Gehalt als jene Frauen, die nie in Karenz waren.

In Zahlen ausgedrückt kommen Frauen, die nie Mutterschutz beansprucht haben auf ein durchschnittliches Bruttomonatseinkommen von 3.461 Euro. Diejenigen, die in Karenz waren, hingegen nur durchschnittlich 2.277 Euro, also 30 Prozent weniger. Die durchschnittlichen Bruttobezüge von Männern liegen hingegen bei 3.561 Euro.

Der "Gender Pay Gap" ist somit eigentlich ein "Motherhood Pay Gap", wie die Agenda Austria bemerkt, denn Kinderbetreuung - und damit auch die Karenz sind in Österreich immer noch fast ausschließlich Frauensache.

Kinder machen den Unterschied

Eine Karenzzeit führt, so die Agenda Austria weiter, unabhängig vom Geschlecht zu langfristigen Lohneinbußen. Es komme „mehr auf die Elternschaft als auf das Geschlecht“ an, so Monika Köppl-Turyna, Ökonomin der Agenda Austria. Denn lange Karriereunterbrechungen und viele Jahre in Teilzeit sind zum größten Teil für die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen verantwortlich, so das Resümee der Agenda Austria-Studie „Kinder machen den Unterschied“.

Kinderlose Frauen verdienen deutlich mehr.

Vorstandspositionen verstellt

Mutterschaften und ihr folgende Karenzzeiten sind auch mit ein Grund dafür, dass Frauen in Österreich immer noch besonders selten in Vorstandsetagen aufsteigen. Die Karrierepause schlägt sich nicht nur in der Bezahlung, sondern auch in schwindenden Aufstiegschancen wieder.

Zudem verdienen Frauen selbst dann, wenn sie in Führungspositionen kommen, erheblich weniger als Männer. Das zeigt die große Diversity- und Equality-Studie "Boarding Call - Wie Unternehmen mit Vielfalt den Sprung nach oben schaffen" der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG), die der trend in der aktuellen Ausgabe vom 28. Februar 2020 exklusiv analysiert hat. Der BCG-Studie zufolge sind in den 50 größten börsenotierten Unternehmen des Landes aktuell nur elf von 168 Vorstandspositionen von Frauen besetzt. Und selbst die Frauen, die es bis in die oberste Ebene der Unternehmensführung geschafft haben, verdienen im Schnitt noch um 22 Prozent weniger als die Männer in vergleichbaren Positionen.

Trend exklusiv: Die BCG-Studie zu Gender Equality in Österreich zeigt: Frauen sind in Führungspositionen nach wie vor kaum zu finden und kriegen, wenn sie es bis nach ganz oben geschafft haben, im Schnitt auch noch deutlich weniger bezahlt als Männer.


Fallen: Karenzzeit, früher Pensionsantritt, Teilzeit

Karenzzeiten, die oft nachfolgende Teilzeit und der bisher immer noch um fünf Jahre frühere Pensionsantritt von Frauen, wirken sich erheblich auf die Lebensarbeitszeit, die Bemessungsgrundlage und damit auf Höhe der Pension von Frauen aus.

Während Männer im Jahr 2017 beim Pensionsantritt durchschnittlich 34,5 Beitragsjahre vorweisen konnten, waren es bei Frauen nur 29,4 Jahre. Dabei waren bei den Pensionsversicherungsjahre neben den echten Beitragsjahren auch die angerechneten Ersatzzeitenjahre mitgezählt. Als solche gelten etwa Kindererziehungszeiten, Zeiten der Reha, Arbeitslosigkeit, Ausbildungsjahre oder beispielsweise Krankengeld. Im Schnitt kommen Österreicher bei Pensionsantritt auf Ersatzzeiten von 4,6 Jahren.

Weniger Beitragsjahre ziehen massive Abschläge bei den Pensionszahlungen nach sich, was für Frauen oft eine Armutsfalle darstellt. Die schrittweise Anhebung des Pensionsantrittsalters für Frauen auf 65 Jahre (für alle die ab dem Juni 1968 geboren sind) ist ein Beitrag, um die Armutsfalle auszubremsen.

Allerdings wird gleichzeitig auch der Durchrechnungszeitraum für die Berechnung der Pensionshöhe sukzessive auf das gesamte Arbeitsleben ausgedehnt. 2020 liegt der Durchrechnungszeitraum noch bei 32 Jahren, 2028 wird dann schon der Durchschnitt von 40 Berufsjahren für die Berechnung herangezogen. Teilzeitjobs sind dabei die nächste Falle, die Frauen und Männer in ihrer Berufslaufbahn nach Möglichkeit vermeiden sollten.

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