Der Kampf um Mobilfunk 5G startet in Niederösterreich

Der Kampf um Mobilfunk 5G startet in Niederösterreich

Es werden mehr werden: 5G braucht mehr Sendeanlagen.

Die Mobilfunker ziehen eine durchwachsene Bilanz: Die Umsätze und der Gewinn gehen zurück, das Datenvolumen in den Netzen steigt massiv an. Nach drei fetten Jahren im Triopol hat Branche mit Rückgängen zu kämpfen. Die neue Mobilfunkgeneration 5G bringt neue und alte Hürden. Ex- und Alt-Landeshauptmann Erwin Prölls "Mobilfunkpakt" aus dem Jahr 2005, der zunächst die Netzbetreiber besteuern wollte, könnte wieder aufleben. Die Netzbetreiber wollen nämlich eher mehr als weniger Standorte nutzen als noch vor zwölf Jahren. Und das Netz verdichten.

Jubelstimmung schaut anders aus: Die Mobilfunkbranche hat gleich mehrere Problemfelder zu bestellen. Und die Branche zeigt schon wieder auf in Richtung Politik, nachdem sie in den Jahren 2014 und 2015 satte Gewinnzuwächse eingefahren haben. Doch 2016 war wieder alles anders - fast wie gewohnt. Die Umsätze sinken, die Erträge detto, die Vergabe der Funkfrequenzen für die jüngste Mobilfunkgeneration 5G wirft dunkle Schatten voraus, gleichzeitig steigt das Datenvolumen im Netz einmal mehr weit über 100 Prozent. Trittbrettfahrer à la Facebook, Google, WhatsApp & Co sowie Fernseh- und Videoschauen am Smartphone treibt das Datenvolumen mehr in die Höhe als SMS, E-Mail oder Telefonie. Wenngleich Letzteres wieder zunimmt. Alleine gegenüber dem Vorjahr hat sich das Datenvolumen mehr als verdoppelt auf 652,9 Millionen Gigabyte (plus 105 Prozent) - ein nicht zu unterschätzender technischer Challenge.

Und den Deckel oben drauf für die mäßige Stimmung macht die jetzige Sprengung der Regierungskoalition. Stehen doch wichtige Entscheidungen zur Vergabe der neuen Mobilfunkfrequenzen bevor. Und auch bei den Verhandlungen über den Mobilfunkpakt in Niederösterreich müssen heuer noch unter Dach und Fach gebracht werden, sollte es mit 5G im Jahr 2018 etwas werden

Summa summarum: Es geht wieder einmal nur ums Bare, das Ausloten von Rahmenbedingungen, Frequenzvergabe und Wehklagen. Letzteres dürfte angesichts der unsicheren politischen Lage nicht ganz unbegründet sein, auch wenn die Netzbetreibern von 2014 bis 2015 drei so richtig fette Jahren anschreiben konnten. Die Betreiber wollen nämlich 2018 unbedingt benötigte Frequenzen erwerben, um die neue Mobilfunkgeneration bis spätestens 2020 in Ballungszentren starten zu können.

Im Jahr 2014 konnten die Mobilfunker den Gewinn (Ebitda) erstmals wieder steigern - um 8,1 Prozent auf 1,21 Mrd. Euro bei rückläufigem Umsatz von 6,2 Prozent auf rund 3,97 Mrd. Euro. Im Jahr 2015 betrug die Gewinnsteigerung sogar satte 70,2 Prozent. Der Umsatz ist um 3,0 Prozent auf 4,09 Mrd. Euro gestiegen. Im Vorjahr kam dann wieder ein satter Gewinnrückgang von 26,7 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro. Der Umsatz ist ebenso um 2,01 Prozent auf vier Mrd. Euro gelandet.

Die Rückkehr der Preiserosion

Doch der Reihe nach: Die Preismechanismus im Mobilfunk ist freilich aus Kundensicht wieder intakt. Aus Sicht der Netzbetreiber scheinen die zwischenzeitlichen "Golden Times" wieder verpuffen. Einfacher Grund: Das Stichwort heißt Wettbewerb. Die Auflagen der EU beim Übernahme-Deal von Orange durch Drei hatten ja das Ziel den Wettbewerb am Leben verfehlt. Die drei verbliebenen Anbieter konnten sich über das Triopol freuen. So konnten die drei Netzbetreiber quasi ihre Monopolrente von 2013 bis 2015 abschöpfen.

Nach der Schrumpfung auf Anbieterseite - von vier Anbietern auf drei, Hutchison Drei Austria hatte im Jahr 2012 Orange Austria übernommen - haben die drei verbliebenen Mobilfunkanbieter A1 (Telekom Austria), T-Mobile Austria und Hutchison Drei Austria (Drei) sich den Kuchen aufgestellt. Es wurde angesichts von einer Marktdurchdringungsrate bei SIM-Karten von über 160 Prozent von einem Verdrängungswettbewerb gesprochen. Ein Zustand, der sich seit über zehn Jahren bis heute kaum verändert hat. Nur: Über gut drei Jahre - nachdem Drei - hatten sich die Marktanteile des Triopols kaum verändert - bestenfalls wurde ein Prozent von einem zum anderen Netzbetreiber verschoben. Eine Marktsituation, die auch von der Bundeswettbewerbsbehörde kritisiert wurde.

Erst im Jahr 2015, mit dem Einstieg des Österreich-Ablegers des deutschen Lebensmittelriesen Aldi, Hofer mit HoT, wurde die Wettbewerbsspirale von unten wieder angedreht. Weit über ein Dutzend Kleinstanbieter, die zur Miete die Netze der drei Großen nutzen, haben das große Geschäft mit kleinen Margen seither entdeckt. Zur Freude der Kunden, die wieder preissensitiv sich die Angebote der Newcomer nicht nur anschauen, sondern auch wechseln. Die Welle von über einem Dutzend Neugründungen sogenannte Mobile Virtuelle Netzbetreiber (MVNO) hatte dem Markt neue Impulse gegeben. Allerdings: Außer Hofer (rund 750.000 Kunden) und Spusu (200.00 Kunden) kommen die Newcomer kaum von der Stelle. Sie bringen es insgesamt auf 5 Prozent Marktanteil. A1-Telekom Austria ist Marktführer mit rund 39 Prozent, T-Mobile Zweiter mit 28,6 Prozent, Drei weiterhin Dritter mit 27,3 Prozent Marktanteil.

Die Rückkehr der Rute

Trotz Gewinn stellen die Mobilfunker die Rute ins Fenster und fordern geldwerte Erleichterungen. "Wir Betreiber gehören alle eine internationalen Mutter, die Geld nach Österreich schicken müssen", sagt Rüdiger Köster, Präsident des Forum Mobilkommunikation (FMK), im Hauptberuf Technikvorstand CTO bei T-Mobile Austria.

Drei nicht so unbekannten Forderungen hat das FMK einmal mehr neu aufgelegt. So soll der Infrastrukturausbau vereinfacht werden, öffentlicher Grund und in Länder- und Staatsbesitz befindliche Gebäude sollen kostenfrei den Netzbetreibern überlassen werden, um dort Masten und Funkantennen zu errichten. Und vor allem soll die Frequenzvergabe für 5G zu "marktverträglichen Konditionen erfolgen.

Die ökonomische Begründung wurde gleich mitgeliefert: 5G sei ganz im Sinne von Österreich, für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft. Das Wirtschaftswachstum könnte damit sogra kräftig angekurbelt werden. Optimistische Annahmen - verpackt in Studien - gehen von einem Plus von sogar 1 Prozent BIP-Wachstum aus.

Die neue Verdichtung

Die neueste Mobilfunkgeneration 5G wirft bereits ihren Schatten voraus. Es handelt sich dabei um eine ganz neue Generation von Mobilfunk, ähnlich wie im Jahr 2000 mit UMTS, sagt FMK-Präsident Köster. Der Vorteil von 5G bringt sogleich auch einen entscheidenden Nachteil. Mit 5G kann die Digitalisierung vorangetrieben werden, was unter dem Terminus IoT wie Internet of Things abgekürzt wird. 5G-Netze können wesentlich mehr und schneller Daten transferieren, was etwa mit der aktuellen 4G/LTE-Generation so nicht möglich ist. Wenn die Autos, Busse oder LKW ohne Lenker gesteuert werden, müssen aber die Funkanlagen in engeren Abständen und in größerer Zahl installiert werden. "Wenn autonomes Fahren sich durchsetzt, dann brauchen sie wesentliche mehr WLAN-Router und Funkstationen", sagt Köster.

Zu einem Mastenwald wird es jedoch auch mit 5G nicht kommen. Die ungleich in größerer Zahl zu errichtenden Sendestationen sind laut Köster mittlerweile in der Größe geschrumpft und leistungsfähiger als noch vor zehn Jahren. Fraglich sind nur die Standorte - etwas Laternen, Straßenschilder und Ampeln, Kirchtürme, Leitplanken, Feuerwehr- und Rathäuser, Schulen oder Bushaltestellen - wo diese Funkzellen angebracht werden dürfen. Und zu welchem Preis.

Spannend werden indes die Verhandlungen mit dem Bundesland Niederösterreich. Zur Erinnerung: Ex- und Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll hatte im Sommer 2005 in einem beispiellosen Aktionismus eine Handymasten-Steuer im Bundesland Niederösterreich per Gesetz beschlossen, die über Radlbrunn und St. Pölten sogar in ganz Europa nicht nur Kopfschütteln geerntet hatte. Im Dezember 2015 war der politische "Handymastenstreit" auf einmal zu Ende noch bevor das Gesetz hätte in Kraft treten sollen. Pröll schloss Frieden mit einem "Mobilfunkpakt", der auch mit geltendem Bundesrecht kompatibel war. Die Netzbetreiber nickten brav. Und atmeten durch. Bei einer Affenhitze von 36 Grad trafen sich Pröll und die Netzbetreiber im Sommer 2006, um inmitten eines Waldes einen von mehreren nicht mehr notwendigen Mobilfunkmasten quasi waldmännisch zu erlegen.

Die Zeit und ihr Ablaufdatum

Zwölf Jahre später heißt es nun aber, den Mobilfunk-Pakt neu auszuhandeln. "Der Mobilfunk-Pakt ist in vielen Punkten nicht mehr aktuell", bestätigt Margit Kropik, Geschäftsführerin des FMK. Noch haben die Verhandlungen nicht begonnen, ich bin aber zuversichtlich, dass wir eine Einigung erzielen. Der von Pröll befürchtete "Mastenwald" sei ja nicht eingetreten. Und außerdem können Mobilfunker in der Zwischenzeit mehr Site-Sharing machen, als es ihnen seinerzeit erlaubt gewesen war. Und Erwin Pröll ist in der Pension. Und auch andere Amtsträger sind abgetreten oder Minister und Bürgermeister geworden. Oder auch in der Pesnion

Nachsatz: "Die politischen Akteure sind auch andere", meinte Kropik. Was vor allem auch für das Burgenland und Kärnten gilt, die das damalige politische Momentum analog zu Prölls Vorstoß ausgenutzt haben. "Es war auch eine Frage der politischen Couleur", so Kropik. In Kärnten sind ja bekanntlich die politischen Akteure von damals abgewählt.

Auch wenn sich die Zahl der Funkanlagen mit 5G "vervierfachen oder sogar bis 2025 sogar verzehnfachen", wie FMK-Präsident Köster meint, rechnen die Mobilfunker nicht mit einem Widerstand aus der Politik und der Bevölkerung. Wenngleich es noch immer Interessensgruppen und Initiativen gibt, wie Wiener Ärztekammer, die sich gegen WLAN in der Schule oder andere Initiativen etwa in Salzburg, die sich grundsätzlich gegen den Ausbau von Mobilfunk stemmen.

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