Kahlschlag in der Audi-Führung: Halber Vorstand muss gehen

Kahlschlag in der Audi-Führung: Halber Vorstand muss gehen

Kehraus bei Audi. Nach dem Dieselskandal und dme jüngsten Auto-Kartell greift der Audi-Aufsichtsrat durch. Im Audi-Vorstands rollen die Köpfe.

Der Aufsichtsrat will vier von sieben Audi-Top-Manager ablösen. Den angezählten Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler wird es vorläufig nicht treffen. Er sei "alternativlos" und bleibt im Amt. Vorläufig. Porsche ruft indes 21.500 Cayenne Diesel wegen Schummelsoftware zurück.

Ingolstadt. Vor gut zwei Wochen hatte Audi noch mit großer Show seinen neuen A8 in Barcelona präsentiert. Der Glanz ist nun dahin. Denn im Vorstand wird nun aufgeräumt. Bei der Aufarbeitung des Dieselskandals setzt die Volkswagen-Tochter Audi Insidern zufolge zum Kahlschlag im Vorstand an, verschont dabei aber den intern kritisierten Vorstandschef Rupert Stadler. Vier von sieben Top-Managern müssten bald ihre Posten räumen, sagten mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen am Freitag zu Reuters.

Finanzvorstand Axel Strotbek, Produktionschef Hubert Waltl, Personalvorstand Thomas Sigi und Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter stünden vor der Ablösung. Audi und Konzernmutter VW lehnten Stellungnahmen ab.

"Es muss einen Befreiungsschlag geben. So kann es nicht weitergehen", sagte ein Insider. Nachfolger stehen den Kreisen zufolge noch nicht fest. Erwartet wird, dass darüber in Kürze entschieden wird, um endlich Ruhe in den gebeutelten Konzern zu bringen. Über Stadlers baldiges Aus wird seit fast zwei Jahren regelmäßig spekuliert. Ihm wird intern vorgeworfen, dass er bei der Aufarbeitung der Dieselaffäre keine gute Figur abgibt. Immer wieder kamen neue Details ans Licht - oft auch zur Überraschung des Aufsichtsrates. Zuletzt wurde berichtet, dass die VW-Tochter Audi, die eine zentrale Rolle in der Dieselaffäre spielt, schon 2013 die Entdeckung der Schummelsoftware gefürchtet habe.

Wie die Insider weiter sagten, wurden die geplanten Personalwechsel bei der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Mittwoch nicht offiziell besprochen. Einen formalen Beschluss gebe es nicht. Ziel war offenbar, die Entscheidungen hinter den Kulissen vorzubereiten und dann schnell über die Bühne zu bringen, um die Unruhe über die große Rochade möglichst in Grenzen zu halten. Das "Manager Magazin", das zuvor berichtet hatte, dass sich im Vorstand die Reihen um Rupert Stadler bald lichten werden, schrieb, Matthias Müller, Chef der Audi-Mutter Volkswagen und Aufsichtsratschef in Ingolstadt, habe die vier betroffenen Spitzenmanager im Umfeld der Aufsichtsratssitzung über ihre bevorstehende Ablösung informiert. Vertriebschef Voggenreiter, dem der Streit mit den chinesischen Händlern und der damit verbundene Absatzrückgang im größten Pkw-Markt der Welt angelastet werden, werde ebenso eine andere Position im VW-Konzern angeboten wie Finanzvorstand Strotbek.

Insidern zufolge wird Audi-Chef Stadler bei dieser Rochade nicht abgelöst - unter anderem, weil es derzeit keine Alternative gebe. Zudem halte die Eigentümerfamilie Porsche/Piech nach wie vor an ihm fest. "Man wird jetzt erstmal mit Stadler weitermachen und die Vorstände darunter austauschen", sagte ein Insider. Produktionschef Waltl hatte der Betriebsrat kürzlich öffentlich das Fehlen einer Produktionsstrategie für Elektroautos vorgeworfen und Zusagen für die Standorte Ingolstadt und Neckarsulm eingefordert. An Stadler übte die Arbeitnehmerseite zuletzt nur verhaltene Kritik. Einziges Audi-Vorstandsmitglied, das bisher nicht öffentlich im Feuer stand, ist der neue Entwicklungschef Peter Mertens: Der Manager ist erst seit Mai im Amt und arbeitete zuvor bei Volvo.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück griff den Audi-Vorstand kürzlich frontal an und forderte Freistellungen, weil der Sportwagenbauer durch "Tricksereien" der Konzernschwester in Gefahr geraten könne. Am Donnerstag verhängte das Bundesverkehrsministerium ein Zulassungsverbot für bestimmte Porsche-Geländewagen vom Typ Cayenne. Die Sechszylinder-Dieselmotoren mit drei Litern Hubraum stammen von Audi.

Anfang Juli wurde in der Abgasaffäre erstmals ein ehemaliger Manager festgenommen; der Mann arbeitete bei Audi in der Motorenentwicklung. Stadlers Hoffnung, dass er mit dem neuen, automatisiert fahrenden Flaggschiff A8 Vorwürfe und Anfeindungen hinter sich lassen könnte, verfing zunächst nicht.

Bis in der Dieselkrise alle Details ans Licht gekommen sind, soll der Audi-Chef im Amt bleiben, sagen mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen. Wenn ein neuer Vorstandschef geholt werde, müsse man sicher sein können, dass er unbelastet von der Vergangenheit in Ingolstadt starten könne. "Stadler muss das ausbaden", sagte ein Insider. Ein anderer: "Da ist es eh egal."

Porsche ruft Diesel-Cayenne in die Werkstatt

Die Audi-Schwester Porsche ist ebenso mit den Aufräumarbeiten infolge des Dieselskandals beschäftigt. Auch bei den Modellen Cayenne Diesel wurde Schummelsoftware eingesetzt. Nach dem Auffliegen der illegalen Software zur Senkung der Abgaswerte hat der Porsche eine Rückrufmeldung für seine Cayenne-Modelle herausgegeben. In Abstimmung mit dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) würden europaweit rund 21.500 Diesel-Fahrzeuge der Baujahre 2014 bis 2017 zurückgerufen, teilte Porsche am Freitag mit.

In Deutschland sind rund 6.000 Autos betroffen. Es geht um den Typ Cayenne Drei-Liter der Emissionsklasse EU6.

Am Donnerstag hatte der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) einen "amtlichen verpflichtenden Rückruf" von Cayenne-Modellen angekündigt. Zudem werde für noch nicht verkaufte Wagen ein Zulassungsverbot erlassen, sagte er. Porsche erklärte nun, dass mit dem KBA eine Korrektur durch ein Software-Update im Rahmen eines Rückrufes vereinbart worden sei.

Der Rückruf soll demnach voraussichtlich im Herbst 2017 starten und baldmöglichst abgeschlossen werden. Die Besitzer der Diesel-Fahrzeuge würden kontaktiert, der Werkstattbesuch sei für sie kostenlos und dauere eine Stunde.

Der Porsche-Mutterkonzern VW hatte im September 2015 zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeuge unterschiedlicher Marken eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm reduziert den Ausstoß von schädlichen Stickoxiden bei standardisierten Tests.

Pro Diesel-Fahrverbot in Stuttgart

Ausgerechnet am Sitz von Daimler und Porsche stellt sich eine neue Front gegen die Autohersteller auf. Und zwar mit Fahrverboten für Autos mit Dieselantrieben. In Stuttgart muss die Luftverschmutzung notfalls auch mit Diesel-Fahrverboten eingedämmt werden. Der Nachrüstplan reiche nicht aus, gab das Verwaltungsgericht am Freitag einer Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) statt.

Die Richter verurteilten das Land zur Überarbeitung des neuen Luftreinhalteplans für Stuttgart, weil dieser die Luft nicht schnellstmöglich verbessere. Dazu sei das Land aber verpflichtet. Gesundheitsschutz sei höher zu bewerten als Interessen der Diesel-Fahrer, argumentierte das Verwaltungsgericht. Das Land dürfe sich bei der Luftreinhaltung nicht darauf verlassen, dass die Autoindustrie handelt, hieß es. Fahrverbote seien das wirksamste Mittel, um die seit Jahren hohe Belastung mit giftigem Stickstoffdioxid zu reduzieren.

Ob und wann es tatsächlich zu Fahrverboten für viele Dieselmodelle kommt und wie diese aussehen könnten, ist aber offen. Es ist damit zu rechnen, dass der Streit beim Bundesverwaltungsgericht weitergeht.

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