Jungunternehmer: Ein Tag pro Woche ist reine Bürokratie

Jungunternehmer: Ein Tag pro Woche ist reine Bürokratie

Österreichs Jungunternehmer klagen über bürokratische Hürden - rund einen Tag pro Woche sind sie mit Formularen und ähnlich unerfreulichem Aufwand beschäftigt, wodurch Innovation und Investitionen zu kurz kommen, heißt es von den Vertretern. Eine Reduktion der Verwaltungstätigkeit soll Potenzial für neue Arbeitsplätze schaffen.

Rund 8500 Unternehmen wurden allein in Wien im vergangenen Jahr gegründet - die Unternehmer stellen sich damit nicht nur selbst auf eigene Beine, sondern schaffen durchschnittlich bereits im ersten Betriebsjahr 2,4 Arbeitsplätze pro neugegründetem Unternehmen. Viele Gründer schätzen vor allem die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen umsetzen zu können und sich nicht mehr mit der internen Bürokratie eines Konzerns herumschlagen zu müssen - doch gerade hier wartet auf viele Jungunternehmer das böse Erwachen, wie eine Umfrage des market-Institurts unter 1100 österreichischen Jungunternehmern zeigt: Über die Hälfte der Befragten (54 Prozent) stufen Österreich als sehr bürokratisch ein, während nur ein Prozent findet, dass dies nicht der Fall sei. Im Durchschnitt führen die Befragten an, dass sie pro Woche 8,35 Stunden mit Bürokratie verbringen - also ein ganzer Arbeitstag.

Als besonders schlimm werden die Bereiche Evaluierung/Überprüfung – etwa durch den TÜV, das Arbeitsinspektorat oder die AGES – wahrgenommen. Dort geben 84 Prozent an, „auf jeden Fall" oder „eher schon" bürokratische Hürden zu erleben. Weiters finden sich die Lohnverrechnung, die Genehmigung zur Erweiterung von Produktions- und Arbeitsstätten (Betriebsanlagen, etc.) sowie die Einstellung von Mitarbeitern unter den am häufigsten genannten Bereichen, in denen Jungunternehmer mit übermäßiger Bürokratie konfrontiert sind. Martin Puaschitz, Landesvorsitzender der Jungen Wirtschaft Wien, führt ein Beispiel in Sachen Arbeitsplatz an: "Ich konnte in meinem Betrieb keinen sechsten Arbeitnehmer einstellen, da in einem Zimmer 16 Zentimeter zu wenig Raum für einen weiteren Arbeitnehmer war", beklagt er.

Mehr Bürokratie - weniger Arbeitsplätze

Laut Herbert Rohrmair-Lewis, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft, schadet die Bürokratie der unternehmerischen Tätigkeit: „Über drei Viertel der Befragten hält es oft oder manchmal von ihrer Haupttätigkeit ab", zitiert er die Studie: "Es werden umfangreiche Ressourcen gebunden, welche die Jungunternehmer woanders besser investieren könnten". Für rund 80 Prozent der Befragten resultiert das hohe Ausmaß an Bürokratie in weniger Innovation, über drei Viertel sehen dadurch einen geringeren Spielraum bei Investitionen. Für den Arbeitsmarkt würde die Vertreter positive Effekte eines Bürokratie-Abbaus sehen: Laut einer Studie des international central european institute könnten bei einer Reduzierung der Bürokratie um ein Viertel 11.300 neue Jobs in Wien geschaffen werden, heißt es.

Laut Rohrmair-Lewis könnte das Ausmaß der Bürokratie eingedämmt werden, indem ein "One Stop-Agency-Gründerservice" eingerichtet wird, bei dem die 90 Gründerservice-Stellen der WKÖ die Kompetenz zur Übermittlung von Firmenbuch-Anträgen bekommen. Zudem fordert er die Abschaffung der Pflichtveröffentlichung in der Wiener Zeitung. Puaschitz fordert zudem eine Vereinfachung in Sachen Lohnnebenkosten: „Es muss die umständliche und komplizierte Lohnverrechnung vereinfacht werden. Diese kostet heimische Unternehmen jedes Jahr 400 Millionen Euro", sagt er.

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