80.000 Jobs hängen am Handel mit den USA

WIFO-Leiter Christoph Badelt

WIFO-Leiter Christoph Badelt

Zittern vor Donald Trump: Einschränkungen im freien Handel mit den USA könnten für Österreich schwerwiegende Folgen haben. Laut WIFO hängen in Österreich 80.000 Arbeitsplätze direkt am Handel mit den USA.

Abschottungspolitik und Einschränkungen im Freien Handel sind schlecht für die Wirtschaft und auch schlecht für die Arbeitsplätze in Österreich. Wer sich nach der Wahl Donald Trumps zum nächsten Präsidenten der USA über das Implodieren des Freihandelsabkommens TTIP jubiliert, der sollte bedenken, dass auch in Österreich zigtausend Arbeitsplätze direkt mit den gut funktionierenden Handelsbeziehungen mit den USA verknüpft sind. Einschränkungen, Zölle oder andere Auflagen könnten schwerwiegende Auswirkungen haben.

Wie wichtig die USA als Handelspartner für Österreich sind, zeigt sich an der Zahl der Jobs, die mit den Exporten verbunden sind: Rund 80.000 Arbeitsplätze in Österreich hängen direkt oder indirekt an den guten Beziehungen zu den USA. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO). "Wenn der designierte US-Präsident Donald Trump mit seinen Bestrebungen, das Land stärker abzuschotten, ernst macht, könnten diese Jobs in Gefahr geraten", warnt WIFO-Leiter Christoph Badelt.

Österreich wies im Jahr 2015 eine Exportquote von 53,1 Prozent des BIP auf, für Exporte außerhalb des Euro-Raums liegt sie bei immerhin noch 23 Prozent des BIP. Die USA sind der zweitwichtigste Handelspartner Österreichs: Die Exportsumme in die Vereinigten Staaten betrug zuletzt 9,1 Milliarden Euro. Daran sind in Österreich eine Bruttowertschöpfung von 4,5 Milliarden Euro und rund 60.000 Arbeitsplätze geknüpft. Durch Exporte, die via Deutschland und andere EU-Länder aus Österreich in die USA gehen, sind es insgesamt 80.000 heimische Arbeitsplätze.

Folgenschwere Abschottung

Sollten die USA den Außenhandel einschränken, dürfte das negative Folgen für Österreich haben: "Das heimische Wachstum war immer wieder stark vom Export getragen", sagt Badelt. "Anders als in den USA, in denen das Wachstum vom privaten Konsum getragen ist." Die US-Exportquote beträgt lediglich 13 Prozent des BIP. "Wenn die USA als guter Handelspartner wegfallen", sagt Badelt, "wird es vor allem für österreichische Klein- und Mittelbetriebe schwierig, die Handelsströme auf andere, neue Zielmärkte umzuleiten."

Den wachsenden Protektionismus sieht Badelt kritisch. "Die Globalisierung, verstanden als internationale Handelsströme, hat für alle Beteiligten wirtschaftliche Vorteile." Dennoch müsse man sich der Frage stellen, warum sich so viele Menschen als Verlierer der Globalisierung fühlen: "Wenn die externen Kosten der Globalisierung, etwa die negativen Auswirkungen des Transports auf die Umwelt, nicht einkalkuliert werden, dann ist das ein Problem. Das gleiche gilt für inakzeptable Sozialstandards etwa in einigen asiatischen Ländern. Gegen eine Globalisierung, die auf derartigen Rechenfehlern basiert, muss man ankämpfen."

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