Schuldenkaiser Japan hat gewählt - Aktien ein Kauf

Die Japaner haben gewählt und Shinzo Abo im Amt bestätigt.

Die Japaner haben gewählt und Shinzo Abe im Amt bestätigt.

Japan hat gewählt. Der bisherige Ministerpräsident Shinzo Abe, der eine extrem lockere Geldpolitik forciert, hat klar gewonnen. Die Reaktionen der Börsen und des Yen und welchen politischen Kurs der konservative Politiker forcieren will.

Macht ausgebaut

Premierminister Shinzo Abe hat bei den japanischen Oberhauswahlen die Opposition deutlich abgehängt und seine Macht ausgebaut. Da Abes Regierungslager bereits im Abgeordnetenhaus und nun voraussichtlich auch im Oberhaus über eine Zweidrittel-Mehrheit verfügt, hat der Ministerpräsident mit seinen Verbündeten eine besonders große Machtfülle. Die oppositionelle Demokratische Partei DPJ erhält nur noch 49 Sitze nach zuvor 60. Insgesamt waren 107 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, über 121 der 242 Sitze im Oberhaus abzustimmen.

Fortführung schuldenfinanzierter Politik

Abe präsentierte sich im Wahlkampf als Sanierer, der seit langen am Boden liegenden Wirtschaft. Der Nippon-Premier versucht bereits seit seiner ersten Wahl 2012 mit aller geldpolitischen Macht das Land aus der Jahrzehnte dauernden Deflation zu führen und setzt dabei auf eine extrem lockere Geldpolitik. Bislang zeigt die sogenannte "Abenomics" jedoch noch kaum Erfolg. Diese beruht auf den drei Säulen erhöhte Staatsausgaben, expansive Geldpolitik und damit verbundener Währungsabwertung und Strukturreformen. Nun will Abe die schuldenfinanzierte Konjunkturpolitik fortführen Er sieht sich durch das Votum in seiner Wirtschaftspolitik bestärkt und er sich auf weitere Maßnahmen gegen die Konjunkturflaute konzentrieren will. "Die Wahl war vor allem als Votum über den wirtschaftspolitischen Kurs der Regierung verstanden worden", sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Um einen Anstieg der Anleihe-Renditen und eine Haushaltskrise zu verhindern, sei die Bank von Japan laut Leuchtmann daher gezwungen, ihre Wertpapierkäufe fortzusetzen. Das Wahlergebnis zeigt, dass die Japaner in der Opposition keine echte Alternative zur Regierung Abe sehen.

Japan größter Schuldnern weltweit

Japans Wirtschaft gehört auch dringend saniert, ist das Land doch der weltweit größte Schuldner. Im Verhältnis zu den Staatseinnahmen gerechnet, belaufen sich die Schulden schon jetzt auf das Siebenfache. In den USA ist es "nur" das dreifache. Die Verschuldung betrug 2014 insgesamt zehn Billionen Dollar. Das sind 199 Prozent des BIP. Im Jahr 2020 soll die Verschuldung laut Fitch Rating bereits 300 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen. Schafft es Japan nicht bald einen ausgeglichenen Staatshaushalt vorzulegen, wird das Defizit in den nächsten Jahrzehnten noch astronomischere Höhen als bisher erreichen. Allerdings hofft die Regierung, dass das Bruttoinlandsprodukt in wenigen Jahren wieder um drei Prozent im Jahr wachsen wird. Jetzt ist es gerade erst wieder über null. Bei einer stark alternden Bevölkerung erscheint dies unwahrscheinlich. Japan kämpft seit dem Platzen der Immobilien- und Finanzblase im Jahr 1990 mit massiven wirtschaftlichen Problemen und hat sich seither von diesem Tiefschlag nicht erholt. Die Industrieproduktion liegt noch auf dem selben Niveau wie damals. Und nennenswerte Reformen blieben bisher aus.

Investoren optimistisch

Die Tokioter Börse verbuchte am Montag, nach dem Sieg der Regierungskoalition, deutliche Gewinne. Der Tokioter Leitindex Nikkei mit seinen 225 führenden Werten schloss vier Prozent höher bei 15.708 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans legte 1,8 Prozent zu.
Gestützt wurden die asiatischen Aktienmärkte auch von positiven Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt aus der vergangenen Woche, die die Sorgen der Anleger um die Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft linderten. Dass Abes Lager bei den Wahlen eine Zweidrittel-Mehrheit erringen konnte, stimme die Investoren optimistisch, sagte Hikaru Sato, Analyst beim Finanzhaus Daiwa Securities. Angesichts dieser Machtfülle gingen die Anleger davon aus, dass er seine Konjunkturpolitik auch durchsetzen könne. Zuletzt zeigte sich die schwache Investitionsneigung in Japan an einem überraschenden Rückgang der Maschinenbau-Aufträge.

Einstieg attraktiv

Pictet Asset Management hat Japan aufgrund der günstigen Bewertung in seinen Portfolios übergewichtet. Japanische Aktien zählten im Juni weltweit auch zu der Asset Klasse mit den höchsten Zuflüssen, nach Assets wie Gold, Dividenden-Aktien und Emerging-Market-Aktien. Doch Japan-Aktien sollten im Depot höchstens eine kleine Beimischung sein. Zu unsicher ist der Erfolg von Abe, wenn eine expansive Geldpolitik häufig zu steigenden Börsenkursen führt. Aber nicht immer, wie gerade die Börse Tokio zeigte. In den vergangenen zwölf Monate gab das Kursbarometer um 23,5 Prozent nach. In den vergangenen drei Jahren gab es zumindest ein Plus von 7,1 Prozent.

Niedriges Wirtschaftswachstum

Die japanische Wirtschaft kommt jedoch nur langsam vom Fleck. Doch es gibt Fortschritte. 2014 schrumpfte die Wirtschaft noch, 2015 lag das Wachstum bei 0,6 Prozent, 2016 und 2017 soll laut Schätzungen der DZ Bank ebenfalls nicht mehr drinnen sein. Und die Verbraucherpreise sinken. Kein Zeichen für eine nachhaltig wachsende Wirtschaft.

Yen gibt nach

Spekulationen auf weitere Geldspritzen der japanischen Notenbank haben die Währung des Landes am Montag jedoch unter Druck gesetzt. Der Dollar stieg um ein Prozent auf 101,52 Yen.

Verfassung von den USA 1946 aufgezwungen

Die größere Machtfülle erlaubt es Abe nun auch die Verfassung zu reformieren. Abe ist der Ansicht, dass die pazifistische Nachkriegsverfassung nicht der einer unabhängigen Nation entspricht, da sie Japan 1946 von der Besatzungsmacht USA aufgezwungen worden sei. Artikel 9 besagt, dass Japan unter allen Umständen Kriegführung verbietet. Abe könnte nun mit so einer Reform bewirken, dass sich Japan von seinem nach dem Zweiten Weltkrieg von der Siegermacht USA entworfenen Grundgesetz verabschiedet und dem Militär zu mehr Gewicht verhilft. Vor allem in China dürfte dies auf Vorbehalte stoßen.

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