5 Jahre Pariser Klimaabkommen: EU und China - die großen Investoren

Vor fünf Jahren haben etliche Staaten das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet. Seither haben auch viele Firmen sich dem Klimaschutz verstärkt zu widmen. Welche Länder bisher am meisten Geld in die C02-Reduktion gesteckt haben, in welche Bereiche Firmen und Staat am meisten Geld gesteckt haben, um den Umweltschutz voranzutreiben.

5 Jahre Pariser Klimaabkommen: EU und China - die großen Investoren

Im Dezember vor fünf Jahren wurde auf der UN-Klimakonferenz das Pariser Klimaabkommens von den ersten Staaten unterzeichnet. Mittlerweile haben 180 Staaten das Abkommen ratifiziert. Das Abkommen von Paris verfolgt drei Ziele: Die Staaten wollen die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter zwei Grad Celsius begrenzen und streben eine eine Beschränkung auf 1,5 Grad Celsius an. Die Fähigkeit zur Anpassung an den Klimawandel soll gestärkt werden und die finanziellen Mittel dem Ziel angepasst werden.
Doch wie nahe sind Plan und Realität fünf Jahre später?

Fast 600 Milliarden Dollar in fünf Jahren investiert
Ob sich die Staaten, die das Klimaabkommen Pariser Klimaziele unterzeichnet haben, bisher tatsächlich ihren Klimaverpflichtungen Taten folgen gelassen haben, lässt sich am besten anhand von Investitionen messen. Die „Climate Policy Initiative" schätzt, dass seither 579 Milliarden Dollar an Klimafinanzierung von Entwicklungsbanken, Finanzinstitutionen, Regierungen und Haushalten aufgebracht wurden, wobei Unternehmen innerhalb eines Jahres 326 Milliarden Dollar investierten. Insgesamt sind die Investitionen seit dem Jahr 2013/14 um 58 Prozent gestiegen (siehe Grafik).

Was jedoch auffällt, nicht die Staaten sind die größten Financiers in Sachen Klimaschutz, sondern private Investoren, also Unternehmen. Ihr Anteil ist in den letzten Jahre sogar wesentlich stärker gestiegen als der der öffentlichen Hand.

Unternehmer: Die Haupttreiber der Klimawende. Sie finanzierten zwischen 2017/18 um rund 100 Milliarden Dollar mehr als öffentliche Stellen.

Großer Gewinner: Erneuerbare Energie
Die größten Investitionen wurden in erneuerbare Energie getätigt. Insgesamt 278 Milliarde Dollar pumpten laut Climate Policy Initiative 2017/18 Unternehmen in erneuerbare Energie, 70 Milliarden Dollar wurden für die Senkung der C02-Emission von Fahrzeugen aufgewendet. Zum Vergleich: Staatliche Institutionen wendeten dafür nur 54 Milliarden Dollar weltweit auf. Ausgaben für weniger Schadstoffemissionen im Transport ließen sich die Staaten dagegen 82 Milliarden Dollar kosten. Daneben fließt ein Großteil der privaten Investitionen in Wasseraufbereitung, Klimaanleihen und in die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden.

Energie aus Wind und Strom: Das Milliarden-Business
Seit dem Jahr 2010 wurden laut Berechnungen von Climate Policy Initiative weltweit 591 Milliarden Dollar in Windenergie investiert. Das ist jährlich ein Wachstum von 14 Prozent am Land und 29 Prozent in den Meeren. Bei der Implementierung von Solarenergie ist das Wachstum mit jährlich 37 Prozent sogar deutlich höher, wenn das Ausgangsniveau mit damals 40 Milliarden Dollar vor zehn Jahren allerdings auch deutlich darunter lag. In Windenergie flossen damals bereits fast 200 Milliarden Dollar (siehe Grafik). Die Preise sind bei beiden erneuerbaren Energiequellen zurückgegangen, bei Solaranlagen sind die Preise für Megawattstunden (MWh) jedoch durch den international hart geführten Wettkampf, richtiggehend abgestürzt. Jedes Jahr wurde so Strom aus Solarenergie im Schnitt um 17 Prozent billiger. Bei Windenergie liegt der jährliche Preisrückgang im niedrigen einstelligen Bereich.

Milliardenschwere Investitionen, sinkende Preise: Die Branchen für erneuerbare Energie ist eine von Wettbewerb getriebene.

Hohe Abschreibungsbedarf von Ökoinvestments
Zu den hohen Investitionen und den sinkenden Preisen für erneuerbare Energien kommt für Unternehmen, die in Anlagen zur C02-Reduktion investieren, ein weiteres Problem. Laut DWS geht mit diesen Investitionen ein erhöhter Abschreibebedarf einher. Denn durch verschärfte Klimaziele sinkt die wirtschaftliche Lebensdauer auf etwa 22 Jahren. Zudem hat der durch die Pandemie verursachte Einbruch der Ölnachfrage die börsennotierten Ölgesellschaften dazu veranlasst hat, Projekte mit einem Investitionsvolumen von über 54 Milliarden Dollar zu streichen.

Investments ins Klima - In Japan, Australien und Nordamerika zahlen dafür vor allem Firmen
Die weltweit größten Investoren in den Klimaschutz sind, in absoluten Zahlen gemessen, China und anderen Regionen des Pazifiks und die EU. In der Region Ostasien und Pazifik investiert der Staat und private Investoren, je rund zur Hälfte in Klimaschutzziele, im vergangenen Jahr waren es 238 Milliarden Dollar. In der EU waren es laut Climate Policy Initiative 106 Milliarden Dollar. In beiden Regionen, wie in vielen anderen auch, teilen sich die Investments in etwa zur Hälfte in Staat und Unternehmen. Nur in Nordamerika, Japan, Israel, Korea und Australien werden die gesamten oder fast die meisten Ausgaben von privaten Investoren getätigt.

Ostasien mit China und die EU: In diesen beiden Regionen sind die Investitionen in die Klimaverbesserung am höchsten.

China und USA mit neuen Klimaimpulsen in die Zukunft

Zuletzt kam von zwei großen Staaten und auch Ökosündern frischer Wind in die Bestrebungen nach einer besseren Umwelt. So hat sich China zu Jahresende 2020 zur Klimaneutralität bis 2060 verpflichtet. Und der designierte US-Präsident Joe Biden hat zugesagt, dem Pariser Abkommen das die USA dem Klimabündnis wieder beitreten werden. Zudem erwägen 127 Länder, auf die 63 Prozent der Emissionen entfallen, CO2-Neutralität anzustreben oder haben sogar bereits entsprechende Gesetze verabschiedet. Zu diesen Ländern zählen die Staaten der Europäischen Union, Südafrika, Japan, Südkorea und Kanada. Optimisten rechnen nunmehr mit einer Erwärmung um 2,1°C, womit das Pariser Ziel von „unter 1,5°C" zumindest in Reichweite käme. Die neuen Ziele gelten als gute Voraussetzung für den Klimagipfel 2021 in Großbritannien.

160 Konzerne erhöhen Klima-Engagement
Im Rahmen von Climate Action 100+ erhöhen zudem 545 Investoren mit einem verwalteten Vermögen von 52 Billionen Dollar ihr Engagement bei großen Unternehmen. Ab 2021 werden 160 Unternehmen ihre Bemühungen um eine Reduktion der Emissionen offenlegen, damit Investoren im Hinblick auf Investitionen, Unternehmensführung, Offenlegung und Lobbyarbeit diese öffentlich bewerten können. So sollen Großunternehmen dazu bewegt werden, einen größtmöglichen Anteil ihrer Investitionen umzulenken, die für eine erneuerbare und ressourceneffiziente Gesellschaft benötigt werden.


Das passiert, wenn die Klimaziele scheitern, und sich die Erde um zwei Grad erwärmt:
Ende 2015 stellte der Climate Action Tracker fest, ein Onlineportal, auf dem betrachtet werden kann, welche globale Erwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu erwarten ist, dass – wird die aktuelle Entwicklung fortgeschrieben - die Welt bis 2100 um 3,6 Grad Celcius wärmer sein würde, als sie in vorindustriellen Zeiten war. Siehe Grafik .
Viele Länder verpflichteten sich zwar, ihre politischen Initiativen zu intensivieren, um die Erderwärmung einzudämmen, aber diese selbstauferlegten Ziele, dass dies zu einer Erwärmung um 2,7°C führen würde, ein immer noch wenig wünschenswertes Szenario. So würden laut dem Carbonbrief, das 70 von Experten geprüfte Klimastudien vereint, eine bei einem Anstieg der Temperaturen um zwei Grad in Europa die Zahl der Hitzewellen im Sommer um fast 60 Prozent steigen, in den Alpen würden die Minimumtemperaturen um 1,7 Prozent steigen, in Skandinavien gar um 3,4 Prozent. Die Zahl der tropischen Nächte würde in den Alpen um 16 Tage steigen, in mediterranen Regionen um 24 Nächte. 388 Millionen Menschen würden bei einem Temperaturanstieg von nur zwei Prozent unter Wasserknappheit leiden, ein Zuwachs um 249 Millionen Menschen. Die heißen Tage würden um 25 mehr werden. Fast 200 Millionen Menschen würden unter Dürre leiden, der Zuwachs gegenüber heute wäre ähnlich hoch. Die durchschnittliche Dauer der Dürremonate würde um zehn Monate steigen, bei einer globalen Erwärmung um drei Grad um zehn Monate. Interaktive Grafik .

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