Ein Jahr Anleihenkaufprogramm: EZB kämpft weiter gegen Deflation

Ein Jahr Anleihenkaufprogramm: EZB kämpft weiter gegen Deflation
Ein Jahr Anleihenkaufprogramm: EZB kämpft weiter gegen Deflation

EZB-Chef Mario Draghi kämpft mit Milliarden um mehr Inflation

Vor einem Jahr hat die Europäische Zentralbank EZB ihr billionenschweres Anleihenkaufprogramm angekündigt, mit dem sie die Wirtschaft und die Inflation im Euroraum ankurbeln will. Der Plan ist bislang nicht aufgegangen

Vor einem Jahr, am 22. Jänner 2015 hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Programm zum Kauf von Staatsanleihen angekündigt.

Im März 2015 ist das Programm gestartet. Die Erwartungen an das billionenschwere "Asset Purchase programme" waren hoch gesteckt. Das Ziel der Zentralbank war, durch monatliche Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren im Volumen von 60 Milliarden Euro die Geschäftsbanken im Währungsraum dazu bewegen, mehr Kredite an die Wirtschaft zu vergeben, die Konjunktur zu beleben und die Inflationsrate in der Eurozone auf einen Wert von rund zwei Prozent zu steigern.

Der Plan ist allerdings bislang nicht aufgegangen. Trotz der seither investierten Die Teuerungsrate lag im Euroraum im Dezember immer noch bei mageren 0,2 Prozent. Über das Jahr 2015 hinweg gerechnet ergibt sich eine Inflation von 0,0 Prozent, nach 0,4 Prozent im Jahr 2014 und 1,4 Prozent im Jahr 2013.

Die Ursache dafür ist unter anderem der niedrige Ölpreis. Er treibt die weltweite Inflation seit Monaten nach unten. Für die Konsumenten ist eine niedrige Inflationsrate auf den ersten Blick erfreulich, weil die Preise nicht steigen. Das stimmt für Draghi allerdings nur bedingt. "Auf kurze Sicht hilft ein Rückgang der Inflation den Verbrauchern", sagte er dazu bei einem Empfang der Deutschen Bank, "wenn die Teuerung aber zu lange niedrig bleibt, dann ist sie tatsächlich schädlich."

EZB-Chef Mario Draghi will das Programm daher so lange weiterlaufen lassen, bis im Euroraum eine Inflationsrate von rund zwei Prozent erreicht ist. Ein Wert, den die EZB als ideale Basis für den Euroraum hält. Den aktuellen Plänen zufolge soll das Programm mindestens bis in den März 2017 laufen. Erst im Dezember wurde es von September 2016 auf März 2017 verlängert. Das Programm hätte damit ein Gesamtvolumen von 1,5 Billionen Euro. "Wenn eine Zentralbank ein Ziel setzt, kann sie nicht einfach die Torpfosten verschieben, wenn sie es verfehlt", argumentiert Draghi

Luft nach oben

In der Finanzwelt rechnet man angesichts der anhaltend niedrigen Inflation im Euroraum damit, dass die EZB bald nachlegt und das Volumen des Kaufprogramms weiter erhöht. Ein möglicher Zeitpunkt könnte der März sein. Dann liegen dem EZB-Rat nämlich die neuen Expertenschätzungen zur weiteren Entwicklung der Preise und der Konjunktur im Euroraum vor. Einer von der Nachrichtenagentur Reuters unter Analysten geführten Umfrage zufolge rechnet die Hälfte der Analysten damit, dass die monatlichen Anleihenkäufe noch weiter erhöht werden.

Für die EZB ist es allerdings noch zu früh, um über eine Erhöhung des Kaufvolumens zu spekulieren. EZB-Vizedirektor Vitor Constancio hat etwa Ende Dezember in einem Zeitungsinterview erklärt: . "Ich würde es vorziehen, wenn wir unsere Geldpolitik in absehbarer Zeit nicht wieder ändern müssten." Entscheidend sind für ihn die Inflationsaussichten.

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