IWF-Chefin Lagarde rüffelt US-Präsident Trump

IWF-Chefin Lagarde rüffelt US-Präsident Trump

IWF-Chefin Christine Lagarde warnt vor einer Zuspitzung der Auseinandersetzungen im Welthandel.

Die Kritik von US-Präsidenten Donald Trump an der unabhängigen US-Notenbank Fed und der Handelspolitik hat der Internationale Währungsfonds (IWF) retourniert. IWF-Chefin Lagarde: WTO-System gehört "repariert, nicht zerstört". Lagarde warnt davor, zusätzlich zum Handelsstreit noch einen Währungskrieg anzuzetteln.

Nusa Dua. IWF-Chefin Christine Lagarde hat der Wirtschaftspolitik von Donald Trump und dessen Angriffen auf die eigene Zentralbank eine deutliche Abfuhr erteilt. Sie eröffnete die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank am Donnerstag mit scharfer Kritik am Vorgehen des US-Präsidenten.

Das System des weltweiten Handels dürfe nicht zerstört werden, sagte Lagarde zu Beginn des Treffens in Nusa Dua (Indonesien) vor dem Hintergrund einer sich abschwächenden Weltkonjunktur.

Trump hatte erklärt, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sei wegen ihrer raschen Zinserhöhungen "verrückt geworden". Lagarde entgegnete hierauf, Notenbank-Chef Jerome Powell und der Fed-Vorstand wirkten sehr solide und seriös. "Ich würde ihn nicht mit Verrücktheit in Verbindung bringen", sagte die IWF-Chefin dem US-Sender CNBC.

Lagarde räumte einen Reformbedarf des Handelssystems unter dem Dach der Welthandelsorganisation (WTO) ein - wie schon tags zuvor deren Präsident Roberto Azevedo. Ihre Forderung: "Repariert es, aber zerstört es nicht." Die Regeln des Welthandels hätten allen Nationen genutzt. Weltbank-Präsident Jim Yong Kim hatte erklärt, die Welt brauche "mehr Handel, nicht weniger". Die Globalisierung habe Millionen Menschen aus der Armut geführt. Dies müsse weitergehen.

Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Handelsstreit zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China, den US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochen hat. Er wirft China unfaire Handelspraktiken und Diebstahl geistigen Eigentums vor. Der Volksrepublik wird zudem zur Last gelegt, ihre Währung gegenüber dem Dollar abzuwerten, was tendenziell das ohnehin schon hohe US-Handelsdefizit noch vergrößert.

An den Finanzmärkten sind Anleger zunehmend nervös. Dazu hat auch der jüngste IWF-Bericht zur Finanzstabilität beigetragen. Er nährte die Furcht vor abrupten Markt-Anpassungen. Am Donnerstag fielen die europäischen Aktienmärkte auf den niedrigsten Stand seit gut eineinhalb Jahren. Der IWF hatte erst am Dienstag seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft gesenkt und dafür die Handelskonflikte mitverantwortlich gemacht.

Lagarde forderte jetzt alle Länder auf, auf eine Deeskalation hinzuarbeiten. Zudem sprach sie sich dafür aus, die globalen Handelsregeln zu verbessern, anstatt sie aufzugeben. Trump hat das Welthandelssystem scharf kritisiert, weil es sein Land angeblich benachteiligt. China wirft er auch vor, den Yuan zu manipulieren, um damit Handelsvorteile zu erlangen. "Wir hoffen, wir bewegen uns weder in die Richtung eines Handelskriegs noch in die eines Währungskriegs", sagte Lagarde. Vertreter des amerikanische Finanzministeriums arbeiten gerade an ihrem Halbjahresbericht über Währungsmanipulationen. Lagarde führte die Schwäche des Yuan gegenüber dem Dollar auf die Zinsanhebungen der US-Notenbank Fed zurück. Der IWF unterstütze den Kurs der Regierung in Peking, die Wechselkurse flexibler zu gestalten.

Die chinesische Notenbank hatte den Yuan zuletzt die psychologisch wichtige Marke von 6,9 zum Dollar durchbrechen lassen, die Währung wertete daraufhin weiter ab. Die Regierung in Peking bekräftigte, ihre Währung nicht als Waffe im Handelsstreit mit den USA einsetzen zu wollen.

Trump hat wiederholt auch die hohen Handelsüberschüsse Deutschlands kritisiert. Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz wies dies im "Handelsblatt" zurück. Der Vorwurf, das deutsche Leistungsbilanzüberschuss führe zu globalen Ungleichgewichten, lasse wichtige Aspekte außer Acht. Im weltweiten Maßstab müsse man die EU als Ganzes betrachten und nicht die einzelnen Staaten. "Bei den USA pickt sich auch niemand Kalifornien heraus und vergleicht die Handelsbilanz mit der von Frankreich oder Deutschland."

Der starke Dollar und die steigenden Zinsen in den USA sind allerdings ein Problem für die Weltwirtschaft. Der IWF befürchtet etwa Kapitalabflüsse aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Zudem könnten in US-Dollar aufgenommene Schulden für diese Staaten und dort angesiedelte Unternehmen sehr teuer werden.

Der IWF hatte bereits am Dienstag in seinem Weltwirtschaftsbericht die Wachstumsprognose für die globale Wirtschaft zurückgenommen. Während noch im April mit einem Wachstum von 3,9 Prozent für die Jahre 2018 und 2019 gerechnet worden war, wurde diese Einschätzung nun auf 3,7 Prozent zurückgenommen. "Die Wirtschaft ist stark, aber sie ist nicht stark genug", sagte Lagarde.

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