IWF warnt vor der schwersten Rezession seit 100 Jahren

Wegen der Coronavirus-Pandemie wird die Wirtschaft heuer weltweit dramatisch schrumpfen: Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit der schwersten globalen Rezession seit fast hundert Jahren.

IWF warnt vor der schwersten Rezession seit 100 Jahren

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die Weltwirtschaft angesichts der Corona-Krise auf die schwerste Rezession seit einem Jahrhundert zusteuern. Die globale Wirtschaftsleistung könnte im Jahr 2020 um 3 Prozent zurückgehen, jene der Eurozone sogar um 7,5 Prozent, erklärte der IWF in seiner Prognose zur globalen Konjunkturentwicklung.

Österreichs Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird demnach 2020 um 7 Prozent sinken und 2021 wieder um 4,5 Prozent wachsen. Österreich läge damit gleichauf mit Deutschland. Laut IWF müsse mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet werden. Im Jänner hatte der IWF für 2020 noch ein globales Wachstum von 3,3 Prozent prognostiziert, die 19 Länder der Eurozone sollten um 1,3 Prozent zulegen.

"Es ist eine wirklich globale Krise, weil kein Land verschont bleibt", sagte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath vor Journalisten. Der IWF bezeichnet die Coronakrise in Anlehnung an die Weltwirtschaftskrise der 1920er und 1930er Jahre, die sogenannte Große Depression, als "die Große Ausgangssperre" (Englisch: The Great Lockdown). Gopinath erklärte, der prognostizierte Wirtschaftseinbruch werde "die schlimmste Rezession seit der Großen Depression sein und wesentlich schlimmer als die globale Finanzkrise" von 2008 bis 2009.

Globaler Rückschlag

Für 170 Länder der Welt rechnet der IWF für heuer mit schrumpfenden Pro-Kopf-Einkommen. Die Weltwirtschaftsleistung werde wegen der Pandemie daher 2020 und 2021 wohl um rund 9 Billionen US-Dollar (rund 8 Billionen Euro) sinken, sagte Gopinath.

Für nächstes Jahr rechnet der IWF mit einer deutlichen Erholung. Die globale Wirtschaft soll dann im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent wachsen, jene der Eurozone um 4,7 Prozent. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Epidemie im zweiten Halbjahr 2020 weitgehend unter Kontrolle gebracht werden kann und sich auch das Wirtschaftsleben wieder normalisiert, wie der IWF erklärte.

Die Organisation warnte aber, dass die Prognosen mit "extremer Unsicherheit" behaftet seien. Die wirtschaftlichen Folgen hingen von sehr vielen Faktoren ab, darunter der Dauer und Intensität der Pandemie, hieß es. Sollte die Pandemie in der zweiten Jahreshälfte nicht zurückgehen, könnte die globale Wirtschaft heuer sogar um 6 Prozent einbrechen und auch 2021 noch schrumpfen, sagte Gopinath.

In Deutschland soll die Wirtschaft dem IFW zufolge 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent schrumpfen, in Spanien um 8 Prozent, in Italien sogar um 9,1 Prozent. Für die USA, die größte Volkswirtschaft der Welt, sieht der IWF ein Minus von 5,9 Prozent vor. Seit Mitte März haben dort bereits rund 17 Millionen Menschen Anträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt, was auf einen dramatischen Konjunktureinbruch schließen lässt. In Japan soll die Wirtschaftsleistung dem IWF zufolge um 5,2 Prozent zurückgehen. In China wiederum - wo die Coronakrise inzwischen unter Kontrolle scheint - soll die Wirtschaft zumindest noch um 1,2 Prozent wachsen.

Konjunkturprogramme erforderlich

Der IWF forderte alle Regierungen auf, die Wirtschaft gezielt zu unterstützen, um die Folgen der Krise zu überwinden. Dazu gehörten Kreditprogramme für betroffene Unternehmen genauso wie zusätzliche Mittel des Staats, um betroffenen Branchen zu helfen, wie der IWF erklärte. Durch gezielte Hilfen werde der Weg für eine Erholung im kommenden Jahr gelegt, hieß es weiter.

Viele ärmere Staaten haben allerdings nicht genügend Spielraum für zusätzliche Ausgaben. Um sich auf den internationalen Kreditmärkten frisches Geld zu besorgen, müssen Entwicklungs- und Schwellenländer inzwischen höhere Finanzierungskosten in Kauf nehmen. Dutzende Staaten haben daher beim IWF bereits Notkredite beantragt, um ihre Gesundheitssysteme zu stärken und sich den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu stellen. IWF und Weltbank fordern inzwischen auch, ärmere Länder bis auf Weiteres vom Schuldendienst zu entbinden.

Für die Staaten Afrikas südlich der Sahara rechnet der IWF 2020 mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 1,6 Prozent. Besonders hart soll es dort die größten Volkswirtschaften treffen, Nigeria (minus 3,4 Prozent) und Südafrika (minus 5,8 Prozent). Nigeria hat beim IWF bereits einen Notkredit beantragt. Für Südamerika und die Karibik rechnet der IWF für dieses Jahr mit einem Minus von 5,2 Prozent, für den Nahen Osten und Zentralasien mit 2,8 Prozent.

Finanzsystem bedroht

Der IWF warnt außerdem vor erheblichen Gefahren für das weltweite Finanzsystem. Die Pandemie wird im neuen Finanzstabilitätsbericht als Herausforderung von historischem Ausmaß und als "sehr ernste Bedrohung für die Stabilität des globalen Finanzsystems" gesehen.

Der Virusausbruch habe den Finanzmärkten einen bisher noch nie dagewesenen Schlag versetzt. Entschlossenes Handeln der Notenbanken und der Haushaltspolitik habe zwar für eine Stabilisierung gesorgt. Dennoch bestehe die Gefahr, dass sich die Finanzierungsbedingungen weiter verschärfen.

"Die endgültige Auswirkung der Krise auf die Weltwirtschaft, sowie das Timing einer Erholung ist hochgradig unsicher", warnen die IWF-Experten. Sorgen bereiten ihnen unter anderem hohe Schuldenstände bei Firmen und Privathaushalten. Diese könnten angesichts des plötzlichen Stillstands der Wirtschaft unter Druck geraten.

Banken stünden zwar inzwischen besser da als während der Finanzkrise vor rund zehn Jahren. Dennoch werde sich in einigen Ländern womöglich ihre Widerstandsfähigkeit angesichts von großen Markt- und Kreditverlusten beweisen müssen. Es bestehe die Gefahr, dass die Institute die Kreditversorgung der Wirtschaft zurückfahren - was die konjunkturelle Talfahrt noch verstärken könnte. Vermögensverwalter könnten zudem bei ihren Investments unter Verkaufsdruck geraten und das bei sinkenden Kursen.

Fiskalpolitik gefordert

Besonders gefährdet sind nach Einschätzung des IWF Schwellenländer. Ihnen drohe durch die Coronakrise ein "perfekter Sturm". Sie hätten den bisher stärksten Abfluss ausländischer Portfolien erlebt. Der ökonomische Schock durch die Pandemie sei dadurch noch verschärft worden.

Aus Sicht der IWF-Experten sind angesichts des Ausmaßes der Krise "umfangreiche, schnelle, vorübergehende und zielgerichtete fiskalpolitische Maßnahmen" notwendig. Das zeitweilige Einfrieren der ökonomischen Aktivität dürfe nicht zu anhaltenden Schäden für die Wirtschaft führen.

Zentralbanken könnten weitere Stützungsmaßnahmen erwägen. Für den Fonds ist multilaterale Zusammenarbeit entscheidend, um die Intensität des Schocks und die negativen Folgen für die Weltwirtschaft und das Finanzsystem abzumildern. Sobald das Virus unter Kontrolle sei, müsse die Politik darauf ausgerichtet werden, die Erholung voranzutreiben.

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Zur Person. Georg Schwondra, 51, ist Partner bei Deloitte und für den Ausbau und die Leitung des Bereiches Cyber Risk/Cyber Security bei Deloitte Risk Advisory verantwortlich. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen sowohl im Bereich von Security Strategy, der Beratung und Implementierung von Cybersecurity-Lösungen, dem Outsourcing von Security-Funktionen auf Auftraggeberseite und Dienstleisterseite als auch in der Begleitung und dem Management von Transformationsprojekten bei Unternehmen aller Größen, insbesondere auch im Bereich von Familien- und Privatunternehmen.

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