Wirtschaftswachstum: Österreich hinkt der Eurozone hinterher

Wirtschaftswachstum: Österreich hinkt der Eurozone hinterher

IWF-Chefin Christine Lagarde.

Kein Musterschüler: Österreich hinkt der Eurozone beim Wirtschaftswachstum hinterher. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte die BIP-Prognose für Österreich um 0,1 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent. Die Länder der Eurozone sollen heuer im Schnitt um 1,5 Prozent wachsen.

Im Sog der Konjunkturabkühlung in China verliert die Weltwirtschaft nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) an Fahrt. Der Fonds rechnet nur noch mit 3,1 Prozent Wachstum für 2015, wie aus der am Dienstag in Lima vorgelegten Prognose des IWF hervorgeht. Noch im Juli hatte er 3,3 Prozent veranschlagt. 2014 wuchs die globale Wirtschaft noch um 3,4 Prozent.

Österreich hinkt laut dieser Prognose der Eurozone heuer deutlich hinterher. Der IWF senkte die BIP-Prognose für Österreich für 2015 um 0,1 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent gegenüber der April-Konjunkturprognose. 2016 soll Österreich dann laut IWF-Herbstprognose (World Economic Outlook) mit 1,6 Prozent wieder gleich schnell wachsen wie der Euroraum.

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in Österreich schätzen die Ökonomen schlechter ein als noch im April. Die Prognose der Arbeitslosenquote nach internationaler Berechnung für das laufende Jahr haben die IWF-Volkswirte um 0,7 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent und für 2016 um 0,6 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent angehoben. Österreich soll heuer nach Deutschland und Malta dennoch die drittniedrigste Arbeitslosenrate in der Eurozone haben. Die höchste Arbeitslosenquote im gemeinsamen Währungsraum wird heuer in Griechenland mit 26,8 Prozent und Spanien mit 21,8 Prozent erwartet.

Bei der prognostizierten Inflation liegt Österreich deutlich über der Eurozone. Für 2015 erwarten die IWF-Ökonomen für Österreich eine Steigerung der Verbraucherpreise um 1,0 Prozent, 2016 dann um 1,7 Prozent. Demgegenüber liegt die erwartete Inflation in der Eurozone heuer bei 0,2 Prozent und 2016 dann bei 1,0 Prozent.

China schaltet einen Gang herunter

Deutschland und die Eurozone sollen dieses und nächstes Jahr im Gleichschritt um 1,5 beziehungsweise 1,6 Prozent zulegen. Während das Wachstum in den USA laut IWF 2015 stärker anzieht als angenommen, schaltet China einen Gang herunter: "Das hehre Ziel eines kräftigen und gleichlaufenden globalen Wachstums bleibt schwer erreichbar", sagte der neue IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld. Erst 2016 werde die Weltwirtschaft mit plus 3,6 Prozent wieder anspringen.

China - lange Zeit Motor des globalen Wachstums - wird demnach die von der Führung in Peking angestrebte Zuwachsrate für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von sieben Prozent für dieses Jahr mit 6,8 Prozent Plus knapp verpassen. 2016 dürfte sich das Wachstum laut IWF sogar auf 6,3 Prozent abkühlen.

Die internationalen Schockwellen der konjunkturellen Abschwächung in der nach den USA bedeutendsten Volkswirtschaft der Welt seien weit größer als bisher angenommen, räumte Obstfeld ein. Dies zeige sich etwa in sinkenden Preisen von Metallen und anderen Rohstoffen sowie abnehmenden Einfuhren nach China. Mittelfristig könne Chinas Abschwung noch größere Risiken für Schwellenländer heraufbeschwören: Dann drohten im schlimmsten Fall bei "einer harten Landung" auch andere Schwellenländer konjunkturell stärker mit nach unten gezogen zu werden. Die deutsche Industrie bekommt das schwächere Wachstum in China bereits zu spüren und musste im August den zweiten Monat in Folge sinkende Aufträge hinnehmen.

IWF erwartet Normalisierung der US-Geldpolitik

Auf die USA blicken die IWF-Experten hingegen mit zunehmendem Optimismus: Sie erhöhten ihre Vorhersage für 2015 leicht auf 2,6 Prozent. Nächstes Jahr soll sogar ein Plus von 2,8 Prozent herausspringen. Dank dieser Aussichten stehe eine Normalisierung der US-Geldpolitik bevor: Die Schwellenländer müssten sich auf die näher rückende Zinserhöhung einstellen. "Sie bleiben kurzfristig verwundbar", warnte der IWF-Chefvolkswirt. Denn weiter sinkende Rohstoffpreise und eine kräftige Aufwertung des Dollar könnten die Firmenbilanzen noch stärker belasten als bisher.

Mit einer Abwertung ihrer eigenen Währung hätten viele Staaten ihre Wachstumsschwäche bisher abgefedert und ihren Exportprodukten größere Wettbewerbsfähigkeit gesichert. Wo sich Firmen jedoch in Fremdwährungen verschuldet haben, könne dies in den Bilanzen einen Bumerang-Effekt auslösen, warnte Obstfeld. Bei einer Zinserhöhung in den USA - der ersten seit fast zehn Jahren - würden Anlagen in den Vereinigten Staaten attraktiver. Im Gegenzug drohten Schwellenländern verstärkte Kapitalabflüsse.

Dennoch dürfte sich die Rezession in einigen großen Schwellenländern laut IWF etwas entschärfen: Russlands BIP wird demnach dieses Jahr um 3,8 Prozent schrumpfen und nächstes Jahr nur noch um 0,6 Prozent. In Brasilien dürfte es 2015 um minus drei Prozent bergab gehen, 2016 nur noch mit einem Prozent. Insgesamt sollen die Schwellen- und Entwicklungsländer aber nächstes Jahr mit 4,5 Prozent ein höheres Wachstumstempo anschlagen als 2015, für das der IWF lediglich ein Plus von 4,0 Prozent vorhersagt. Allerdings sieht der Fonds auch für Industrieländer mittelfristig das Risiko, dass sich das Wachstum verlangsamen und Richtung Stagnation abrutschen könnte.

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