IV-Präsident Kapsch: Arbeitskosten um zwei Milliarden senken

IV-Präsident Kapsch: Arbeitskosten um zwei Milliarden senken

IV-Präsident Georg Kapsch fordert einmal mehr: Runter mit den Arbeitskosten

Die "Arbeitskosten in Österreich sind zu hoch", meint IV-Präsident Georg Kapsch. Der Chef des gleichnamigen Wiener Traditionsunternehmens stemmt sich außerdem gegen einen leichteren Zugang zur sechsten Urlaubswoche. Er fordert außerdem ein Ende für die Bankenabgabe, die den Druck auf Banken erhöhe und zu einer Kreditklemme führen kann.

Wien. Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Georg Kapsch, fordert eine Senkung der Lohnnebenkosten um zwei Milliarden Euro. "Die Arbeitskosten in Österreich sind zu hoch, netto haben die Menschen Realeinkommensverluste", kritisierte er am Dienstag in Wien. Die Entlastung könne etwa durch eine Senkung der Beiträge zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) und zum Insolvenzentgeltfonds erfolgen.

Die Lohnnebenkosten lägen in Österreich weit über dem OECD-Schnitt. Schon im Jahr 2016 könnten die Lohnnebenkosten um 500 Mio. Euro gesenkt werden, meinte Kapsch im Klub der Wirtschaftspublizisten. Der finanzielle Spielraum sei da: Der FLAF drehe ins Plus, auch seine Verschuldung werde bald beendet sein.

Weiters forderte der IV-Präsident ein Ende für die Bankenabgabe. Diese betrage in Österreich das Zehnfache von Deutschland. Der Druck auf die österreichischen Banken könne zu einer Schwächung ihrer Finanzierungskraft und einer Kreditklemme für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMUs) führen, warnte Kapsch.

Ablehnend zeigte er sich zu den Wünschen der Arbeitnehmer-Vertreter nach einer leichteren Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche, eines Bonus-Malus-Systems, damit Ältere länger im Arbeitsprozess bleiben, oder dem Überstunden-Euro. Er wolle auch kein "Paket" daraus machen, wonach die Arbeitgeber hier nachgeben, wenn sie selber etwas bekämen.

Die Vorzüge eines Bonus-Malus-Systems kann sich der Unternehmer gar nicht vorstellen. Wenn jemand die Leistung nicht bringe, werde er eben gekündigt, das habe nichts mit Bonus oder Malus für Ältere zu tun. Die höheren Einkommen für Ältere im Vergleich zu Jüngeren will Kapsch überhaupt abschaffen, indem das Senioritätsprinzip falle und die Unterschiede verringert werden. Dies könne aber nur durch einen langen Umstellungsprozess von etwa 25 Jahren erfolgen - sonst wäre eine Generation der Verlierer oder die Unternehmen würden massiv draufzahlen.

Plädoyer für Lebensarbeitszeitmodell

Aufgeschlossen zeigt sich Kapsch hingegen für Lebensarbeitszeitmodelle und - in geringerem Ausmaß - für die Freizeitoption. In seinem Unternehmen werde die Freizeitoption bereits genutzt. Zu stark dürfe man das aber nicht einsetzen, sonst könnten die Schichten nicht mehr besetzt werden.

Die Investitionsneigung in Österreich sei sehr gering. Während es in Deutschland Erweiterungsinvestitionen gebe, investierten die österreichischen Unternehmen vorwiegend in Ersatzkäufe und Reparaturen. Dies hängt laut Kapsch mit mangelndem Vertrauen der Wirtschaft in die Lösungskompetenz der Bundesregierung zusammen. Er ortet einen Stillstand in der Politik, die wichtigen großen Strukturreformen in der Verwaltung, im Gesundheits- und Pensionssystem würden nicht in Angriff genommen. Der Föderalismus müsse eingebremst werden, die Verwaltung effektiver arbeiten. Es gebe zu viele kleine Gemeinden und Bezirkshauptmannschaften, eine Konzentration oder auch die Abschaffung einer Verwaltungsebene wäre sinnvoll um Ausgaben zu sparen. Die öffentlichen Dienstleistungen seien zu teuer, die Gebühren für Müll, Wasser etc. trieben die Inflation. Trotzdem steige die Verschuldung der öffentlichen Haushalte weiter. "Wir haben es nicht geschafft, in den guten Jahren etwas anzusparen".

Der Industriellenpräsident sieht die Gefahr einer Stagnation in Österreich mit ganz geringen Wachstumsraten in den nächsten Jahren. Am Wachstum des Bruttoinlandsprodukts hängen aber die Sozialsysteme, gab er zu bedenken. "Wir brauchen eine neue Basis für die Finanzierung der Sozialsysteme". Unzufrieden zeigte er sich auch mit der Sozialpartnerschaft. "Die Sozialpartnerschaft hat heute nicht mehr die Lösungsorientierung, die sie einmal hatte", beklagte er. "Verhandeln ist wirklich schwierig". Neue Ansätze seien gar nicht mehr verhandelbar.

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