Italien rutscht in die Rezession - was als nächstes droht

Italien rutscht in die Rezession - was als nächstes droht

Leere Tische, leere Kassen: Italien schlittert in die Rezession.

Italiens Wirtschaft ist seit dem zweiten Halbjahr 2018 kräftig eingebrochen. Anleger greifen bei italienischen Anleihen trotzdem zu. Warum das so ist, aber welche Risiken man nicht außer Acht lassen sollte.

Italien gerät immer tiefer in den wirtschaftlichen Abwärtsstrudel. Laut vorläufiger Schätzung ist die Wirtschaftsleitung Italiens im vierten Quartal 2018 um 0,2 Prozent geschrumpft, nach 0,1 Prozent im Vorquartal. Damit befindet sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone nun offiziell in einer Rezession, der dritten innerhalb von zehn Jahren.

Für das Gesamtjahr geht Raiffeisen Research für Italien von einem Wachstum von nur 0,1 Prozent aus. "Die Inlandsnachfrage ist weggebrochen", nennt Patrick Krizan, Finanzanalyst von Raiffeisen Research den Hauptgrund. Die Aussichten bleiben denkbar schlecht. Das Konsumentenvertrauen sinkt stetig und lässt auf eine weitere Verlangsamung der wirtschaftlichen Entwicklung schließen. Im Gegensatz zur restlichen Eurozone ist die Binnennachfrage kein stabilisierendes, sondern vielmehr als destabilisierendes Element", so Krizan. Einzige Stütze waren bisher die Exporte. Und erklärt weiter: "Keine guten Aussichten angesichts eines absehbar nachlassenden wirtschaftlichen Rückenwindes aus dem Ausland."

Wie stark sich Italien wirtschaftlich abkoppelt, zeigt auch der Vergleich mit anderen EU-Ländern. Noch 2006 war die wirtschaftlichen Entwicklung Spaniens und Frankreich auf einem ähnlichen Niveau wie Italien, doch diese ziehen diesem seit 2014 deutlich davon.

Budgetdefizit vor weiterem Anstieg

Das Budgetdefizit Italiens dürfte durch die nachlassende Konjunktur weiter steigen. Bei dessen Berechnung in Höhe von 2,04 Prozent des BIP für das laufende Jahr ging die italienische Regierung nämlich noch von einem BIP-Wachstum von einem Prozent aus und nicht von einer Rezession. "Der italienischen Regierung droht nun entweder die Wahlversprechen noch weiter abzuschwächen, Neuwahlen zu riskieren oder sich wieder mit der EU anzulegen", so Raiffeisen-Experte Krizan. Positive Konjunkturimpulse dürften seiner Einschätzung nach nicht ausreichen, um die vorherrschende Verunsicherung durch politische Risiken auszugleichen.

Die Schwäche der italienischen Konjunktur löste am Staatsanleihemarkt bisher jedoch keine große Besorgnis aus. Für eine 10-jährige italienische Staatsanleihe zahlt man nur 260 Basispunkte mehr als für eine deutsche. Allerdings werden die Risiken am Euro-Staatsanleihemarkt zurzeit generell als gering eingestuft. Schuld daran ist vor allem die EZB. Die jüngsten Wortmeldungen von Notenbank-Boss Mario Draghi lassen darauf schließen, dass die Zinsen noch sehr lange bei Null gehalten werden sollen. Weshalb es laut Raiffeisen auch Italien gelungen ist, eine Anleihen-Emission von zehn Milliarden Euro problemlos zu platzieren. Finanzanalyst Krizan: "Interessant war dabei der für Italien hohe Anteil ausländischer Investoren von über 60 Prozent. Es scheint als wäre mit der Beilegung des Budgetstreits der Vertrauensverlust vorerst gestoppt und die attraktiven Zinsen treten wieder in den Vordergrund."

Höhere Ausfallswahrscheinlichkeit von Italo-Anleihen

Das derzeit günstige Umfeld bei Anleihen könnte sich drehen. Die Risikoprämien könnten sich laut Prognosen von Raiffeisen sogar verdoppeln. Zwar dürfte das Risiko eines EU-Austritts Italiens gebannt sein, aber die sinkende Wirtschaftsleistung und ein damit verbundenes Ausfallswahrscheinlichkeit bei Bedienung von Staatsanleihen droht zu steigen.

Ein weiteres Risiko könnten die Europawahlen darstellen. Das könnte der Fall sein, sollte die Koalition dadurch derart erschüttert werden, etwa durch ein schlechtes Ergebnis der 5-Sterne-Bewegung, dass Neuwahlen ausgerufen werden. Krizan: "In diesem Fall wäre mit einem sprunghaften Anstieg der Risikoprämie zu rechnen. Dann könnte der Risikoaufschlag italienischer Staatsanleihen wieder die Höchststände der letzten Monate erreichen."

Ein weiteres Problem: Hochverschuldete EU-Länder wie Italien steigern ihre Ausgaben derzeit. Und Italien ist das einzige EU-Land, in dem der Kapitalstock des öffentlichen Sektors sinkt, weil der Kapitalverbrauch die Investitionen bei weitem übersteigt.

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