IS-Terror: Neues Risiko für OMV in Libyen

IS-Terror: Neues Risiko für OMV in Libyen
IS-Terror: Neues Risiko für OMV in Libyen

Pipelines im Amaal-Ölfeld im Osten Libyens. Das Land versinkt im Chaos, Ölkonzerne wie die OMV stoppten deswegen ihre Produktion.

Der OMV macht nicht nur der niedrige Ölpreis Sorgen, sondern neuerdings auch der Vormarsch der Terrormiliz "Islamischer Staat" in Libyen. Die militanten Islamisten haben es auf die Ölquellen in dem nordafrikanischen Land abgesehen, an welchen auch die OMV beteiligt ist. Die "Sicherheitslage wird genau beobachtet", sagt OMV-Unternehmenssprecher Robert Lechner zu Format.at.

Chaotisch war die Situation bereits kurz nach dem Sturz des Diktators Muammar Gaddafi im Jahr 2011. Vier Jahre später entzweit ein Machtkampf zwischen zwei Regierungen und zwei Parlamenten das krisengebeutelte Land. Radikale islamistische Gruppierungen erhalten immer mehr Zulauf. Auch die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hat in Libyen bereits Fuß gefasst.

Einige Regionen - darunter die Küstenstädte Derna und Sirte - haben die IS-Terroristen bereits unter ihre Kontrolle gebracht. Wie auch im Irak hat der "IS" Ölquellen im Visier. Libyen hat die neuntgrößten Ölreserven der Welt. Die Islamisten eroberten zwei Ölfelder - Al-Bahi und Al-Mabruk - rund 200 Kilometer südlich von Sirte im Zentrum des Landes. Inzwischen haben sich die Islamisten aber wieder zurückgezogen - nachdem sie die Ölfelder angezündet hatten. Zunächst wurde vermutet, dass sie weiter nach Süden vorrücken, wo auch die größten Ölfelder der OMV liegen.

Vor Beginn der Unruhen hat die OMV zehn Prozent ihres Rohöls in Libyen gefördert. Angesichts der nun wieder massiv angespannten Sicherheitslage stehen die Förder- und Produktionsanlagen seit Herbst 2014 still. "Wir beobachten die Lage genau, aber wir sind in der 'glücklichen Lage', dass unsere Felder nicht betroffen sind", erklärt OMV-Unternehmenssprecher Robert Lechner zu Format.at. Noch nicht, wie auch Lechner weiß. In einem OMV-Bericht vom Februar 2015 heißt es: "Die Situation bleibt kritisch".

2014 förderte die OMV rund 8.800 Barrel Öl, 2013 waren es noch über 21.000 Fässer. Seit Herbst 2014 steht die Produktion still.

Durch die Konflikte und die anhaltenden Kämpfe entgehen der OMV tausende Barrel Öl pro Tag: Die durchschnittliche Tagesproduktion der OMV betrug in Libyen 2014 rund 8.800 Barrel Öl täglich. Zum Vergleich: 2013 betrug die Produktion mit 21.600 Fässern Öl fast drei Mal so viel. Doch die anhaltenden Sicherheitsrisiken - dazu zählen etwa auch Ölleitungs- oder Hafenblockaden - zwangen die OMV, ganz auf die Produktion zu verzichten.

Zukunft in Libyen ungewiss

Libyen ist ein wichtiges Produktionsland für die OMV, seit 1975 engagiert sich der Konzern dort bereits in der Öl- und Gasförderung. 2013 wurden aus Libyen 3,01 Millionen Tonnen Öl importiert. Die OMV hat in Libyen Beteiligungen an mehreren Ölfeldern, unter anderem am Sirte-Becken im Osten und dem Murzuq-Becken im Südwesten des Landes. Noch sind die Terroristen viele hundert Kilometer vom wichtigen Murzuq-Becken entfernt, doch sie stellen eine ernsthafte Bedrohung dar.

Im Murzuq-Becken im Südwesten Libyens ist die OMV am stärksten vertreten.

Deshalb bleibt es auch ungewiss, ob 2015 die Förderung und Produktion in Libyen fortgesetzt werden kann. Im Explorationsbericht heißt es, dass man "vorbereitetet ist, die Förderung 2015 fortzusetzen, falls es die Sicherheitslage erlaubt". OMV-Sprecher Robert Lechner will jedoch keine Prognosen abgeben: "Man kann es wegen der Unsicherheit nicht endgültig sagen." Oft laufe die Produktion aber wieder rasant an, sogar in "politisch vertrackten Zeiten" wurde produziert, so Lechner. OMV-Mitarbeiter seien derzeit keine in Libyen stationiert, sie arbeiten alle in einem "Satellitenbüro" in Wien. Lediglich in Tripolis sei eine kleine Mannschaft vor Ort.

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