Hypo-Pleite hätte Österreichs Banken 4,9 Milliarden gekostet

Hypo-Pleite hätte Österreichs Banken 4,9 Milliarden gekostet

Wesentlich teurer als bisher angenommen wäre den österreichischen Banken eine Pleite der Hypo Alpe Adria gekommen: 4,9 Milliarden Euro hätte es sie gekostet, geht aus einem internen Papier der Österreichischen Nationalbank (OeNB) hervor. Die Tageszeitung "Die Presse" verweist in ihrer Mittwochsaugabe auf das Papier.

Die Zeitung schreibt auf Basis des Notenbank-Papiers - eine Momentaufnahme von vor fünf Jahren - weiters, dass drei Landesbanken (Landeshypos) ins Schleudern geraten wären und eine Rekapitalisierung gebraucht hätten. Vor allem sei auch die ehemalige Hypo-Mehrheitseignerin BayernLB gar nicht in der Lage gewesen, ihre Drohung wahr zu machen, die Hypo in die Insolvenz zu schicken. Sie hätte im Fall einer Pleite 6,1 Mrd. Euro verloren.

Die Insolvenzdrohung aus Bayern diente immer wieder als eines der Hauptmotive für die Notverstaatlichung der Hypo Alpe Adria. Die Zeitung mutmaßt, die Drohung habe "nicht so ernst gemeint" sein können. Die Berechnung sei dem Notenbank-Direktorium im Dezember 2009 vorgelegt worden, aktuell heißt es "kein Kommentar", so "Die Presse".

Fakt ist, dass die Notenbank damals wie heute den Nicht-Schritt in die Insolvenz und die somit beschlossene Notverstaatlichung als "alternativlos" verteidigt, nicht nur im Sinne der Finanzmarktstabilität. Schließlich hätte eine Pleite eine Reihe von unabsehbaren Gefahren mit sich gebracht, die am Ende wieder die Republik respektive den Steuerzahler getroffen hätten, wird argumentiert. Hierbei wird auf die Landeshaftungen Kärntens verwiesen, aber auch auf drohende Bank-Runs in Kroatien oder Serbien, wo Verstaatlichungen drohten, um die dortigen Einheiten einem Konkurs zu entziehen. Kurz gesagt: Keineswegs sei es nur um andere Banken gegangen.

Das Land Kärnten hätte 19,8 Mrd. Euro verloren, bei einem Konkurs 2009, schreibt die Zeitung. Der Bund wäre mit 3 Mrd. Euro betroffen gewesen. Die Banken wären mit 11 Mrd. herangezogen worden, inklusive der 6,1 Mrd. Euro, mit denen die BayernLB herangezogen worden wäre und samt den 4,9 Mrd. Euro, die auf heimische Institute entfallen wären.

Alleine für die anderen Hypobanken seien bei einer Pleite der Kärntner Hypo 3,4 Mrd. Euro auf dem Spiel gestanden. Aufgelistet wird das im Papier der Notenbank laut "Presse" so: 351,3 Mio. Euro wären für die Sicherung der Spareinlagen in der Kärntner Hypo notwendig geworden. 620 Mio. Euro an Kreditforderungen der Hypo Alpe Adria hätten abgeschrieben werden müssen. 87,5 Mio. Euro wären für die Rekapitalisierung der drei gefährdeten Landeshypos notwendig geworden. 2,3 Mrd. Euro machten Haftungen für ausstehende Forderungen der Pfandbriefstelle der Hypothekenbanken gegenüber der Hypo Alpe Adria aus, die schlagend geworden wären.

Kosten für "andere österreichische Banken" beziffert die OeNB laut Zeitung mit 1,5 Mrd. Euro. Für die Sicherung von Einlagen davon 628 Mio. Euro und 847 Mio. Euro an offenen Forderungen.

In der Zeitung "Neues Volksblatt" (Mittwochsausgabe) sagt indessen der aus Deutschland stammende EVP-Fraktionschef Manfred Weber (CSU), dass er die Freundschaft zwischen Österreich und dem Freistaat Bayern wegen der Hypo Alpe Adria im Gegensatz zum bayerischen Finanzminister Markus Söder nicht gefährdet sehe. "Es gibt Interessenskonflikte, die gibt es in jeder Freundschaft. Das muss ausdiskutiert werden, stellt aber die grundsätzliche Freundschaft nicht infrage." Wieso kein Vergleich statt dauernder Klagen angestrebt werde? Weber: "Verhandlungen sind immer der beste Weg, keine Frage. Ich würde den Vergleich nicht ausschließen. Zumal ein Verfahren lange dauert, Unsicherheit schafft und auch Kosten verursacht. Aber auch vor Gericht zu gehen ist ein Normalfall." Aber: "Es geht um viel Geld. Jeder Politiker, sowohl in Bayern als auch in Österreich, hat die Steuergelder seiner Bürger zu verteidigen. Deshalb muss man das klären. Wir leben in einer rechtsstaatlichen Struktur. Und im Zweifel muss das vor Gericht geklärt werden."

trends IN FINANCE

Wirtschaft

trends IN FINANCE: Diskussion zum Thema Digitalsteuern

Gerhard Roiss zieht sich aus dem Verbund-Aufsichtsrat zurück

Wirtschaft

Gerhard Roiss zieht sich aus dem Verbund-Aufsichtsrat zurück

Wirtschaft

Markt für effizientes Energie-Service vor Verdoppelung