Wirtschaftsnobelpreis geht an Schotten Angus Deaton

Wirtschaftsnobelpreis geht an Schotten Angus Deaton
Wirtschaftsnobelpreis geht an Schotten Angus Deaton

Angus Deaton, Wiirtschafts-Nobelpreisträger 2015.

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht an den Ökonomen Angus Deaton. Deaton beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der Armutm der Entwicklungs- und Gesundheitsökonomie. Der gebürtige Schotte lehrt an der US-Eliteuniversität Princeton.

Geld macht glücklich - aber nur bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen. Unter anderem diese Erkenntnis hat die Welt dem neuesten Wirtschaftsnobelpreisträger zu verdanken, dem Schotten Angus Deaton. Armut hingegen mache Menschen sowohl unzufrieden als auch unglücklich, fand der heute 69-Jährige im Jahr 2010 gemeinsam mit Kollegen heraus.

Der gebürtige Schotte bekommt den Preis "für seine Analyse von Konsum, Armut und Wohlfahrt", sagte Göran Hansson, Generalsekretär der Akademie. "Der diesjährige Preis handelt von Konsum im Großen und Kleinen." Der 69-jährige Deaton beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der Entwicklungs-, Wohlfahrts- und Gesundheitsökonomie.

Deaton forscht und lehrt an der amerikanischen Elite-Universität Princeton. Auch heute noch sind es die Zusammenhänge von wirtschaftlicher Lage und Konsum mit Gesundheit und gefühltem Glück, die ihn beschäftigen. Einen Schwerpunkt legt er auf das Schwellenland Indien und die Frage, wie Armut sich wissenschaftlich fassen und messen lässt. In Arbeit ist seinem Lebenslauf zufolge eine Schrift darüber, welche Rolle Glücksmessung in der Politik spielen könnte.

"Um eine Wirtschaftspolitik zu entwerfen, die das Wohlergehen fördert und Armut reduziert, müssen wir zuerst die individuellen Konsumentscheidungen verstehen", lobte das Nobelpreis-Komitee die Arbeit des 69-jährige Deaton, der in Schottland geboren wurde und seit 1983 an der Princeton University in den USA forscht und lehrt. "Mehr als jeder andere hat Angus Deaton dieses Verständnis verbessert."

Begründung der Jury

Konkret hob die Akademie drei wissenschaftliche Errungenschaften von Deaton hervor. Um 1980 hatte Deaton erstens gemeinsam mit dem Ökonomen John Muellbauer ein System entwickelt, um die Nachfrage für verschiedene Güter zu schätzen. Dieses System sei wichtig für wirtschaftspolitische Entscheidungen, heißt es in der Mitteilung. So helfe es Regierungen abzuschätzen, wie sich beispielsweise eine Mehrwertsteuererhöhung auf den Konsum auswirke und welche sozialen Gruppen dabei verlieren oder gewinnen.

Zweitens hob die Akademie Deatons Studien um 1990 hervor, die den Zusammenhang zwischen Konsum und Einkommen untersuchten. Dabei zeigte er auf, dass der Schlüssel zu einem besseren Verständnis von makroökonomischen Daten in der in der Betrachtung von Individuen liegt.

Und drittens würdigte die Akademie auch die jüngeren Arbeiten des Briten. Deaton nutzte für seine Ergebnisse die Befragung von Haushalten in Entwicklungsländern. Mithilfe von Daten zu den Konsumausgaben habe er Lebensstandard und Armut berechnet, erklärte die Akademie.

Überraschter Preisträger

Der Anruf der schwedischen Jury hat Deaton am Montag aus dem Schlaf gerissen. "Meine Güte, ich war ganz schön verschlafen!" sagte der in den USA lebende Forscher, der bei der Pressekonferenz in Stockholm per Telefon zugeschaltet war. "Ich war überrascht und erfreut, die Stimmen meiner Freunde vom Komitee zu hören."

Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler kam am 19. Oktober 1945 in Edinburgh zur Welt, sein schottischer Akzent ist aber kaum noch wahrnehmbar. Eine hartnäckige Skepsis und einen Widerwillen, Glück zu bemerken oder zuzugeben, habe er wohl seiner Herkunft zu verdanken, sagte Deaton, der häufig Fliege trägt, einmal in einem Interview. Seine Schwester und er waren demnach die ersten in der Familie, die auf die Universität durften. Er hat sowohl die britische als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und zwei erwachsene Kinder.

In Princeton lehrte Deaton bereits 1979/80 als Gastdozent. Weitere Stationen waren die renommierte englische Universität Cambridge, wo er 1974 promovierte, und Bristol. 2009 wurde er zum Präsidenten der traditionsreichen American Economic Association gewählt.

"Es war mir natürlich wie vielen anderen Ökonomen bewusst, dass es eine Chance dafür gab." Er freue sich darauf, im Dezember zur Preisverleihung nach Schweden zu kommen. Der gebürtige Schotte lehrt an der US-Universität Princeton und bekommt den Preis für seine Analysen von Konsum, Armut und Sozialhilfe.

Kampf gegen die Armut

Der frisch gekürte Preisträger sagte, er rechne damit, dass die Armut weltweit weiter zurückgehe. Die Armutsbekämpfung könne auch die Flüchtlingskrise lösen. Dies dauere aber sehr lange, sagte der britisch-amerikanische Ökonom bei einer Pressekonferenz in Stockholm, zu der er per Telefon zugeschaltet war. "Was wir heute sehen, ist das Ergebnis von Hunderten von Jahren ungleicher Entwicklung in der reichen Welt, wodurch ein großer Teil der Welt zurückgelassen wurde, und diese Menschen wünschen sich ein besseres Leben", sagte der 69-Jährige. "Auf kurze Sicht kann nur eine Stabilisierung der politisch instabilen Verhältnisse helfen."

In einer Videoschaltung sagte der Preisträger am Montag vor Journalisten, er glaube, dass Armut weiter zurückgehe. "Ich sehe einen Rückgang voraus", sagte Deaton, der seit 1983 an der Universität Princeton in den USA lehrt. In den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten sei bereits ein "bemerkenswerter Fortschritt" erzielt worden. "Aber wir sind noch nicht über den Berg", ergänzte er und verwies auf die 700 Millionen extrem armen Menschen, die es laut Weltbank weiterhin gibt.

Große Ehrung

Die Auszeichnung ist mit 8 Millionen. schwedischen Kronen (rund 850.000 Euro) dotiert. Anders als die traditionellen Nobelpreise geht sie nicht auf das Testament des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurück. Die Reichsbank in Schweden stiftete den Preis erst 1968.

Er heißt deshalb auch nicht offiziell Nobelpreis, sondern "Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel". Verliehen wird die Auszeichnung gemeinsam mit den klassischen Nobelpreisen am 10. Dezember - dem Todestag Nobels - in Stockholm. Nur der Friedensnobelpreis wird in Oslo überreicht.

Der Preis ist dennoch die wohl renommierteste Auszeichnung für Wirtschaftsforscher. Am häufigsten sind bisher US-Ökonomen mit der Auszeichnung geehrt worden. 2014 hatte aber der Franzose Jean Tirole für seine Forschungen über Marktmacht und Regulierung den Wirtschafts-Nobelpreis erhalten. Nur einmal ging der Preis in den vergangenen Jahrzehnten an eine Frau: 2009 an die US-amerikanische Umwelt-Ökonomin Elinor Ostrom. Unter den bisherigen Preisträgern gab es mit dem Bonner Spieltheoretiker Reinhard Selten auch nur einen deutschen Forscher.

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